Der Stuttgarter Westen verliert ein beliebtes Tagescafé: Das Mertens macht zu. Wir haben den Chef gefragt, warum er aufhört – und wie es für ihn weitergeht.

Digital Desk: Jörg Breithut (jbr)

Nach neun Jahren ist Schluss: Das Mertens in der Senefelderstraße im Stuttgarter Westen schließt am 19. August seine Pforten. Das Tagescafé ist vor allem für seinen Mittagstisch bekannt. Das Essen in dem Ecklokal kocht Restaurantchef Lars Mertens jeden Tag selbst.

Corona sei nur ein Grund für die Entscheidung gewesen, das Lokal zu schließen, sagt Lars Mertens im Gespräch mit unserer Redaktion. Das Café habe schwere Einbußen in Folge der Pandemie erlitten – und die Auswirkungen seien noch immer zu spüren. „Die großen Bürogruppen, die früher hier im Flur standen zum Essen, sind seither nicht wiedergekommen“, sagt Mertens. Viele seien im Homeoffice und würden nicht mehr zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen zum Mittagessen gehen.

Die Gäste hätten das Café in den schweren Zeiten stark unterstützt, doch aufgrund der höheren Lebensmittelpreise und des Personalmangels habe sich die Lage immer weiter zugespitzt. „Ich hatte tolle neun Jahre hier“, sagt der 52-Jährige. „Es war eine schöne Zeit, in der ich viele nette Menschen kennengelernt habe.“ Doch die vergangenen Jahre hätten den Restaurantchef viel Energie gekostet. „Ich muss jetzt erst einmal Kraft tanken.“

Lars Mertens ist Koch aus Leidenschaft. Im Alter von 15 Jahren machte er seine Ausbildung, arbeitete später unter anderem im Café Auszeit, in der Rosenau und als Sous-Chef auf einem Schiff in der Karibik. 2013 verwirklichte er seinen Traum vom eigenen Restaurant, in dem er auch als Chef jeden Tag in der Küche steht. Die Lebensmittel kauft Lars Mertens auf dem Markt am Bismarckplatz ein, das Mehl kommt aus einer Mühle im Kreis Böblingen und das Eis von einem Bauernhof.

Kartoffelsalat nach Omas Rezept

Das Lieblingsessen der Gäste sei ein schwäbischer Klassiker: Schnitzel mit selbst gemachtem Kartoffelsalat nach dem Rezept seiner Oma. Dennoch sei es dem Koch immer wichtig gewesen, viel Abwechslung auf die Karte zu bringen. Auf seinen Schiffsreisen habe er unter anderem gelernt, indonesisch und kreolisch zu kochen. „Ich habe beim Kochen immer gerne neue Gerichte ausprobiert“, sagt Lars Mertens. Neben Spaghetti Bolognese, Lasagne und Linsen mit Spätzle gab es daher auch Tagliatelle mit Forellenfilet in Meerrettichsoße, Pastasalat mit Melone und in braunem Zucker angebratenes karibisches Gulasch.

Welcher Nachmieter in die Räume des Mertens einzieht, ist noch unklar. Wie es für Lars Mertens weitergeht, weiß der Koch auch noch nicht genau. „Erst einmal muss ich mich ein paar Monate sammeln“, sagt er.

Auf die Frage, was er vermissen werde, sagt Mertens: „Neben dem Kochen wird mir das Gespräch mit den Gästen am meisten fehlen.“ Er habe sich immer gerne mit allen unterhalten, ob beim Frühstück, beim Mittagessen oder beim Nachmittagskaffee. „Ich bin halt eine Quatschnase, das mache ich gern.“