Hilfe für Stuttgarts Ausländerbehörde? Trumpf-Berater trifft Bürgermeister

Die Warteschlange vor der Ausländerbehörde in Stuttgart darf kein Dauerzustand bleiben, meint das Trumpf-Vorstandsmitglied Mathias Kammüller. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Das Hilfsangebot des Ditzinger Unternehmens stößt bei OB Frank Nopper auf offene Ohren. Ein erster Austausch ist terminiert. Der Trumpf-Beratungschef Kerim Galal schildert, was sich auf die Schnelle ausrichten ließe.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau: Matthias Schmidt (mas)

Wie die Sache ausgeht, ist noch offen. Aber zumindest ist das Hilfsangebot der Ditzinger Maschinenbaufirma Trumpf aus dem Kreis Ludwigsburg bei der Stadt Stuttgart nicht ungehört verhallt. In einem Gespräch von Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) mit dem Trumpf-Vorstandsmitglied Mathias Kammüller wurde vereinbart, sich über eine mögliche Kooperation zur Beseitigung der chaotischen Lage in der Ausländerbehörde der Stadt auszutauschen. Dazu wurde auch ein Gespräch von Ordnungsbürgermeister Clemens Maier (Freie Wähler) mit dem Chef des In-House-Consultings von Trumpf, Kerim Galal, „sehr zeitnah“ terminiert.

 

Man habe bereits miteinander telefoniert, sagte Galal bei einem Pressetermin am Mittwoch, die Gesprächsatmosphäre beschrieb er als offen und angenehm. Nun wolle man ergebnisoffen ausloten, welche Möglichkeiten es gebe. Trumpf war am vergangenen Donnerstag mit dem Angebot an die Öffentlichkeit getreten, die Stadtverwaltung bei den Problemen im Ausländeramt zu beraten. Seit Wochen bilden sich dort lange Warteschlangen. Viele Antragssteller stehen über Nacht an, ohne Garantie, am nächsten Tag vorgelassen zu werden. „Es gibt zu wenig Personal und eine deutliche Überlast an unbearbeiteten Fällen“, sagt Mathias Kammüller, der als Honorarkonsul von Japan schon seit Monaten die Zustände beklagt und sich im Juni deshalb auch schon ans Land gewandt hatte.

Der Fokus liegt darauf, Abläufe zu vereinfachen

Da die Zuständigkeit aber in den Kommunen liegt, hofft er nun darauf, die Lage direkt in Stuttgart verbessern zu können. Dass eine Verwaltung anders funktioniere als ein Unternehmen, sei ihm bewusst, sagt Kammüller. Aber in beiden Fällen gebe es „Menschen, die ihre Arbeit gut machen wollen“. Das sei die Voraussetzung, die Abläufe und Prozesse zu verbessern. Die Experten der internen Beratung bei Trumpf, die sowohl in den eigenen Werken wie auch bei Fremdfirmen tätig sind, „sind stark in der Organisation von Prozessen“, sagt Kammüller. Der Fokus liege darauf, Abläufe zu vereinfachen.

Kerim Galal spricht von einem „demütigen Ansatz“, bei dem es zunächst darum gehe, die Probleme zu analysieren, zu strukturieren und dann gemeinsam mit Mitarbeitern und Verantwortlichen Lösungen zu erarbeiten. In der Beratung gehe es oft darum, „eine Brücke zwischen Mitarbeitern und Entscheidern zu bauen“, denn die Mitarbeitenden wüssten meist, welche Lösungsansätze es gibt. Dabei könne es helfen, Dinge „von außen“ in Frage zu stellen, nach dem Motto: „Alle sagten, es geht nicht, bis einer kam, der das nicht wusste.“

Es dauert vier Wochen, bis ein erstes Konzept steht

Die Trumpf-Berater seien erfahren darin, in einer Art Feuerwehreinsatz rasch Lösungen für akute Problemlagen zu finden, sagt Galal. Aber auch er verspricht keine Rezepte, die über Nacht verfügbar sind. Man brauche rund vier Wochen, um ein Konzept und erste Maßnahmen aufzusetzen. „Der Dreh- und Angelpunkt sind die Mitarbeiter selbst, die alle ihr Bestes geben wollen“, so Galal. In Zusammenarbeit gelinge es eigentlich immer, Abläufe zu verbessern. Klar sei aber auch: Ein größeres Digitalisierungsprojekt könne nicht in kurzer Zeit aufgesetzt und realisiert werden.

Mathias Kammüller lässt keinen Zweifel daran, welches Ziel dabei erreicht werden sollte. „Die Leute, die zu uns kommen, dürfen sich nicht als Bittsteller fühlen“, sagt er. Wenn Bilder um die Welt gingen wie jene von den Schlangen vor dem Ausländeramt „haben die Unternehmen künftig massive Probleme, Fachkräfte aus dem Ausland zu bekommen“. Nun habe die Stadt sehr positiv auf das Hilfsangebot reagiert. Allerdings befinde man sich noch im Stadium von Vorbesprechungen. Weitere Festlegungen gibt es nicht.

Nicht offen ausgesprochen wird bisher, auf welcher wirtschaftlichen Basis eine Beratung der Stadt durch Trumpf stattfinden könnte. Rein praktisch aber kommt außer einer unentgeltlichen Leistung des Unternehmens wohl kaum etwas in Frage, wenn schnelle Ergebnisse erzielt werden sollen. Schließlich müsste ein bezahlter Auftrag vorher ausgeschrieben werden. Und ob die Stadt die Mittel dafür freimachen würde, ist noch eine andere Frage.

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