Café Kauz in Esslingen Ohne die Backdamen geht gar nichts

Veronika Hellstern (links) und Lea Eppinger freuen sich über das Buch. Neben Rezeptideen bietet es auch Tipps zum veganen Backen. Foto: /Caroline Holowiecki

Seit sieben Jahren gibt es das Esslinger Café Kauz. Am 11. September wird dort das erste vegane Kauz-Backbuch präsentiert. Warum das ein echtes Teamprojekt ist.

Fluffig, gehaltvoll, süß und durch die gesalzenen Erdnüsse etwas herzhaft. Wer das Bananenbrot von Veronika Hellstern probiert, weiß, warum es im Café Kauz der Renner ist. „Es ist mega beliebt, die Leute fragen danach“, sagt Lea Eppinger. Für die passionierte Bäckerin ist ein Bananenbrot aber eine der leichteren Übungen. Wenn Veronika Hellstern durch die Küche wirbelt, entstehen Torten, Kuchen und andere Süßigkeiten im Akkord. „Weil ich viel parallel mache, brauche ich immer mehrere Timer.“ Diese Angewohnheit hat ihr im Café Kauz den Spitznamen Frau Piep eingebracht.

 

Alles begann mit einem Kaffeewägelchen auf dem Wochenmarkt

Veronika Hellstern und Lea Eppinger sind zwei der etwa sechs Backdamen, die in der kleinen Küche des Esslinger Cafés abwechselnd ihre süßen Kreationen zaubern. Veronika Hellstern (58), von Haus aus Schneiderin und Orthopädiemechanikerin, hat zumeist die stressige Freitagsschicht, da müssen sechs bis acht Kuchen für den Samstag hergestellt werden, Lea Eppinger (32), gelernte Erzieherin, ist donnerstags mit fünf bis sechs Kuchen dran und steht auch sonst regelmäßig hinter der Theke. Das Lokal an der Bahnhofstraße gibt es seit sieben Jahren. Begonnen hatte die Inhaberin Evita Hamon zuvor mit einem Kaffeewägelchen auf dem Wochenmarkt. Trotz der deutlichen Vergrößerung hatte die Enkelin zweier Konditoren im Café zunächst alles selbst gestemmt, aber „das kriegt man allein nicht hin“. Die 46-Jährige hatte eine Idee: Es muss doch Menschen wie mich geben, die gern backen, aber daheim zu wenige hungrige Abnehmer haben.

Gesagt, getan. Gefunden waren die Backdamen, „so habe ich sie getauft“, eine Gruppe von Frauen zwischen dem Studenten- und dem Rentenalter. Sie stellen auf Aushilfsjobbasis die Kuchen fürs Café her. Vorgaben gibt es laut Evita Hamon nicht, allein die benötigte Menge wird festgelegt. „Die überlegen sich, was sie wollen.“ Mindestens ein bis zwei vegane Kuchen gibt es stets in der Theke. „Die Leute entscheiden aber meist danach, was am besten ausschaut“, sagt Lea Eppinger. Welche Backdame was gezaubert hat, ist im Café auf einer Tafel vermerkt. „Ich wollte sie nach vorne holen und sichtbar machen“, sagt die Betreiberin.

Nun erhalten die fleißigen Backdamen noch mehr Aufmerksamkeit. Am Montag, 11. September, erscheint das erste rein vegane Backbuch aus dem Café Kauz. Die öffentliche Präsentation von „Vegane Kuchenliebe“ ist ab 17 Uhr. Im Buch enthalten sind um die 40 Rezepte für Obst- und Rührkuchen, Torten und Tartes, Cheesecakes und Cookies – inklusive Porträts der passionierten Bäckerinnen aus der Stadt Esslingen und dem Landkreis sowie aus Stuttgart. „Sie kommen zu Ehren, das ist richtig schön“, findet Evita Hamon. Auch sie selbst wird im Buch vorgestellt, und der weiße Malteser-Pudel-Mix Yoko spielt ebenfalls eine Rolle – inklusive Hundekeks-Rezept.

Der Markt mit veganen Kochbüchern ist noch nicht so groß

Eine Woche lang hatte Evita Hamon für die Produktion des Buches ihr Café geschlossen, „anschließend haben wir alle Kuchen gespendet“. Auf das Ergebnis ist sie stolz, außerdem glaubt sie an einen echten Mehrwert für Backfans, die auch mal tierische Produkte weglassen wollen. „Der Markt ist noch nicht so groß mit veganen Backbüchern.“ Nachlesen kann man neben den Rezepten Tipps, etwa dazu, wie man Eier ersetzen kann und warum man bei veganen Teigen lieber möglichst wenig rühren sollte. „Man muss sich in das Thema reinfuchsen“, sagt Veronika Hellstern. Erhältlich sein werden die gedruckten Exemplare unter anderem im Café Kauz, außerdem im klassischen Buchhandel. Evita Hamon ist schon aufgeregt. „Es ist für mich etwas Besonderes, weil es bleibt.“

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