Volksfestbilanz Bis zu 11.000 Euro – das verdient man auf dem Cannstatter Wasen

Was verdienen eigentlich die Angestellten in den acht Bierzelten, an den 123 Vergnügungsgeschäften und knapp 150 Ständen auf dem Wasen? Foto: dpa/Christoph Schmidt

Während Wasen-Schausteller über Gewinne schweigen, lassen sich einige Angestellte Zahlen entlocken. Wie viel die Security bekommt und warum Bedienungen pro Maß Bier entlohnt werden.

„Was ich verdiene, weiß mein Steuerberater, aber sonst sicher keiner“ – wer nach nackten Zahlen fragt, kann auch mit der vierten Nachfrage den Betreiber des Nussstandes nicht knacken. Zu Umsatz und Gewinn schweigen die Inhaber der Fahrgeschäfte und Essensbuden auf dem Cannstatter Volksfest traditionell eisern.

 

Auskunftsfreudiger sind da ihre Angestellten. Jedenfalls, solange sie ihre Namen nicht nennen müssen. „Etwas mehr als Mindestlohn, 13 bis 14 Euro pro Stunde sind es“, sagt ein Mann an einem der Schießstände. Zwischen den 12 Euro Mindestlohn bei einem Stand mit Lebkuchenherzen und den 14 Euro für die Luftballonverkäuferinnen pendeln sich auch viele der übrigen Gehälter an den Buden ein.

Mehr als Mindestlohn für den Security-Mann

Etwas mehr als Mindestlohn – lohnt es sich, dafür zwei Wochen Urlaub zu nehmen? „Klar, wir haben ja Spaß hier und das Geld ist leicht verdient“, sagt der junge Mann aus Stuttgart am Schießstand. Acht bis neun Stunden steht er pro Tag auf dem Wasen, während des restlichen Jahres leitet er eine Filiale. Auch die Luftballonverkäuferinnen finden: „Der Job ist chillig. Und wir bekommen Essen und Trinken gestellt.“

„Chillig“ ist der Job der Sicherheitskräfte sicherlich nicht immer. An den Eingängen zum Festgelände und zu den Zelten kontrollieren sie Taschen und Bändchen der drängelnden Besucherinnen und Besucher, müssen Betrunkene und Pöbler hinaus bugsieren. Im Schnitt sind es je nach Firma 16 bis 18 Euro pro Stunde, die sie dafür bekommen, sagt einer der Security-Männer. Im Festzelt auf dem Cannstatter Wasen steht er nur an den Samstagen für jeweils etwa vier Stunden. Urlaub bei seinem Arbeitgeber Porsche musste er deshalb keinen nehmen.

Bis zu 18 Euro pro Stunde verdienen die Sicherheitskräfte laut einem Beschäftigten auf dem Cannstatter Wasen. Foto: Jana Gäng

Und sein Stresslevel? Immerhin ist es an den Wochenenden besonders voll im Zelt. „Das ist wirklich in Ordnung, deshalb bin ich auch zum dritten Mal hier. Ich mag Menschen“, sagt er entspannt, während er zwei Jugendliche ohne Band stoppt und einer Gruppe grölender Männer in Lederhosen den Weg zur Toilette weist.

Bis zu 11 000 Euro für die Kellnerinnen und Kellner

Deutlich kürzer sind die Gespräche mit den Kellnerinnen und Kellnern. Am Samstag des Abschlusswochenendes bleibt zwischen den Bestellungen kaum Zeit zu plaudern. Zahlen nennen ein paar trotzdem – anonym, versteht sich. Zwischen 5000 und 8000 Euro kommen bei ihm im Schnitt in den 17 Tagen zusammen, sagt ein junger Mann. Er ist im Praxissemester seines Studiums, hat sich für den Wasen Urlaub genommen und ist aus Bayern nach Stuttgart gereist. Kein Einzelfall – einige kommen auch aus dem Ausland.

Eine andere Kellnerin setzt höher an: Zwischen 6000 und 11 000 Euro verdient sie jedes Jahr auf dem Wasen, sagt sie noch, da tippt sie schon der nächste Besucher an. Und wie anstrengend ist der Job? „Sehr“ – dann ist sie weg.

Kellner bekommen keinen festen Stundenlohn

Bis zu 11 000 Euro in 17 Tagen klingt gewaltig. Neidisch brauche aber niemand sein, sagt Festwirt Karl Maier vom Göckelesmaier-Zelt: „Die Leute schrubben so viele Stunden, schleppen die großen Tabletts durch enge Gänge, müssen auf Zack sein, kassieren und dann dabei auch noch freundlich und adrett aus der Wäsche gucken. Unter 300 Euro pro Tag würde diesen Knochenjob doch kaum einer nochmals machen.“ Der Job ist nicht nur für den Körper hart zu ertragen. Vor allem für die Kellnerinnen kommen noch die Sprüche hinzu – bis hin zu Belästigungen, wie eine Kellnerin resigniert bestätigt: „Man muss damit leben.“

Stundenlang Maßkrüge stemmen und dabei freundlich bleiben – kein einfacher Job (Archivbild). Foto: dpa/Christoph Schmidt

Wer in den Zelten etwas über sein Gehalt verrät, nennt eine Spanne statt einer Zahl. Denn einen festen Stundenlohn haben die Kellnerinnen und Kellner nicht. Stattdessen arbeiten sie auf Provisionsbasis. Sie bekommen also einen Anteil an dem Umsatz, den sie erwirtschaftet haben. Wer mehr läuft und mehr schleppt, bekommt mehr – oder wer einen besseren Platz im Zelt erwischt hat. Der wechselt meist. Einige Kellner arbeiten auch in Teams.

1,10 Euro Lohn pro Maß

Der genaue Lohn berechnet sich je nach Zelt unterschiedlich. Im Dinkelacker-Festzelt der Wirte Dieter und Werner Klauss buchen die Kellner jedes bei ihnen bestellte und bezahlte Getränk und jede Speise über einen eigenen Account ab, erklärt Sandro Klauss. Etwa jeden zweiten Tag wird abgerechnet und die Kellner müssen für die bei ihnen bezahlte Menge an Speisen und Getränken beim Festwirt zahlen. Allerdings bezahlen sie im Vergleich zu den Gästen einen günstigeren Preis ohne Provisionssatz. Die Differenz zum höheren, von den Gästen bezahlten Preis ist ihr Lohn. Ähnlich funktioniert das Bedienungsgeld beim Festwirt Karl Maier – dort liegt der Lohn pro Maß Bier in diesem Jahr bei 1,10 Euro.

Bezahlen können die Bedienungen mittels der Wertmarken, die sie von den Gästen bekommen oder selbst kaufen. Im Dinkelacker-Zelt haben die einen Wert von fünf oder zehn Euro. Bei einem Preis für eine Maß Bier von 14,20 Euro bleibt das Rückgeld – etwa zu 15 Euro – im Idealfall als Trinkgeld bei Keller oder Kellnerin, so Klauss.

Nur die Hälfte vom üblichen Lohn am Abschlusswochenende

Bei fast durchgängig Sonnenschein strömen in diesem Jahr die Besucher – und doch sind gleich mehrere Kellner unzufrieden. „Der ganze Platz hat dieses Jahr weniger verdient“, sagt einer schmallippig. Mehr will er nicht sagen. „Es ist wirklich ein schlechtes Jahr. Heute bin ich gerade einmal bei der Hälfte von dem, was ich sonst mache“, sagt ein anderer Kellner, da läuft das Wasen-Abschlusswochenende schon an. Und was heißt ein schlechtes Jahr in Zahlen? Er muss es wissen, immerhin kommt er seit acht Jahren her: „Die Spanne lag bisher bei 3500 bis 10 000 Euro.“

Der Bierpreis sei dieses Jahr für sie nicht gut und das Trinkgeld sowieso nicht, sagt ein Dritter. „Ich komme vielleicht bei 4500 Euro raus, wenn es dieses Wochenende noch gut läuft.“ Vielleicht liege es an der Inflation, sagt er noch und dann: „Aber es ist hier auch nicht München.“

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