Chaos String Quartet Die Kunst der Übergänge

Vielfach ausgezeichnetes Ensemble: das Chaos String Quartet aus Wien. Foto: PR

Mit einem Konzert des jungen Chaos String Quartets feiert der Verein Cultur in Cannstatt sein 35-Jahr-Jubiläum.

Der vierte Programmpunkt ist der längste: Als am Sonntagabend Cultur in Cannstatt Geburtstag feiert, ist dies auch der Abend des Mannes, der den Verein vor 35 Jahren mitbegründete und bis vor Kurzem dessen Profil maßgeblich prägte: Ohne Manfred Elser, der im voll besetzten Kursaal seine Urkunde als Ehrenvorsitzender erhielt, wäre der Veranstalter nicht aufgestiegen in die Liga derjenigen, die internationale musikalische Qualität in die Region Stuttgart holen – ein Musterbeispiel ehrenamtlichen Engagements.

 

Für die Kunst sorgt das deutsch-italienisch-niederländisch-ungarische Chaos String Quartet: ein vor fünf Jahren in Wien gegründetes, schon vielfach ausgezeichnetes Ensemble. Dass die Musiker bei diesem Konzert nicht sofort und nicht immer zusammenfinden, mag auch an den Gästen liegen. Vor allem ein paar zusätzliche Proben mit Blaž Šparovec hätten Mozarts Klarinettenquintett nicht geschadet, dem es an Kontur, aber auch an Spannung fehlt. Der Tonansatz des Klarinettisten ist selbst im eigentlich doch so magischen Larghetto viel zu direkt. Dieser Mozart ist ziemlich blutleer.

Quartet und Pianist finden zusammen

Dass das Quartett auch anders kann, hatte es zuvor bei György Kurtágs op. 28 („Officium breve“) bewiesen, in dem die Leidenschaft des ungarischen Komponisten wie seines (auch zitierten) Vorbildes Anton Webern für das musikalische Konzentrat zu Klang werden. Man hört ein sehr detailreiches Miteinander, ein schillerndes Spiel mit Klangfarben und winzigen Gesten, lebendige Übergänge zwischen den unterschiedlichen Satzcharakteren und Tempi.

Nach einer kurzen Orientierungsphase im ersten Satz von Robert Schumanns Klavierquintett finden das Chaos String Quartet und der britische Pianist Alexander Ullman im stockenden Trauermarsch zusammen – eine Kooperation, die just in jenen Sätzen ihren Höhepunkt findet, in denen der Tonfall Mendelssohns dominiert, also im energetisch hoch aufgeladenen Scherzo wie im Finalsatz, in den sich die Musiker anschließend übergangs- und bedingungslos hineinwerfen. Bis hin zur Doppelfuge am Ende: präzise ausgearbeitet, dabei berstend vor Vitalität.

Mehr zur Konzertreihe unter: www.cultur-in-cannstatt.de

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