InterviewComiclesung mit Barbara Yelin und Thomas von Steinaecker Mehr Respekt vor alten Menschen

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Die beiden 40-Jährigen Barbara Yelin und Thomas von Steinaecker haben eine Graphic Novel über eine hochbetagte Dame im Altersheim gemacht. Dabei haben sie selbst viel übers Altsein gelernt. Im Literaturhaus Stuttgart stellen sie „Der Sommer ihres Lebens“ jetzt vor.

Barbara Yelin ist eine der profiliertesten deutschen Comic-Zeichnerinnen. Im Literaturhaus Stuttgart stellt sie zusammen mit dem Autor Thomas von Steinaecker die Graphic Novel „Der Sommer ihres Lebens vor“. Foto: Martin Friedrich
Barbara Yelin ist eine der profiliertesten deutschen Comic-Zeichnerinnen. Im Literaturhaus Stuttgart stellt sie zusammen mit dem Autor Thomas von Steinaecker die Graphic Novel „Der Sommer ihres Lebens vor“. Foto: Martin Friedrich

Stuttgart - Alt werden ist nichts für Feiglinge. Das wird in der Graphic Novel „Der Sommer ihres Lebens“ von Barbara Yelin und Thomas von Steinaecker sehr deutlich. Aber der Comic erzählt nicht nur einfühlsam vom Ist-Zustand der Gebrechlichkeit einer alten Frau. Er rollt das ganze Leben der alten Dame auf, das in ihrem Kopf ja noch immer bei ihr ist.

Frau Yelin, in „Der Sommer ihres Lebens“ erzählen Sie vom Alltag und den Erinnerungen einer Altenheimbewohnerin. Wie sind Sie auf dieses Thema gestoßen?
Damit ist der Autor Thomas von Steinaecker auf mich zugekommen. Das wurde eine tolle Zusammenarbeit, bei der uns manchmal die Frage kam: Steht es uns Vierzigjährigen eigentlich gut an, davon zu erzählen. Aber wir sind eben in dem Alter, in dem die eigenen Eltern Einschnitte in ihren Leben erfahren.
Haben Sie recherchiert oder aus der Fantasie gearbeitet?
Wir haben beide sehr viel recherchiert. Wenn ich einen Rollator zeichne, muss ich wissen, wie einer in der Realität aussieht und wie er funktioniert. Dass es in den Heimen Demenzhaltestellen gibt, wo alte Leute auf Busse warten, die nie kommen, habe ich so erst erfahren.
Haben Sie jetzt mehr Angst vor dem Alter als zuvor?
Angst ist das falsche Wort. Ich habe jetzt mehr Respekt vor dem Alter, vor den alten Menschen, und vor all den Lebensgeschichten, die sich angesammelt haben und die noch einmal erzählt und auch gehört werden wollen.
Literaturhaus, 30. Januar, 20 Uhr



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