Campus Feuerbach Der Campus macht es möglich

  Foto: Torsten Ströbele
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Die Feuerbacher Gymnasien können als erste in Stuttgart auf die Hilfe von Schulsozialarbeitern zurückgreifen.

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Feuerbach - Schulsozialarbeit ist an Gymnasien kein Tabuthema mehr. Auch angehende Abiturienten haben mit Problemen zu kämpfen. Gewalt, Sucht oder Mobbing gibt es nicht nur an Haupt- beziehungsweise Werkrealschulen. Schon lange sind diese Themen auch an den Gymnasien angekommen. Doch der Stuttgarter Gemeinderat hatte bislang noch kein Geld für Schulsozialarbeit an Gymnasien bereit gestellt. Erst im aktuellen Doppelhaushalt wurden zwei neue 50-Prozent-Stellen geschaffen – und das in Feuerbach. Die Schulentwicklungsplanung für den Bezirk und die damit einhergehende Idee eines Campus haben es möglich gemacht.

Das Neue und das Leibniz-Gymnasium sowie die Bismarck- als Werkrealschule sollen künftig noch enger zusammenrücken. Insgesamt stehen den drei Lehranstalten nun 1,5 Stellen für Schulsozialarbeit zur Verfügung. „Mir ist bislang kein vergleichbares Modell bekannt“, sagt Manfred Niewöhner vom Jugendamt. Im März kommenden Jahres möchte er sich mit den Rektoren der drei Schulen wieder an einen Tisch setzen, um die ersten Erfahrungswerte auszutauschen und dem Gemeinderat noch vor der Sommerpause über den Start des Modellprojekts berichten zu können.

Susanne Heß und Otto Fischer, die Rektoren des Neuen beziehungsweise des Leibniz-Gymnasiums, sind froh, Unterstützung durch Schulsozialarbeiter zu bekommen. „Unsere Lehrer werden dadurch entlastet und haben nun einen Ansprechpartner, wenn ihnen bei den Schülern etwas auffällt“, sagt Fischer. Bislang hätten die Lehrer die Arbeit der Schulsozialarbeiter mit übernehmen müssen. Das sei aber nur in geringem Umfang möglich gewesen. Nun könne mehr auf die Schüler sowie ihre Sorgen und Nöte eingegangen werden. „Wir vermuten, dass es auch um Themen wie Leistungsdruck und Stressbewältigung im Rahmen unserer Tätigkeit am Gymnasium gehen wird“, sagt Jutta Jung vom Caritasverband, die sich um die Schulsozialarbeiter in Feuerbach kümmert. Heß und Fischer gehen auch davon aus, dass „zu viel Facebook und zu wenig Hausaufgaben“ oder Mobbing thematisiert werden. Kinder und Jugendliche, die ihr Potenzial nicht abrufen können oder die sich allein gelassen fühlen, gehören aber ebenso zum potenziellen Kreis derer, die von der Schulsozialarbeit profitieren sollen.

Bismarckschule hätte gerne eine ganze Stelle

Das Modellprojekt an den beiden Gymnasien wird am 12. November offiziell starten – mit einer 50-Prozent-Stelle, die sich beide Schulen erst einmal teilen werden. „Wir hoffen, Anfang 2013 die zweite Stelle besetzt zu haben“, sagt Jutta Jung. Ziel sei es, dass die Schulsozialarbeiter dann an jeder Schule zwei Tage in der Woche präsent sein können.

Ein erster Kontakt zu den Schülern soll im Unterricht hergestellt werden. „Wir werden mit der Mittelstufe starten und dort unsere Arbeit vorstellen beziehungsweise erfragen, was sich die Siebt- bis Zehntklässler von den Schulsozialarbeitern wünschen und was sie von ihnen erwarten“, sagt Jutta Jung. Des Weiteren sollen die Mitarbeiter in den Pausen auf dem Schulhof präsent sein oder auch Einzelfallhilfen anbieten. Otto Fischer sagt: „Wir denken schon, dass die Schüler eher mit dem Schulsozialarbeiter über ihre Probleme sprechen, als mit einem Lehrer.“

Gerald Mandl, Rektor der Feuerbacher Werkrealschule, hält große Stücke auf die Schulsozialarbeit. Seit mehr als zehn Jahren profitiere die Bismarckschule von ihr. Momentan kann Mandl auf eine 50-Prozent-Stelle zurückgreifen: „Ich freue mich zwar auf die noch engere Zusammenarbeit mit meinen Schulleiterkollegen und finde das Campus-Modell auch gut. Aber ich bräuchte eigentlich schon eine ganze Stelle für Schulsozialarbeit.“ Susanne Heß und Otto Fischer sicherten Gerald Mandl ihre Unterstützung zu. „Wir gehen davon aus, dass auch Sie von den neuen Stellen profitieren werden“, sagt Fischer.




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