Carsharing Das Smartphone wird zum Verkehrslotsen

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Experten erwarten, dass Carsharing in Europa explosionsartig wächst: von 0,7 Millionen Kunden (2011) auf 15 Millionen Kunden (2020). Davon will Daimler profitieren – und macht dabei das Smartphone zum Verkehrslotsen.

Daimler will die Car2go-Flotte in diesem Jahr auf 10 000 Autos erweitern. Foto: dpa
Daimler will die Car2go-Flotte in diesem Jahr auf 10 000 Autos erweitern. Foto: dpa

Stuttgart - Der Daimler-Konzern will das Geschäft mit Mobilitätsdiensten ausbauen. Bis jetzt konzentriert sich das Unternehmen vor allem auf sein Car­sharingangebot Car2go mit Autos der Marke Smart. Durch zum Beispiel die Einbindung des öffentlichen Nahverkehrs, von Mitfahrzentralen, Taxi und Unternehmen, die Zugriff auf Parkplätze haben, soll im Internet eine Mobilitätsplattform geschaffen werden, die unabhängig von Verkehrsträgern ist.

„Wir wollen dem Kunden die beste Möglichkeit bieten, von A nach B zu kommen“, sagt Robert Henrich, bisher verantwortlich für Car2go. Die Mobilitätsplattform mit dem Namen Moovel wird als Smartphone-App seit dem vorigen Jahr in Stuttgart und Berlin in Pilotprojekten erprobt; in diesem Jahr soll der Dienst ausgebaut und in zahlreichen weiteren Städten angeboten werden. Ziel ist auch, dass Moovel künftig nicht nur Mobilitätsvarianten anzeigt, sondern auch gleich Buchung und Bezahlung abwickelt. Die künftig enge Verknüpfung von Car2go und Moovel unterstreicht Daimler mit der Gründung der Tochter Daimler Mobility Services, in der diese Dienste seit Jahresbeginn zusammengefasst sind.

An drei Standorten wird schon bald Geld verdient

Henrich, der jetzt Geschäftsführer von Daimler Mobility Services ist, und Klaus Entenmann, Chef der übergeordneten Sparte Daimler Financial Services, sind sicher, dass die Mobilität in Großstädten nur mit Hilfe neuer Konzepte aufrechterhalten werden kann. Nach Schätzung der Beratungsgesellschaft Frost & Sullivan werden im Jahr 2025 bereits 4,5 Milliarden Menschen weltweit in Städten leben – eine Milliarde mehr Menschen als heute. Die Zahl der Carsharingnutzer wird aus Sicht von Frost & Sullivan bis zum Jahr 2020 von heute etwa 700 000 auf dann nahezu 15 Millionen steigen.

Entsprechend ehrgeizig sind auch die Pläne von Daimler. „Angesichts des enormen Marktpotenzials von innovativen Mobilitätsdienstleistungen wollen wir bereits binnen der nächsten 24 Monate beim Umsatz die Marke von 100 Millionen Euro erreichen“, sagte Entenmann. Nach den Worten Henrichs besteht die vorrangige Aufgabe darin, den öffentlichen Nahverkehr und das Automobil zu verknüpfen.

Drei Car2Go-Standorte sind bereits profitabel

Erlöse entstehen beim Carsharing (Car2go verlangt 0,29 Euro pro Minute) ebenso wie bei Moovel (die Kooperationspartner – nicht die Nutzer – zahlen dem Unternehmen eine Provision). Bereits in diesem Jahr will Daimler an drei der mittlerweile weltweit 18 Car2go-Standorten mit Gewinn arbeiten. Welche Städte dies sind, wollen Entenmann und Henrich nicht sagen; sie deuten aber an, dass die Standorte Hamburg, Wien und Vancouver (Kanada) gut vorankommen.

Im Jahr 2011 waren bei Car2go etwa 60 000 Kunden registriert; gegenwärtig sind es 275 000 (davon 100 000 in Deutschland). Bis Ende des Jahres will der Konzern auf eine halbe Million Kunden kommen. Zurzeit sind 6100 Smarts bei Car2go im Einsatz; bis Jahresende soll die Flotte auf 10 000 Autos erweitert werden. Beschäftigt werden 250 Mitarbeiter. Ein typische Car2go-Kunde fährt den Smart nach Henrichs Schätzung etwa eine halbe Stunde und legt eine Strecke von fünf bis zehn oder fünfzehn Kilometern zurück.

Car2gether ist verschwunden

Auf der Suche nach ergänzenden Dienstleistungen beteiligt sich Daimler auch an Partnern, zum Beispiel an Gotta-Park in San Francisco. Über das noch junge Unternehmen können in acht US-amerikanischen Staaten und in Vancouver etwa 30 000 Parkplätze ­gebucht werden. 2013 will Daimler mit Gotta-Park ein Pilotprojekt in Europa durchführen. Beteiligungen bestehen auch an der Taxisuche My Taxi und an dem Kurierdienst Tiramizoo. Zudem ist Daimler an Carpooling.com, dem ­Betreiber von Mitfahrgelegenheit.de be­teiligt.

Der eigene Vermittlungsdienst Car2gether ist hierin aufgegangen. Zudem werden Verhandlungen mit möglichen Partnern wie der Bahn geführt. Zu einem späteren Zeitpunkt kann sich Henrich auch die Einbindung von Fluggesellschaften vorstellen. Zudem will Daimler das Prinzip Carsharing auf die Fuhrparks von Unternehmen ausweiten. Die Idee: die Auslastung der Flotten wird erhöht, und die Mitarbeiter können die Autos – sofern sie frei sind – kostengünstig privat nutzen. Ein Pilotprojekt ist für dieses Jahr geplant.

Von der Redaktion am 22. Januar 2013 um 16:03 Uhr im fünften Absatz geändert: „Erlöse entstehen beim Carsharing (Car2go verlangt 0,29 Cent pro Minute) ebenso wie bei Moovel (die Kooperationspartner – nicht die Nutzer – zahlen dem Unternehmen eine Provision).“ Richtig ist „Car2go verlangt 0,29 Euro pro Minute.“