Celesta-Bauer Schiedmayer Himmlische Klänge made in Wendlingen

Elianne Schiedmayer möchte dafür sorgen, dass Instrumente aus ihrem Hause weiterhin einen guten Klang haben. Foto: Kerstin Dannath

Die Firma Schiedmayer Celesta wird seit neun Generationen von der Familie geführt. Das in Wendlingen ansässige Unternehmen ist weltweit der einzige Instrumentenbauer, der noch Celesten nach französischem Original-Patent herstellt.

Kreis Esslingen - In Tschaikowskis Nussknacker-Suite hat sie mit dem „Tanz der Zuckerfee“ einen Solopart. Und den Soundtrack des ersten Harry-Potter-Films dürften viele Filmfans an den mystischen Klängen von „Hedwig’s Theme“ erkennen. Dennoch weiß kaum jemand, wie das Instrument heißt. Celesta, auch die „Himmlische“ genannt, ist der Name des Tasteninstruments, das weltweit in keinem Opern- oder Konzerthaus von Rang fehlt. Es wird nach dem Originalpatent des Erfinders Victor Mustel aus dem Jahr 1886 nur noch von der in Wendlingen ansässigen Firma Schiedmayer Celesta produziert.

 

Tradition seit 1793

Ein wenig versteckt, in dritter Reihe, liegt das Firmengebäude im Wendlinger Industriegebiet. Firmenchefin Elianne Schiedmayer führt ins Obergeschoss, wo eine wertvolle Sammlung historischer Instrumente aufbewahrt wird. Ab und an finden hier von der Schiedmayer-Stiftung veranstaltete Konzerte statt, immer wieder werden auch professionelle Tonaufnahmen mit einigen der rund 65 Instrumente eingespielt. Das älteste Exponat aus dem Jahr 1793 wurde von Johann Christoph Georg Schiedmayer angefertigt. Elianne Schiedmayer, selbst ausgebildete Pianistin, führt es voller Stolz vor.

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Es ist ein bisschen wie Musikgeschichte zum Anfassen. Einige Instrumente sind aufwenig restauriert. Alle sind spielbar und stammen aus dem Hause Schiedmayer. Alles sei bis heute reine Handarbeit, erklärt Elianne Schiedmayer. Die gebürtige Haitianerin übernahm die Leitung der Firma nach dem Tod ihres Mannes Georg 1992, zuletzt stieg im Jahr 2016 ihr Neffe Knut Schiedmayer in die Geschäftsleitung ein. Er repräsentiert die neunte Generation der Instrumentenbauerfamilie, die damit seit über 280 Jahren in ununterbrochener Linie tätig ist. „Als mein Mann unerwartet starb, war ich als Alleinerbin plötzlich für alles verantwortlich“, erinnert sich die heute 77-Jährige. „Aber ich war bis dahin überhaupt nicht ins Geschäft involviert.“ Nicht weiterzumachen, war allerdings keine Option. Elianne Schiedmayer arbeitete sich ein und ist heute für die Endabnahme der Instrumente zuständig: „Ich bringe meine Kenntnisse als Musikerin ein. Ich kann gut nachvollziehen, was die Kunden wünschen.“

Die Marke ist geblieben

Angefangen aber hat alles mit dem Erlanger Schreiner und Instrumentenbauer Balthasar Schiedmayer. Er stellte 1735 sein erstes Clavichord her und machte sich schnell einen Namen als „Orgel- und Claviermacher“. Seine Söhne führten die Geschäfte fort, und unter seinem Enkel Johann Lorenz Schiedmayer wurde Stuttgart anno 1809 Firmensitz, bis das Firmengebäude in der damaligen Neckarstraße (heute Konrad-Adenauer-Straße) im Juli 1944 nach einem Bombenangriff bis auf die Grundmauern niederbrannte. Zu Spitzenzeiten waren auf dem ehemaligen Schiedmayer’schen Firmengelände, wo heute das Haus der Geschichte und die Staatliche Hochschule für Musik und Darstellende Kunst stehen, Hunderte von Menschen beschäftigt. „Man ging im 19. Jahrhundert in Stuttgart zu Schiedmayer zum Arbeiten“, sagt Elianne Schiedmayer. Schon damals hatte sich die Marke „Schiedmayer Stuttgart“, die bis heute jedes Instrument des Betriebs ziert, zu einem Symbol mit Wiedererkennungswert gemausert. Johann Lorenz Schiedmayer gilt als einer der Väter der württembergischen Industrie. „Deswegen bleibt die Marke auch ‚Schiedmayer Stuttgart’ – Tradition verpflichtet, auch wenn wir in Wendlingen produzieren“, erklärt die Firmenchefin.

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Auf Betreiben des damaligen Stuttgarter Oberbürgermeisters Arnulf Klett wurden die Schiedmayers Ende der 1960er-Jahre aus der Stadt hinauskomplimentiert. „Wir brauchen den Platz für die Kultur“, habe es von Seiten der Stadt geheißen. Altbach, Plochingen und Wernau wurden weitere Stationen der Firma, bis unter Mithilfe des damaligen Wendlinger Bürgermeisters Andreas Hesky das Grundstück in der Schäferhauser Straße im Jahr 2000 zur neuen Heimat wurde. „Unten die Werkstatt war fertig, oben noch alles im Rohbau“, erinnert sich Elianne Schiedmayer, die damals viele Instrumente und Materialien in der Nachbarschaft zwischenlagerte: „Das war super, wir sind hier gleich richtig gut aufgenommen worden.“

Eine lange Tradition

Seitdem wird die lange Tradition des Hauses Schiedmayer mit ihren derzeit zehn Mitarbeitern in Wendlingen fortgeführt. Mit einer Ausnahme: Während in früheren Zeiten Flügel, Klaviere, Orgeln und Harmonien zur Produktpalette gehörten, ist das Unternehmen heute auf den Bau von Celesten und Tastenglockenspielen spezialisiert. Eine Nische, wie Elianne Schiedmayer zugibt. Aber immerhin eine mit Zukunft: So wird im kommenden Jahr vermutlich eine junge Frau erstmals eine Ausbildung bei Schiedmayer als Orgel- und Celesta-Bauerin beginnen.

Ein Fall für die Gerichte

Der Streitfall
 Erst in diesen Tagen hat die Firma Schiedmayer mit Sitz in Wendlingen in den USA einen insgesamt sechs Jahre dauernden Markenrechtsstreit gewonnen. Die Streitursache: Eine amerikanische Firma hatte No-Name-Instrumente aus Fernost mit einem älteren Logo einer schon längst gelöschten Dependance des Hauses Schiedmayer versehen und so die Kunden getäuscht.

Das Urteil
 Dieser Fall landete vor Gericht, und US-amerikanische Richter haben das Vorgehen nun offiziell untersagt. Ein Urteil, das Sogwirkung haben könnte. „Das ist in der Branche weltweit ein Präzedenzfall und insofern auch für Deutschland sehr wichtig“, sagt Elianne Schiedmayer. Sie gibt aber zu, dass die lange Verhandlungszeit inklusive Berufung einiges an Nerven und auch Geld gekostet hat. 

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