Compañía Nacional de Danza Wie Nacho Duato heute tanzen lässt

Szene aus Nacho Duatos 2022 entstandenem Tanzstück „Morgen;“ Foto: Compañía Nacional de Danza /CND

Zwei Jahrzehnte lang hat Nacho Duato die Compañía Nacional de Danza geprägt, bevor er 2010 gen Osten zog. Jetzt bot ein Gastspiel in Ludwigsburg die Gelegenheit für ein Wiedersehen.

Stadtleben/Stadtkultur/Fildern : Andrea Kachelrieß (ak)

Die Compañía Nacional de Danza war unter der Leitung von Nacho Duato eine ziemlich angesagte Truppe. Seit der Choreograf aus Valencia erst in St. Petersburg, dann in Berlin sein Glück versuchte, wurde es ruhig um das Ensemble aus Madrid. Ziemlich spannend ist deshalb das Wiedersehen, das an diesem Wochenende ein Gastspiel im Forum in Ludwigsburg bot.

 

Zwei Jahrzehnte Tanzgeschichte stehen auf dem Programm, das mit Nacho Duatos „White Darkness“ ausklingt. Aus dem Jahr 2001 stammt das Stück, das bedrückend in Tanz fasst, was Drogen mit Menschen machen. Vom frühen Tod der eigenen Schwester inspiriert, ist es auch tänzerisch eines von Duatos intensivsten Stücken. Wie ein Rausch abheben lässt, wie die Sucht ein Leben beschleunigt, erzählt die neue Tänzergeneration mitreißend. Nach wie vor machen Duatos Gruppenbilder mit dynamisch ineinander verzahnten oder sich überlagernden Bewegungen staunen.

Duato kehrte als Gastchoreograf zurück

Besser wird es nicht. Und so hinterlässt die seit 2019 von Joaquín De Luz geleitete Compañía Nacional de Danza am Samstag den Eindruck, als sei für sie die Zeit stehen geblieben, auch wenn der weiße Stoff in „White Darkness“ seit mehr als zwanzig Jahren endlos zu rieseln scheint. Nicht weniger düster ist das Thema, mit dem Nacho Duato 2022 als Gastchoreograf zu seiner alten Kompanie zurückkehrte. „Morgen;“ heißt das Resultat; ein Gedicht, in dem Dorothy Parker das Überleben nach einem Selbstmordversuch ironisch kommentierte, hat es angeregt.

Fortsetzung fürs Leben

Ein Strichpunkt trennt in Parkers Gedicht „Resumé“ eine Selbsttötungsart von der nächsten und wird wie Richard Strauss Lied „Morgen“ zum Zeichen der Hoffnung dafür, dass das Leben keinen Punkt, sondern eine Fortsetzung erhält. Nacho Duato versetzt sich eindringlich in die Situation eines Menschen, den seine psychische Verfasstheit ausbremst: Bleierne Schwere lastet auf Bewegungen und lähmt sie, ein schwarzes Tuch macht düstere Gedanken sichtbar, hinter einem Plastikvorhang wirken weiße Gestalten in gegenläufigen Bewegungen wie stechende Schmerzen.

Doch während „White Darkness“ ehrlich und direkt von Sucht erzählt, verstellt in „Morgen;“ die Ästhetisierung von Leid den Zugang. Selbst wer am Boden liegt, sieht hier gut aus. Vor allem die als SM-Dominus verkleidete Todessehnsucht, die mal wie eine Spinne im Netz lauert, dann mit Messer und Schlinge hantiert, ist schwer auszuhalten. Dem Reigen der zehn anderen Tänzerinnen und Tänzer gelingen dagegen immer wieder Momente, die der fragilen Balance gerecht werden.

Kastagnetten und Absätze klackern

Zwischen die schwere Kost von Duato streut der neue Kompaniechef Joaquín De Luz bewusst Leichtes. „A tu vera“ schlägt die Brücke von klassischem Ballett zu Flamenco, der mit der Tänzerin Sara Calero ins Spiel kommt. Klackernde Kastagnetten und Absätze, Fächer und ein kess wippendes Tutu: Es ist alles da, damit vier Paare virtuose Tanzszenen zu einem kurzweiligen, aber folgenlos verpuffenden Vergnügen aufreihen können. Viele Kostümwechsel suggerieren erzählerisches Vorankommen, doch eigentlich tritt „A tu vera“ auf der Stelle. Dass Joaquín De Luz als Choreograf dem Tänzer Joaquín De Luz die auftrumpfendsten Parts reserviert, hinterlässt zwar einen bitteren Beigeschmack. Doch schön war das Wiedersehen mit der Compañía Nacional de Danza dennoch.

Info

Termin
Die Compañía Nacional de Danza tritt nochmals am Sonntag, 25. Februar, um 18 Uhr im Forum am Schlosspark auf.

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