Clubbetreiber übernehmen Sakristei in Stuttgart Keine DJs kommen in die Kneipe – König Fußball bleibt

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Einer der Clubbetreiber des Ice Café Adria, dessen Tage gezählt sind, wird der neue Pächter der Eckkneipe Sakristei. Wie passt das zusammen? Und was bedeutet das für das alte Stammpublikum, das hier zum Fußballgucken kam?

Bleibt die Sakristei noch eine Gaststätte oder wollen ihr die neuen Betreiber ein neues Konzept aufstempeln? Foto: 7aktuell.de//Daniel Boosz
Bleibt die Sakristei noch eine Gaststätte oder wollen ihr die neuen Betreiber ein neues Konzept aufstempeln? Foto: 7aktuell.de//Daniel Boosz

Stuttgart - Wie der neue Pächter der Sakristei mit Nachnamen heißt, müsse sie erst in ihren Unterlagen nachgucken. Michael sei der Vorname, sagte Alex Milchraum im Herbst 2019 unserer Zeitung, als klar wurde, dass sie die Sakristei am Erwin-Schoettle-Platz als Pächterin nicht weiterführen wird. Dass es sich bei Michael um Michael Rieger, einen der Clubbetreiber des Ice Café Adria handelt, das nach Ärger in der Nachbarschaft Mitte März seinerseits schließt, war unklar. Was will jemand, der im hippen Nachtleben und in der elektronischen Musik zuhause ist, mit einer Fußballkneipe?

„Ich hatte auf Clubs keine Lust mehr“, sagt Michael Rieger. Zum Hintergrundverständnis: Das Ice Café Adria an der Stadtbahnhaltestelle Rathaus hatte sich bereits kurz nach der Eröffnung mit manchen Anwohnern in die Haare bekommen, der Streit gipfelte offenbar in Buttersäureanschlägen. Im Dezember vergangenen Jahres gaben die Macher ihre Kapitulation bekannt.

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In der Sakristei soll es also eine Spur gediegener werden und Bedenken, der Charakter der Eckkneipe würde sich durch die neuen Pächter verändern, will Rieger entkräften: „Die Sakristei soll eine Eckkneipe bleiben. Es werden auch weiterhin VfB-Spiele gezeigt und wenn alles klappt, bekommen auch die St.-Pauli-Fans wieder ihren Platz.“ Es werde ausdrücklich kein DJ-Programm geben, man hoffe auf alte und neue Gäste und vor allem, „2021 das 100-jährige Jubiläum feiern zu können.“ Das hatte Alex Milchraum, die die Kneipe in zweiter Generation führte, knapp verpasst.

Der Liebe wegen nach Stuttgart gezogen

Wo einige Veränderungen anstehen, ist beim Essen. Das war unter der Ägide Milchraums noch gutbürgerlich. Aldo Legein, ein Belgier, der die Sakristei fortan zusammen mit Rieger als Partner betreibt, arbeitete 17 Jahre lang auf Costa Rica und tischt nun neben traditioneller Kost mexikanisch-südamerikanische Gerichte auf. Nach Stuttgart kam er der Liebe wegen.

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Woran sich einige Stammgäste vielleicht noch etwas gewöhnen müssen, ist das Ambiente. Dafür tragen die neuen Pächter allerdings keine Verantwortung: Bei der Closing-Party der Sakristei vergangenen Dezember verkaufte Milchraum alle Fotos mit VfB-Größen, dem Stuttgarter Kunstfälscher und Sakristei-Stammgast Konrad Kujau und anderen Weggefährten der Kneipe, die deren Wände zierten. Aber vielleicht entstehen ja ab dem 4. April, wenn die Sakristei renoviert wiedereröffnet, neue Bilder aus dem nächsten Jahrhundert der urigen Kneipe im Stuttgarter Süden..

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