Car-Freitag in Stuttgart Tuning-Szene feiert unterm Fernsehturm
Friedlich und in bester Laune feierte die Autotuning-Szene trotz Polizeikontrollen am Karfreitag ihren Saisonauftakt. Vier Autos wurden dennoch abgeschleppt.
Friedlich und in bester Laune feierte die Autotuning-Szene trotz Polizeikontrollen am Karfreitag ihren Saisonauftakt. Vier Autos wurden dennoch abgeschleppt.
Strahlende Felgen, polierte Kotflügel und glänzende Motorhauben in allen Farben: In Degerloch zeigte sich am Freitag die ganze farbenfrohe und vielfältige Welt der Autotuning-Szene. Kurzerhand umfunktioniert zum Car-Freitag feiern Auto-Enthusiasten deutschlandweit am Karfreitag jedes Jahr den Saisonauftakt. „Der Car-Freitag ist Pflicht“, sagt ein Besucher am Fuße des Fernsehturms, wo sich mehr als 100 Autofans mit ihren Vehikeln eingefunden haben. Familien mit Kindern, junge Menschen und ältere Auto-Fans sitzen hier um Campingtische, essen, rauchen Wasserpfeife und schlendern lachend über den Parkplatz. Die Motoren sind während diesem Treiben ausgeschaltet.
„Hier geht es heute darum, Menschen mit derselben Leidenschaft zu treffen und sich auszutauschen“, erklärt Cevin aus Reutlingen, für den das Auto seinen Besitzer widerspiegelt. Er selbst habe bei seinem 3er BMW beispielsweise die Felgen und diverse Carbonteile verändert. „Es gibt die Tuner, die Poser und die Raser“, erklärt er weiter. Mit den letzten beiden habe man hier nicht viel zu tun.
Auch für Jannes, der neben seinem Toyota GT86 steht, ist es heute nicht wichtig, wie laut oder stark die Motoren sind: „Es ist egal, wie viel PS ein Auto hat oder von welcher Marke es ist. Uns geht es darum, Spaß am Auto zu haben und die Menschen dahinter kennenzulernen“, erklärt der 21-jährige, für den der heutige Tag wie ein schönes Familientreffen ist.
Die friedliche Feierlaune beeindruckt auch die zahlreichen Spazierenden, die am Freitag rund um den Fernsehturm unterwegs sind. „Für mich ist so ein Auto nichts, aber wenn die alle friedlich sind und so viel Spaß an ihrem Hobby haben, ist das doch gut“, kommentiert eine Rentnerin aus Sillenbuch, die den Feiertag für einen Ausflug mit der Familie in den Wald nutzt.
Dass der Mittag friedlich verläuft, bestätigt auch der Sprecher der Polizei, die am Tag Kontrollen an den Fahrzeugen durchführt. 16 Beamte sind im Einsatz, winken zahlreiche Autos zur Kontrolle an den Rand der Szenerie, zücken den Zollstock, um den Abstand von der Karosserie zum Boden zu überprüfen, messen die Lautstärke und suchen nach „nicht genehmigten baulichen und technischen Veränderungen“, so der Sprecher. Und auch wenn eine Gruppe Tuner die Kontrollen mit „das ist so lächerlich“ kommentiert, verlaufen diese in der Summe friedlich. „Das ist hier alles unproblematisch, die Menschen treffen sich und haben Spaß“, heißt es von Seiten der Polizei. Gravierende Verstöße gibt es bis zum Nachmittag nicht.
Einige Tuner haben dazu allerdings eine ganz eigene Theorie: „Wenn man Dreck am Stecken hat, kommt man ja erst gar nicht zu so einem Treffen, man weiß ja, dass hier kontrolliert wird“, so eine Gruppe Teilnehmer.
Dennoch treffen die Kontrollen auch einige wenige Besucher hart. Bis zum frühen Abend verlieren vier Fahrzeuge „wegen baulicher oder technischer Mängel“ ihre Betriebserlaubnis und müssen abgeschleppt werden. So auch das Fahrzeug von Eddie aus dem Schwarzwald, der mit seinen drei Töchtern im weißen BMW auf den Parkplatz fährt. Hier finden die Beamten eine Schweißnaht am Auspuff. Die Messung der Lautstärke ergibt außerdem, dass die Abgasanlage 8 Dezibel zu laut ist. Die Konsequenz lautet deshalb: das Fahrzeug wird abgeschleppt, um technisch untersucht zu werden.
„Ich hatte mal einen Tuning-Auspuff dran, habe den dann aber wieder durch das Originalteil ersetzt, daher die Schweißnaht. Dass der Auspuff nun zu laut ist, war mir nicht bewusst,“ beteuert der Familienvater, der jede Veränderung gewissenhaft eintragen und kontrollieren lasse, wie er erzählt. Verständnis für die Polizei hat er trotzdem. „Ich kann die Maßnahmen verstehen.“ Dass es ihn nun erwischt habe, bezeichnet er allerdings als „nicht ganz gerecht“.
Generell sehen die Autotuner den Kontrollen der Polizei aber gelassen zu. „Ich finde es legitim. Es ist ja auch wichtig, dass alles legal zugeht. Von manchen Modifikationen kann ja wirklich eine Gefahr für das Leben anderer ausgehen“, erklärt Jannes, der an seinem Auto unter anderem die Frontlippe und die Gurte verändert hat und sich damit wie die meisten anderen am Car-Freitag am Fuß des Fernsehturms im gesetzlichen Rahmen bewegt.