Comedian Özcan Cosar aus Stuttgart „Wenn da steht ,Scheiß Türken’ – das macht was mit dir“

„Heimat ist da, wo deine Erinnerungen sind“, sagt der 42-jährige Comedian Özcan Cosar, der in Stuttgart aufgewachsen ist. Foto: Boris/ Breuer

Comedian Özcan Cosar spricht vor dem Start seiner neuen TV-Show im Interview über seine Jugend in Stuttgart, über Rassismus und erklärt, warum er nicht der „Deutsch-Türke“ sein will.

Jede Woche sprechen die beiden Comedians Özcan Cosar und Bastian Bielendorfer in ihrem Podcast „Bratwurst und Baklava“ über Vorurteile, Pop und ihren Alltag. Am Mittwoch starten die beiden eine gemeinsame TV-Show und einen „freundschaftlichen Kultur-Schlagabtausch“. Vor dem Start hat Özcan Cosar, der in Stuttgart aufgewachsen ist, mit unserer Zeitung über seine Kindheit und Jugend im Kessel, Klischees und Rassismus gesprochen.

 

Zahnarzthelfer, Sportlehrer, Gastronomie – Sie hatten schon viele verschiedene Jobs. Was würden Sie heute machen, wenn es mit der Comedy nichts geworden wäre?

Die geilste Zeit war für mich, als ich mit Anfang 20 in der Marshall-Bar in Stuttgart, damals noch in der Bolzstraße, gearbeitet habe. Das war eine lustige Zeit, ich hatte tolle Kollegen. Das war wie meine Familie. Entweder habe ich da gearbeitet oder einfach abgehangen. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich das heute noch schaffen würde. Vor einiger Zeit habe ich mal in der neuen Marshall-Bar spontan ausgeholfen. Aber nach drei Stunden war ich total k. o.

Sie sind in Stuttgart aufgewachsen, haben den größten Teil Ihres Lebens hier verbracht. Gibt es einen Platz, wo Sie besonders gerne sind?

Meine Freunde und Familie, Mama und Cousins – alle wohnen noch in Stuttgart. Natürlich bin ich gerne dort. Ich habe in Zazenhausen gelebt bis ich zwölf war, dann sind wir nach Hausen in Weilimdorf gezogen. Am Kräherwald bin ich zur Schule gegangen, später habe ich in Stuttgart-Ost und -Süd gewohnt. Heimat ist ja dort, wo deine Erinnerungen auch sind. Und ich habe diese Erinnerungen – egal, durch welchen Teil der Stadt ich laufe. In der Innenstadt haben wir früher auf der Freitreppe auf der Königstraße getanzt. Es gab damals eine große Hip-Hop-Szene, mit Freunden hatte ich eine Breakdance-Crew. Die Türken aus Hallschlag, die Griechen aus Cannstatt, es war egal, wo man herkam oder was für eine Religion, Hautfarbe oder sexuelle Orientierung du hast. Das habe ich in Stuttgart immer geliebt.

Auf der Bühne geht es oft um Ihre Herkunft, Sie machen oft Witze darüber und verarbeiten vieles mit Humor. Trotzdem kritisieren Sie, dass Sie manchmal als „der Deutsch-Türke“ angekündigt werden. Warum?

Es klingt wie ein Hinweis darauf, was ich früher einmal war. Ich habe einen deutschen Pass, ich bin Deutscher. Und meine Herkunft kann man auch bei meinem Namen erahnen. Es geht nicht um die Begrifflichkeit, sondern vielmehr, wie die Mehrheitsgesellschaft auf die Minderheit blickt. Mario Barth würde auch keiner mit den Worten ‚der Deutsche’ ankündigen. Bei meiner Einbürgerung musste ich mit meinem Schulzeugnis nachweisen, dass ich deutsch kann. Und das obwohl ich hier geboren und aufgewachsen bin. Ich will die Leute nicht belehren, aber ich will, dass ihnen klar wird, was es bedeutet, wenn du als Kind an einem Haus vorbei läufst und da steht ‚scheiß Türken’ – das macht etwas mit dir. Als kleiner Junge wollte ich früher lieber Italiener sein. In den Restaurants fanden es die Leute cool, wenn man auf Italienisch begrüßt wird. In einem türkischen Restaurant waren sie genervt, wenn sie mit ‚Salam aleikum’ begrüßt wurden.

Das Thema ist ernst, im Podcast und auch in dem neuen TV-Format „Bratwurst und Baklava – Die Show“ spielen Bastian Bielendorfer und Sie aber vielmehr mit Klischees rund um die Herkunft. Warum?

Bratwurst und Baklava sind wirklich völlig unterschiedliche Speisen und so unterschiedlich sind eigentlich auch Basti und ich. Er ist ein deutsches Lehrerkind, ich der Sohn türkischer Arbeiter. Er wuchs in einem Einfamilienhaus auf, ich in einer Einzimmerwohnung mit fünf Personen. Heute sind wir Freunde, haben einen gemeinsamen Podcast, jetzt sogar die TV-Show. Das zeigt doch: Vieles ist möglich.

Sehen Sie in Ihren Shows auch eine politische Botschaft?

Nein, meine Botschaft ist nicht unbedingt, was ich da auf der Bühne sage. Ich bin kein politischer Kabarettist, ich bin Comedian. Mein Job ist es, zu unterhalten. Mein Publikum selbst ist vielmehr die Botschaft. Da sitzt die Frau mit Kopftuch neben Karl Heinz. Es geht das Licht aus und dann lachen die zusammen. Und das ist für mich das Schönste, denn es ist völlig egal, wo wir herkommen, wir lachen alle gleich.

Eindrücke aus „Bratwurst & Baklava – Die Show“ finden Sie in unserer Bildergalerie.

Kultur-Schlagabtausch im TV

Die Person
Der 42-jährige Özcan Cosar wurde in Bad Cannstatt geboren, wuchs in Stuttgart auf und lebt nun seit einigen Jahren in Karlsruhe. Er ist Comedian, Podcaster, Moderator und Schauspieler.

Die Show
Bastian Bielendorfer und Özcan Cosar sind gemeinsam „Bratwurst & Baklava“. Die beiden Comedians diskutieren seit 2019 in ihrem Podcast mit sehr viel Humor über ihre unterschiedlichen Kulturen, Ansichten und Lebenswege. In „Bratwurst & Baklava – Die Show“ treiben sie ab Mittwoch, den 20. März, um 21:25 Uhr auf ProSieben ihren Kultur-Schlagabtausch erstmalig im TV auf die Spitze.

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