Concert Band in Hohenheim Wie in einer „musikalischen Legebatterie“

Die Concert Band Hohenheim hat zu viele Zuhörer für ihre aktuellen Veranstaltungsorte, aber zu wenige für eine Vergrößerung. Das bringt einige Probleme und Unannehmlichkeiten mit sich. Ein Klagelied.

Joachim Pfläging (links) dirigiert die beengt sitzende Concert Band. Foto: Fritzsche
Joachim Pfläging (links) dirigiert die beengt sitzende Concert Band. Foto: Fritzsche

Hohenheim - Wir sind ein großes Orchester mit wenig Bekanntheitsgrad“, so bringt Judith Hempel es auf den Punkt. Die Concert Band der Universität Hohenheim hat Schwierigkeiten, geeignete Räumlichkeiten für Konzerte zu finden. „Wir sind kein Musikverein, aber auch keine Profis“, sagt Corinna Breyer. Die Nische wird dem Orchester oft zum Verhängnis.

Hempel und Breyer gehören zur Ensemblevertretung im Vorstand der Concert Band. Das symphonische Blasorchester hat rund 80 Mitglieder. Die müssen für ein Konzert aber auch alle – inklusive Instrumente – auf der Bühne des jeweiligen Saals untergebracht werden. Und das ist die Krux: „Wir rechnen meist mit etwa 300 Zuschauern“, erklärt Hempel. Ist ein Saal gefunden, der diese Zuschauermenge beherbergen kann, ist in den meisten Fällen die Bühne zu klein für das Orchester. Größere Säle haben größere Bühnen – „da bräuchten wir aber viel mehr Zuschauer, damit wir die Kosten über die Eintrittskarten wieder hereinbekommen.“ Mehr Zuschauer für zukünftige Konzerte zu bekommen, strebt das Orchester natürlich auch an. Kurzfristig löst dies das Raumproblem aber nicht.

Open Air am Schloss

Die Concert Band tritt regelmäßig zweimal pro Jahr auf: einmal zum Winterkonzert im Januar oder Februar und zum Sommerkonzert, meistens im Juli. Sommers hat sich mittlerweile eingebürgert, dass die Concert Band zum Tag der offenen Tür an der Uni Hohenheim ein Open-Air-Konzert am Schloss gibt, das ist auch für kommenden Juli so geplant. Zuvor hat das Orchester schon in Kirchen im Bezirk gespielt. Für die Winterkonzerte ist dies allerdings keine Alternative: Einige Kirchen seien im Winter geschlossen oder so kalt, dass ein richtiges Musizieren ausgeschlossen sei, so Corinna Breyer. „Außerdem kommt es auch vor, dass die Gemeinden mitsprechen möchten, was auf unserem Konzertprogramm steht.“ Eine künstlerische Einschränkung, auf die das Orchester gerne verzichten möchte.

Wichtig ist zudem, dass sich der Konzertsaal in den Bezirken unterm Fernsehturm befindet. Das hat nicht nur mit der Verwurzelung des Orchesters in Hohenheim zu tun, sondern hat auch einen praktischen Grund: Während Hörner, Trompeten und Flöten aufgrund ihrer Größe problemlos transportiert werden können, sieht das mit den Instrumenten im Schlagwerk anders aus. Pauken, Trommeln, Schlagzeug und Xylofon sind auf dem Campus untergebracht und müssen umständlich mit Auto, Anhänger und Transporter zum jeweiligen Konzertsaal gefahren werden.

Übers Budget hinaus

Das jüngste Winterkonzert hat die Concert Band im vergangenen Januar im SSB-Veranstaltungszentrum auf der Waldau gespielt. „Das war wunderbar“, schwärmen die beiden Musikerinnen. Akustik, Atmosphäre, Saalgröße, alles passte. Und die Musiker konnten in der Pause selbst eine Bewirtung anbieten, zu Gunsten des Fördervereins der Concert Band. Auch auf der Waldau war aber die Bühne zu klein, so dass extra Podeste angemietet werden mussten, die den Preis in die Höhe trieben. „Da waren wir über unser Budget hinaus“, sagt Judith Hempel.

Früher hat die Concert Band stets im Euroforum der Uni musiziert. Das ist allerdings 2012 umgebaut worden. „Zuvor konnte man die ersten Zuschauerreihen herausnehmen, um Platz für uns zu schaffen“, erklärt Judith Hempel. Das ist mit der neuen Bestuhlung nicht mehr möglich. Konzerte kann die Concert Band darum hier nicht mehr bestreiten. Geprobt wird im Euroforum weiterhin – auch mangels einer Alternative auf dem Campus. Und so müssen die Register zusammenrücken, man teilt Notenständer und muss darauf achten, dem Nebenmann nicht den Arm ins Gesicht zu schlagen. Das ist auch für den Dirigenten Joachim Pfläging ein Ärgernis: „Es ist schade, wenn man hoffen muss, dass zur Probe nicht alle da sind, damit ein bisschen Luft ist“, sagt er. „Als Musiker braucht man Platz um sich herum, um frei spielen zu können.“ Es sei toll, wie groß das Orchester mittlerweile ist, jedes Semester kommen einige neue Mitglieder hinzu. „Wir sind jetzt schon eine musikalische Legebatterie“, so Pfläging. Es wäre kontraproduktiv, fügt er an, wenn nur aus Platzgründen über einen Aufnahmestopp nachgedacht werden müsste.

Vorerst keine Lösung

Eine Lösung für dieses Problem scheint es aber vorerst nicht zu geben. „Unsere große Hoffnung war der neue Hörsaal“, sagt Tabea Franke, die als Musikbeauftragte der Uni Hohenheim für die verschiedenen Ensembles auf dem Campus zuständig ist. Die Bühne im neuen Saal wird zwar groß sein, und auch ausreichend breit, aber wohl nicht tief genug für die Concert Band. „Das ist sehr schade“, sagt Franke. Die Concert Band sei schließlich auch „ein tolles Aushängeschild“ für die Uni. „Das Bewusstsein für das Raumproblem ist bei der Universitätsverwaltung da“, sagt Tabea Franke. Im Fall des neuen Hörsaals und im Fall des umgebauten Euroforums sei aber der Lehrbetrieb vorgegangen. „Das verstehen wir natürlich auch. Für das Orchester ist es trotzdem enttäuschend.“ Zwar gibt es an der Uni Hohenheim auch einen Chor, ein Blockflötenensemble, eine Holzbläsergruppe und ein Sinfonieorchester. Das größte Ensemble ist aber die Concert Band – und darum das einzige mit dem Raumproblem. Vorerst wird es wohl nur mit geteilten Notenständern in der Legebatterie weitergehen.

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