Chadrac Akolo vom VfB Stuttgart Ernste Zeiten für den Spaßvogel

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Chadrac Akolo hat beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart derzeit einen schweren Stand. An einen Vereinswechsel denkt der kongolesische Angreifer aber nicht, auch wenn er zurzeit nur eine Nebenrolle besetzt.

Chadrac  Akolo  (vorne) versucht, sich im Training anzubieten. Foto: Baumann
Chadrac Akolo (vorne) versucht, sich im Training anzubieten. Foto: Baumann

Grassau - Die Lage ist eine ziemlich verzwickte – und so ist es kein Wunder, dass sich Chadrac Akolo nicht allzu sehr in die Karten blicken lässt, als er am Rande des Trainingsplatzes auf einer Bank Platz nimmt. „Ich gebe jeden Tag das Beste. Mehr kann ich nicht tun“, sagt der Außenstürmer, nachdem er im oberbayerischen Grassau sein Training beendet hat: „Aber die Konkurrenz ist groß. Wir haben viele gute Spieler“, ergänzt der Offensivmann – und bleibt zumindest äußerlich gelassen.

Rollentausch vom Stammspieler zum Teilzeitarbeiter

Beim Blick auf die Leistungsbilanz des Chadrac Akolo aus der vergangenen Saison wird das Problem ja sehr schnell deutlich: Vier Treffer und jede Menge Einsätze in der Startelf sind dort für die erste Saisonhälfte dokumentiert. Es folgte ein verschossener Elfmeter mit der letzten Aktion beim 0:1 gegen die Bayern – und dann riss der Faden fast komplett ab: Lediglich 170 Spielminuten hat der VfB-Flügelstürmer in der Rückrunde nur absolviert, ehe es beim Saisonausklang in München immerhin zum versöhnlichen Ende kam: Denn da stand der Nationalstürmer aus dem Kongo wieder in der Startelf – und erzielte beim 4:1-Triumph sein Saisontor Nummer fünf.

Alle Sorgen sind damit für Akolo aber längst nicht aus der Welt geschafft. Denn der Rollentausch vom Stammspieler zum Teilzeitarbeiter hält an und hat viel mit den Präferenzen des Tayfun Korkut zu tun, der sich bisher nicht gerade als Akolo-Liebhaber einen Namen gemacht hat. Als der Cheftrainer beim VfB nach dem Aus für Hannes Wolf das Ruder übernahm, da war es um die Stammkraft Akolo komplett geschehen. Die Form des Flügelmannes passte nicht mehr so richtig, also war für den 23-Jährigen bei Korkuts Premiere in Wolfsburg kein Platz in der ersten Elf. Da der VfB anschließend zu einer Siegesserie ansetzte, änderte sich daran bis zum Saisonende auch nichts mehr.

Flucht aus dem Kongo in die Schweiz

Und nun, so hat es den Anschein, sind die Konkurrenten schon wieder an dem Afrikaner vorbei gezogen, der einst als Teenager der Mutter folgte und vor Krieg und Hunger aus dem Kongo in die Schweiz flüchtete. Dort fand er schließlich bei den Profis des FC Sion im Wallis eine sportliche Heimat. Auf einen Tipp von Ex-VfB-II-Trainer Peter Zeidler, der aktuell in St Gallen arbeitet, kam Akolo zum VfB.

Doch dort sind in der Startelf maximal drei Offensivposten zu vergeben, von denen zwei an Mario Gomez sowie an den aus Wolfsburg zurück geholten Daniel Didavi fest vergeben scheinen. Geht es um Position Nummer drei, hat aktuell wohl der junge Nicolas Gonzalez die Nase vorne, der die Stuttgarter Macher und Fans mit seinem Talent und seiner Spielweise bereits kurz nach seiner Ankunft schwer beeindruckt hat.

Beraterwechsel zu Roger Wittmann

„Die Qualität im Kader ist sehr groß. Das muss ich akzeptieren. Über einen Vereinswechsel denke ich nicht nach“, sagt Akolo, für den auch in den vergangenen Testspielen nur einen Nebenrolle reserviert war. Beim 3:1-Sieg gegen Basaksehir Istanbul machte der 23-Jährige zwar ein tolles Tor, als er gekonnt den gegnerischen Keeper umkurvte. Doch der Durchbruch lässt auf sich warten. Auch wenn sich Tayfun Korkut in Aufstellungsfragen nicht in die Karten blicken lässt. „Jeder bekommt seine Chance, sich zu präsentieren und anzubieten“, sagt der 44-Jährige Cheftrainer, der allerdings seine Testphase noch nicht abgeschlossen hat. Die Stammelf steht also noch nicht.

Immerhin besitzt Akolo einen Leidensgenossen: Denn auch für Anastasios Donis dürfte es eng werden, sich einen Platz an der Sonne zu erobern. In der Abteilung flinker Flitzer für das Mittelfeld hat aktuell Erik Thommy die Nase vorne. Dabei haben Donis und speziell auch der stets professionell arbeitende Akolo, der abseits der Platzes zu den Spaßvögeln im VfB-Kader zählt, nichts unversucht gelassen, um in gute Frühform zu kommen. Akolo hat den Berater gewechselt, wird jetzt vom umtriebigen und kantigen Roger Wittmann, dem Chef der Agentur Rogon betreut, und hat in der Urlaubszeit an einem Rogon-Trainingscamp teilgenommen. „Ich werde als ein neuer Spieler wieder kommen“, schrieb Akolo damals in den sozialen Medien. Doch der große Umschwung lässt noch auf sich warten.