Comic Con Stuttgart Chuck Norris trifft Comic Conny

Von Frank Rothfuss 

Es ist das Wochenende der alten Männer: Die Stones spielen im Stadion. Und Chuck Norris kommt zur Comic Con. Wider die Diktatur des Geriatriats tritt die Stuttgarter Zeichnerin Jutta Bossert an.

Jutta Bossert mit ihrer Schöpfung, Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt 7 Bilder
Jutta Bossert mit ihrer Schöpfung, Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Stuttgart - Leute vermöbeln kann er ziemlich gut. So gut, dass Chuck Norris mit seinen Kampfkünsten zu Weltruhm kam. Als „Walker, Texas Ranger“ oder „McQuade, der Wolf“ steht er nicht mehr vor der Kamera, doch der rüstige 78-Jährige lebt ganz gut von der Versilberung seines Ruf als Schauspieler. Stars seiner Kategorie zu einem Auftritt in Europa zu bewegen, kann schon mal sechsstellige Gagen kosten, erzählt man in der Branche. Da wundert es nicht, dass ordentlich zahlen muss, wer am Wochenende bei der Comic Con in der Messe Stuttgart Chuck Norris näher kommen möchte. Für ein Autogramm zahlt man 120 Euro, ein Foto mit Norris kostet 85 Euro.

Für Jaime Lannisters Autogramm zahlt man 80 Euro.

Es geht auch günstiger. Nikolaj Coster-Waldau, als Jaime Lannister aus „Game of Thrones“ bekannt, verlangt je 80 Euro fürs Foto und fürs Autogramm. Was das mit Comics zu tun hat? Nun, was man Comic Con nennt, ist eigentlich eher eine Feier der Popkultur, Film und Fernsehen spielen dabei eine Hauptrolle. Und die als Filmfiguren verkleideten Besucher, neudeutsch Cosplayer genannt, dürfen nicht fehlen. Andernorts ist es in der Tat so, dass dort nur mehr oder weniger bekannte Schauspieler auftauchen und die Fans abkassiert werden.

In Stuttgart ist dies auch ein wesentlicher Teil des Programms, aber die Bildergeschichten finden hier immer noch einen angemessenen Platz. Zeichner aus aller Welt kommen, geben Interviews, signieren ihre Werke – umsonst. Doch nicht nur die Stars der Gilde wie der Ire Declan Shelvey, der Engländer Peter Milligan, Lokalmatador Martin Frei oder Sarah Burrini sind auf den Fildern, sondern auch 300 Männer und Frauen, die ihr Geld nicht mit Comics verdienen. Die aber trotzdem zeichnen, einfach, weil sie Spaß daran haben.

Jutta Bossert zeichnet Comic Conny – und Zombies

So wie die Stuttgarterin Jutta Bossert (35). Sie arbeitet beim SWR als Mediengestalterin. Seit sie die Schulstunden interessanter gestaltete, indem sie „Asterix“ und „Tim und Struppi“ abpauste, hat sie die Leidenschaft fürs Zeichnen nicht mehr losgelassen. Beruflich nutzte SWR 4 ihr Talent, da illustrierte sie die Reihe „Hits mit Witz“. In der Schlager umgetextet und verballhornt wurden. Ansonsten aber zeichnet sie vor allem für sich selbst. Und lässt andere via Internet daran teilhaben. Auf ihrer Webseite Gobocomics veröffentlicht sie, was sie alles aufs Papier wirft. Fünf Jahre lang etwa die Abenteuer eines Goblins. Für diejenigen, die im Genre Fantasy nicht so bewandert sind: das sind Kobolde. Und ziemlich Grün.

„Grün ist meine Lieblingsfarbe“, sagt Bossert und lacht, „merkt man das?“ So ist es kein Wunder, dass auch ihr Alter Ego, das in ihren Zeichenstrips mit dem Schweinehund kämpft, stets etwas Grünes anhat. Und Comic Conny trägt natürlich auch Grün. Comic Conny ist eine junge Frau, die die Veranstalter und die Messe als die Werbefigur der Comic Con auserkoren haben. „Ich war letztes Jahr schon da und habe meine Sachen vorgestellt“, sagt Bossert. Sie hat offenbar beeindruckt. „Ich wurde angesprochen, ob ich diese Figur nicht zeichnen wolle.“ Sie wollte natürlich. War aber doch so baff über diese „voll coole Aktion“, dass sie sich unter Wert verkaufte. Als Lohn „wollte sie einen Platz auf der Messe und zwei Eintrittskarten“. Das schien den Machern doch etwas bescheiden, sie legten ein bisschen Geld drauf. „Ich muss beim Handeln wohl noch etwas üben“, sagt sie und grinst.

Derzeit übt die Hände, auch angeknabberte

Üben, das macht sie auch ständig bei ihren Comics. Verschiedene Stile probiert sie aus, wobei eine Superheldenzeichnerin wohl nicht mehr aus ihr werde, bekennt sie, auch bei Mangas tue sie sich schwer. „Ich bin halt durch Stupsnasen geprägt“, verweist sie auf ihre „Tim und Struppi“-Vergangenheit. Apropos Körperteile. An dem Zeichnen von Füßen hat sie gefeilt, zuletzt hat sie sich an Händen versucht. An solchen, die an Armen hängen. Und an solchen, die angeknabbert sind. Denn sie wollte heuer was Neues mitbringen auf die Messe. So hat sie sich an „Unterwegs – Eine Zombiegeschichte“ gewagt. Zunächst mit großer Gelassenheit, ab Januar dann mit zunehmender Panik. 38 Seiten hat das Buch, zwölf bis 15 Stunden braucht sie für eine Seite. Es wurde knapp, aber nun ist das Buch fertig. Blutrünstig ist es, damit passt es bestens zu Chuck Norris. Und sie kann damit Jaime Lannister an eine alte Regel erinnern, die da lautet: Die Feder ist mächtiger als das Schwert.

Sonderthemen