Cawa Younosi Warum der SAP-Personalchef gehen musste
Der Softwarekonzern SAP wird mal wieder von Personalquerelen erschüttert. Der renommierte Personalchef Deutschland, Cawa Younosi, hat seinen Abgang angekündigt – offenbar nicht freiwillig.
Der Softwarekonzern SAP wird mal wieder von Personalquerelen erschüttert. Der renommierte Personalchef Deutschland, Cawa Younosi, hat seinen Abgang angekündigt – offenbar nicht freiwillig.
Mit den Worten „Ciao, au revoir, adieu… SAP“ hat der Personalchef Deutschland, Cawa Younosi, am Freitag unerwartet seinen unverzüglichen Abschied bei SAP bekannt gemacht – auf Linkedin, wo er rund 100 000 Follower hat. Mit gemischten Gefühlen habe er nach mehr als 14 Jahren beim Softwareunternehmen und langer, tiefer Überlegung entschieden, SAP zu verlassen, um neue berufliche Möglichkeiten anzugehen.
In der Folge lobt der „Global Head of People Experience“ sich selbst, die Kollegenschar und die konstruktive Sozialpartnerschaft mit den Arbeitnehmervertretern. Nach einer kurzen Pause freue sich er sich auf neue Aufgaben. „Welches Unternehmen traut sich?“ schickt der 48-Jährige gleich die erste Initiativbewerbung los. Bis zur nächsten Anstellung könne er als Berater und Keynote-Sprecher tätig werden. Man möge ihn buchen, so lange es noch möglich ist.
Mit so viel Selbstbewusstsein ausgestattet hatte sich Younosi – seit 2009 beim Walldorfer Konzern tätig – einen Ruf weit über SAP hinaus geschaffen. Damit lockte er auch exzellente Nachwuchsleute an. In der „HR“ (Human Resources)-Szene – also dem Personalmanagement – hatte er aufgrund seiner unkonventionellen Vorstöße und inspirierenden Auftritte einen Star-Status. „Ich habe die Kombination Cawa und SAP als großer Konzern als wegweisend empfunden, hier wurden tolle Trends gesetzt“, kommentiert eine Followerin auf der Internet-Plattform wohl stellvertretend für viele den Abschied.
Erst vor einem Monat zum Beispiel hatte der Softwarekonzern eine Offensive für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angekündigt: Demnach können sich von 2024 an Väter oder andere Partner oder Partnerinnen nach der Geburt ihres Kindes sechs Wochen bezahlt freistellen lassen. Man wolle zeigen, dass Familienvereinbarkeit und Karrieremachen keine Widersprüche seien, so Younosi.
Doch der SAP-Manager polarisierte auch – als Personalchef und „Betriebsratsfresser“ sei er gefürchtet gewesen und habe viele Opfer hinterlassen, schildert ein Insider. Normale Beschäftigte bis hin zu Top-Managern und Betriebsräten hätten seinetwegen das Unternehmen verlassen. Immer wieder habe er mit Kettenabmahnungen, Kündigungen oder Abfindungsvereinbarungen Druck ausgeübt – wie 2021 beim ausgeschiedenen Aufsichtsratsmitglied und Konzernbetriebsratschef. Vorausgegangen war allerdings eine Affäre um Unregelmäßigkeiten bei den Arbeitnehmervertretern.
Auch mit den Gewerkschaften, vor allem der IG Metall, hat Younosi harte Konflikte ausgetragen – etwa über eine angebliche Benachteiligung von Frauen auf der Karriereleiter oder über die Entlohnung der Beschäftigten.
Kurz vor seinem Abschieds-Post hatte das „Manager Magazin“ berichtet, dass es monatelange interne Untersuchungen unter Aufsicht einer Compliance-Managerin über sein Managementverhalten gegeben haben soll, indem es auch um aggressives Verhalten oder Einschüchterung gegangen sei. Über ein internes Whistleblower-Tool habe es zuvor entsprechende Hinweise gegeben. Younosi sei schon seit einiger Zeit freigestellt und habe vor Tagen einen Aufhebungsvertrag unterzeichnet. SAP teilte dem Magazin mit: „Zu laufenden oder auch älteren Untersuchungen oder disziplinarischen Vorgängen äußern wir uns grundsätzlich nicht.“
Younosi hat bereits einen markanten Lebensweg hinter sich: Im Dezember 1975 kam er in Kabul zur Welt. Im Alter von 13 Jahren flüchtete er aus Afghanistan nach Deutschland. Nach dem Abitur verdiente er erstes Geld als Kellner und Handyverkäufer, um dann ein Jurastudium in Bonn aufzunehmen. Später wurde er nach einigen Stationen Leiter Arbeitsrecht bei Atos, bevor er nach Walldorf ging.
Ende August hatte das Dax-Unternehmen eine neue Arbeitsdirektorin und globale Personalchefin präsentiert: Gina Vargiu-Breuer, bisher bei Siemens Energy für den globalen Personalbereich verantwortlich, kommt zum Februar 2024 als Nachfolgerin von Sabine Bendiek, die noch den Vorstandsbereich „People & Operations“ leitet und zum Jahresende ausscheidet. Die Siemens-Managerin soll „ein noch leistungsfähigeres Wachstums- und Lernumfeld“ schaffen, wie Aufsichtsratschef Hasso Plattner betonte. Ein Zusammenhang mit dem Abgang von Younosi, der gegenüber Vargiu-Breuer das Nachsehen hatte, wäre denkbar.