Comedian Matze Knop kommt nach Böblingen „Die Fußballer sind heute alle ein bisschen rundgelutscht“

Der Comedian Matze Knop kommt mit seinem Programm „Mut zur Lücke“ nach Böblingen. Foto: Julian Bogner

Wenn Matze Knop am 13. Oktober auf der Bühne im Böblinger Sparkassen-Forum steht, kommt er nicht alleine. Im Gepäck hat er den Dieter (Bohlen), den Loddah (Matthäus) und viele weitere Promi-Parodien

Menschen mit Zahnlücke tun sich gerne mal schwer damit, den Mund zum herzhaft-unbeschwerten Lachen zu öffnen. Nicht so Matze Knop. „Mut zur Lücke“ nennt der Comedian deshalb sein aktuelles Programm. Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht der 48-Jährige über Comedy mit Respekt, kantengeglättete Fußballer und Humor im Angesicht großem Leids.

 

Herr Knop, als großer Fußballfan haben Sie sicher die Trainerdiskussion um die Nationalmannschaft verfolgt. Täuschen wir uns, oder wäre Louis van Gaal für Sie die bessere Wahl gewesen?

Absolut, aus Parodistensicht macht der natürlich mehr Freude. Ich denke, man hatte beim DFB Angst, ihn zu holen. So nach dem Motto: „Wenn wir schon so weit sind, dass wir einen Holländer brauchen.“ Aber als Typen hätte ich ihn gut gefunden – ohne Frage.

Stattdessen steht künftig Nagelsmann an der Seitenlinie. Wie viel Angriffsfläche für Parodien bietet er Ihnen?

Das steht und fällt mit dem Original. Wenn einer auffällig und markant ist, hat das immer Vorteile. Nagelsmann ist mir da fast zu moderativ. Was aber nicht heißt, dass man ihn nicht parodieren kann. Ich werde ihn mir jetzt mal ein bisschen genauer angucken.

Markante Typen sind selten geworden – ob im Fußball oder in der Politik. Macht es das schwierig für Comedians?

Ja, selbstverständlich. Da ist immer die Befürchtung, dass man als die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird, gerade bei jungen Menschen. Früher hat Mario Basler ein Interview gegeben, dann kam das in der Sportschau und einmal in der Zeitung und dann war das Thema erledigt. Heute taucht es überall auf und wird in den Sozialen Medien immer wieder hochgerührt.

Deshalb wirken Fußballerinterviews heute so glattgebügelt.

Ja, und ich kann das durchaus verstehen. Es ist aber schade, weil das Leben aus verschiedenen Facetten besteht und dadurch werden die Ecken und Spitzen gekappt und es ist alles so ein bisschen rundgelutscht und langweilig. Deswegen freut man sich über so einen Ibrahimović oder Ronaldo, bei denen man das Gefühl hat, es ist ihnen scheißegal, was andere über sie denken. Deshalb sind das auch die Typen, bei denen die Leute sagen: „Von dem kauf’ ich mir ein Trikot.“

Ihre Parodien sind oft recht frech. Trotzdem lassen Promis wie Jürgen Klopp oder Lothar Matthäus sich gern mit Ihnen fotografieren. Wie kommt das?

Das ist einfach mein Naturell. Ich bin ein Freund davon, Witzchen zu machen, aber man sollte dabei niemals den Respekt verlieren. Nehmen wir zum Beispiel den Lothar. Das ist einer unserer besten Fußballer, die wir jemals hatten. Das sieht man auch bei seinen TV-Analysen, das hat alles Hand und Fuß. Er ist ein super Typ und ich kenne ihn auch persönlich – aber klar: Das Thema mit seinen Frauen trägt er ja selbst in die Öffentlichkeit. Wenn er davon spricht, ist es also quasi Allgemeingut. Aber ich denke schon, dass die Menschen immer merken, wer es gut mit ihnen meint. Ich will ja niemandem etwas Böses, sondern immer nur, dass man ein bisschen Spaß hat, ein bisschen lacht.

Lachen ist ein gutes Stichwort. Sie engagieren sich als Schirmherr bei der Hilfsorganisation Kinderlachen. Dabei bekommen Sie Einblicke in prekäre Lebenswelten mit großer Armut oder schweren Krankheiten. Wie bewahren Sie dabei Ihr Lachen?

Indem ich in so einem Moment nicht in Trauer verfalle. Das ist nicht meine Rolle. Ich sehe meine Rolle darin, zu helfen und ein wenig Freude zu bringen. Das geht nicht, wenn man sich selbst in diese negative Energie hineinziehen lässt. Was aber nicht heißt, dass man nicht mitfühlend ist. Es ist ein bisschen wie bei einem Notarzt. Der kann ja auch nicht zu einem Unfall kommen und nur jammern, wie schrecklich alles ist. Der muss den Patienten Mut machen.

Wie kam es zu diesem Engagement?

Das lief über Michael Rummenigge, der ist ebenfalls Schirmherr bei Kinderlachen. Mein Vater war Jugendtrainer bei Borussia Lippstadt und hat dort die Rummenigge-Brüder Michael und Karl-Heinz trainiert. Ich habe mir gesagt: Du hast Glück, dir geht es gut, da kannst du auch etwas von der guten Energie zurückgeben. Neulich haben wir mit Kinderlachen einem Jungen in meiner Heimatstadt eine Delfintherapie ermöglicht. Oder wir kaufen Betten für Kinder, die kein eigenes haben. Es fühlt sich einfach gut an, wenn man helfen und etwas bewegen kann.

Ihr Terminplan ist mit Liveauftritten. „Riverboat“-Moderation und Podcasts gut gefüllt. Wird Ihnen das nicht mal zuviel?

Das sind immer so Phasen, die gehen vorbei. Und dann habe ich wieder mehr Zeit für meinen Mau-Mau-Club oder für Sport. Ich sehe mich da wie ein Profi-Fußballer: Ohne Laufen und Fitness geht es nicht.

Apropos Sport: Sie stehen im Kader der Kreisliga-A-Mannschaft von Rot-Weiß Horn. Sind Sie da immer noch aktiv?

Ja, aber mittlerweile eher bei den Alten Herren. Aber vor ein paar Monaten habe ich auch ein Spiel mit der ersten Mannschaft gemacht. Außerdem bin ich Kapitän der Komiker-Nationalmannschaft.

Demnächst treten Sie in Böblingen auf. Haben sie selbst einen Bezug zur Stadt?

Ich hatte mal einen Schlagersänger, der hieß G. G. Merkel und war gebürtiger Böblinger (diese Mini-Parodieserie mit Matze Knop als durchgeknallter Schwaben-Schlagerstar lief vor zehn Jahren auf Bild-TV, Anm. d. Redaktion). Es ist schön, dass er jetzt in seine Heimat zurückkehrt.

Matze Knop ist gelernter Journalist

Journalismus und Comedy
 Matthias „Matze“ Knop (geboren am 11. November 1974 in Lippstadt) absolvierte ein Volontariat bei Radio Bielefeld und studierte Journalistik in Dortmund. Übers Radio wurde er mit „Supa Richie“ populär. Im Podcast „Echte Champions XXL“ spricht er mit Reiner Calmund und Tobi Holtkamp über aktuelle Fußballtrends. Seit Januar 2023 ist er Co-Moderator der Sendung „Riverboat“. Er parodiert Promis wie Franz Beckenbauer, Jürgen Klopp, Pep Guardiola und Dieter Bohlen.

Tickets
Der Vorverkauf für den Auftritt am 13. Oktober im Böblinger Sparkassen-Forum erfolgt über die gängigen Portale.

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