Cannstatterin in finanzieller Not Raus aus den Schulden

Von Janey Schumacher 

Wenn Versicherungsbeiträge zum Verhängnis werden: Das Schicksal einer Cannstatterin zeigt auf, wie schnell man in finanzielle Not geraten kann.

Wenn Mahnungen ignoriert werden, kann es schnell unübersichtlich werden und sich ein Schuldenberg auftürmen. Foto: dpa
Wenn Mahnungen ignoriert werden, kann es schnell unübersichtlich werden und sich ein Schuldenberg auftürmen. Foto: dpa

Bad Cannstatt - Sie traute ihren Augen kaum, als sie den Brief von der Krankenkasse öffnete: 5000 Euro sollte Marina, die in Wirklichkeit anders heißt, nachzahlen, stand da. „Ich war wirklich geschockt und hatte keine Idee, wie ich die Summe aufbringen sollte.“ Nachdem der erste Schock überstanden war, stellte sich ihr die Frage, wie diese beträchtliche Summe zustande kommen konnte. Die Gründe sind verbunden mit einem schweren Schicksalsschlag: Vor acht Jahren verstarb Marinas Vater. Über ihn war die damals arbeitslose 20-Jährige auch mit krankenversichert. „Ich dachte, ich wäre nach seinem Tod über meine Mutter mit versichert.“ Ein Irrtum, wie sich Jahre später herausstellte. So verstrichen die Monate, ohne dass die fälligen Beiträge bezahlt wurden. „Damals hätte ich eigentlich Halbwaisen-Rente beantragen müssen.“ Weil sie aber nach dem Tod ihres Vaters andere Sorgen als ihre Versicherung beschäftigten, habe sie daran schlichtweg nicht gedacht. Außerdem habe sie nicht genau gewusst, auf welchem Amt sie als Arbeitssuchende welche Leistung beantragen hätte müssen. Daher lag acht Jahre später der besagte Bescheid im Briefkasten. „Mich wundert es allerdings, dass sich nie jemand von der Krankenkasse oder vom Jobcenter bei mir gemeldet hat, um mich auf das Problem aufmerksam zu machen. Dann wäre der Schuldenberg jetzt vielleicht ein bisschen kleiner“, sagt Marina. So habe sie die Jahre über gedacht, dass „es schon so passen“ würde.

Medizinische Notversorgung

Dass dies eben nicht der Fall war, stellte sich vor kurzem auch bei einem Arztbesuch heraus. Da Marina noch eine ältere Version ihrer Krankenkarte hatte, machte der Arzt sie darauf aufmerksam. Sie rief bei der Krankenkasse an, um der Sache nachzugehen. „Dort erfuhr ich, dass es offenbar Probleme mit den Beitragszahlungen gab.“ Wie groß diese Probleme tatsächlich waren, ahnte sie zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht. Denn die Höhe der Schulden erfuhr sie einige Wochen später mit dem Erhalt des Schreibens.

Die Angelegenheit hatte für die junge Frau nicht nur finanzielle Konsequenzen, sondern wirkte sich auch auf die ärztliche Versorgung aus. Außer einer Notversorgung standen ihr wegen der Probleme mit der Krankenkasse nur wenige Leistungen zu. „Einfach so mal wegen Rückenschmerzen zum Arzt gehen, ging nicht.“ Eine sehr unangenehme Situation. Auch wenn ihr beim Arzt mitgeteilt wurde, dass sie wegen der Probleme mit der Krankenversicherung nicht behandelt werden kann und das ganze Wartezimmer dies mithören konnte, war ihr das mehr als peinlich.

Zweifel an der Schuldnerberatung

Wie sie die 5000 Euro abbezahlen sollte, wusste die junge Frau nicht. Als sie das Schreiben erhielt, war sie noch in der Ausbildung. In ihrer Verzweiflung hat sie sich schließlich an ihre Mutter gewandt. Die ist im Internet auf die Schuldnerberatung der Kreisdiakoniestelle gestoßen. Anfangs habe sie etwas Sorge gehabt, ob man ihr überhaupt aus der Misere heraushelfen könne. Dann wurde Marina jedoch positiv überrascht – ihr konnte in Gesprächen weitergeholfen werden. „Zuerst mussten wir herausfinden, was da genau schief gelaufen ist und warum.“ Als alle Unterlagen gesichtet und der Sachverhalt klar war, musste noch über die Ratenhöhe mit der Krankenkasse verhandelt werden. Es wird allerdings noch viele Monate dauern, bis die Summe abbezahlt und Marina schuldenfrei ist. Einen kleinen Trost gibt es jedoch: Eine neue Krankenversicher­ungskarte hat sie inzwischen.

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