Castle Freeman: „Der Klügere lädt nach“ Spaß beim Lesen

Von Georg Patzer 

Kurze Dialoge, eine lakonische Sprache und eine zweifelhafte Moral: Castle Freeman erzählt in „Der Klügere lädt nach“ von Männern, die sich ihre Gesetze selber machen. Georg Patzer hat das Buch für Killer & Co. gelesen und für gut befunden – wenn auch mit einer kleinen Einschränkung.

Castle Freeman ist berühmt für seine lakonischen Romane, die ein bisschen wie Wildwest-Kaurismäki-Filme klingen. Foto: Jane Lindholm
Castle Freeman ist berühmt für seine lakonischen Romane, die ein bisschen wie Wildwest-Kaurismäki-Filme klingen. Foto: Jane Lindholm

Stuttgart - Viel reden tun sie nicht. Viel handeln auch nicht. Wie das bei den drei Alten ist, weiß man nicht, beim Sheriff Lucian Wing ist es nicht nur Faulheit. Er hat inzwischen gelernt, dass es manchmal besser ist, man tut nichts, hat Geduld. Dass sich die Dinge dann doch ein bisschen von selbst regeln. Und dass die Probleme größer werden, wenn man sich einmischt. Aber manchmal muss man es eben doch.

So maulfaul ist diese „Fargo“-Gegend. Die Geschichte beginnt damit, dass er er ins Krankenhaus fährt, um Terry St. Clair zu besuchen. Der hing an zwei Infusionen: „In der einen war Blut, in der anderen hätte eine ordentlich Dosis Hirn sein sollen, aber wahrscheinlich enthielt sie bloß hauptsächlich Wasser.“ Sein linker Arm endete jetzt etwa zehn Zentimeter über dem Handgelenk. Terry war ein Kleinkrimineller, der nicht viel gelernt hatte, außer, dass man nicht mit Bullen redet. Und so meinte er, er habe Heu gemacht: „Bin mit der Hand in die Presse gekommen.“ Auf die ungläubige Nachfrage nickt er nur. „,Mitten in der Nacht?‘ wieder sah Terry mich an. Es war ein langer Blick. ‚Genau‘, sagte er.“

Den Sheriff auf dem Kieker

Wer aber richtig nervt, ist Stephen Roark, „der Vorsitzende“. Den Vorsitz über den Gemeinderat hat er erst vor kurzem übernommen, er ist auch kein Alteingesessener, sondern ein Pensionär, der in die Gegend gezogen ist. Früher war er im Pentagon tätig. Mischt sich in alles ein, weiß alles besser, und jetzt hat er den Sheriff auf dem Kieker.

Und dann ist Terry verschwunden. Wing findet ihn, ohne sich groß anzustrengen, später noch einmal, aber es ist nichts aus ihm herauszukriegen, auch nicht aus seinen Eltern. Nicht einmal, als sein neuer Deputy Gilfeather, eine schießwütige Frau, die bei den Marines war und von der Wing meint, „dass weibliches Einfühlungsvermögen womöglich nicht zu ihren Stärken gehört. Vielleicht ist das Schwesterliche in ihr nicht besonders ausgeprägt, vielleicht fehlt ihr einfach die Begabung dafür.“

Die Alten nehmen die Sache in die Hand

Und dann verliert Nelson Butterfield ein Auge. Und verschwindet spurlos. Auch er ein Tunichtgut, nicht ganz so schlimm wie Terry, aber auch nicht viel besser. Und dann verliert Roark die Nerven und verlangt eine Untersuchung gegen den Sheriff, warum der nichts tut. Und holt Unterstützung vom Büro des Gouverneurs in die Provinz. Und dann nehmen die drei Alten, Cola, Homer und Ex-Sheriff Wingate, die Sache in die Hand. Und es stellt sich heraus, dass sie das immer schon gemacht haben.