„Eine Erleichterung für unsere Arbeit sehe ich nicht“, sagte der Ludwigsburger Polizeipräsident Thomas Wild zur seit 1. April geltenden Legalisierung des Cannabis-Konsums. Bei einem Pressegespräch sind die Präsidiumsspitzen auf die Unfall- und Straftatenzahlen 2023 in den Landkreises Ludwigsburg und Böblingen eingegangen. Wild und seine Kollegen treibt gerade aber auch der Umgang mit dem neuen Gesetz um. „Schon allein wegen der Vorgaben, wo der Konsum weiterhin verboten ist, wird die Legalisierung nicht zur Entlastung führen“, sagte Wild. Unter anderem darf in der Nähe von Kindergärten und Schulen weiterhin nicht gekifft werden. Auf die Kontrolle solcher Vorgaben spielt Wild an.
THC und Alkohol nicht zu vergleichen
Sorge machen sich die Polizeibeamten auch um das Signal, das von der Cannabis-Legalisierung ausgeht. „Cannabis-Konsum und Straßenverkehr gehen nicht zusammen. Wer kifft darf auch weiterhin kein Fahrzeug führen“, sagte Polizeivizepräsident Thomas Lüdecke. Erwin Grosser, Direktor der Schutzpolizei, erinnerte an einen Unfall vor einem Jahr bei dem ein bekiffter Lastwagen-Fahrer in eine Baustelle auf der Autobahn raste, dabei einen Arbeiter tötete und einen anderen schwer verletzte.
Oft werde übersehen, dass sich der Wirkstoff THC viel langsamer im Körper abbaue als Alkohol. Wer Samstag gekifft habe, so Lüdecke, könne durchaus noch Dienstag beeinträchtigt sein. Aus diesen Gründen kann Lüdecke auch den nun diskutierten Vorschlägen wenig abgewinnen, das Autofahren ähnlich wie beim Alkohol mit einer geringen Menge THC im Organismus zu erlauben. Eine Kommission des Bundesverkehrsministeriums hatte einen Grenzwert von 3,5 Nanogramm THC empfohlen. „Mir fehlt der wissenschaftliche Beleg dafür, dass das 0,2 Promille entsprechen soll“, so Lüdecke. Das Ludwigsburger Polizeipräsidium will sich gegen die Anhebung des Grenzwerts einsetzen, zumal für eine entsprechende Kontrolle noch die nötigen Mittel fehlten.
Zum Thema Rauschgiftkriminalität legte Silke Kübler, Chefin der Kriminalpolizei, die neue Strategie des Polizeipräsidiums dar. „Wir wollen an die Hintermänner“, sagte sie. Dieses Jahr seien schon Erfolge zu verbuchen gewesen und man habe Banden erwischt, die dutzende Kilo Rauschgift umsetzten. Die Ermittlungen seien aber langwierig und sehr herausfordernd, weil die Banden durchweg sehr professionell organisiert seien. Es werde über verschlüsselte Handys kommuniziert und die Nachrichten schnell gelöscht. Auch die Vorgehensweise sei meist äußerst vorsichtig. Dafür habe ein Ermittlungserfolg eine große Wirkung auf die Drogenszene.