Confed-Cup-Aus und Doping-Verdacht Russischer Scherbenhaufen

Von red/SID 

Das Vorrunden-Aus beim Confed Cup traf Russland hart, doch ein Bericht über den Doping-Verdacht im Nationalteam könnte für den WM-Gastgeber deutlich unangenehmere Folgen haben.

Der russische Trainer Stanislaw Tschertschessow Foto: dpa
Der russische Trainer Stanislaw Tschertschessow Foto: dpa

Kasan - Kritische Fragen zum frühen K.o. bei der WM-Generalprobe wehrte Stanislaw Tschertschessow mit einer peinlichen Macho-Attacke ab, der Nationaltrainer und der russische Fußball dürften aber bald in viel größere Erklärungsnot geraten. Einem Bericht der britischen Mail on Sunday zufolge soll der Weltverband FIFA wegen des Doping-Verdachts gegen den kompletten russischen Kader der WM 2014 und elf weitere Profis ermitteln.

Es bestehe der Verdacht, dass auch das Fußball-Team vom institutionellen Dopingsystem im Riesenreich betroffen war. Ein Jahr vor dem Startschuss fällt damit ein weiterer Schatten auf die ohnehin umstrittene Weltmeisterschaft in Russland. Sollten sich die Kernaussagen des Medienberichts mit der Überschrift „Der Drogen-Kader“ bestätigen, wäre das ein Skandal mit ungewissen Folgen. Die FIFA sagte auf SID-Anfrage am Sonntag, man werde die Vorwürfe mit der medizinischen Abteilung überprüfen.

Sechs Dopingverdächtige im Confed-Kader

Worum geht es? Die 23 WM-Spieler und elf weitere Profis sollen auf einer Liste von insgesamt 1000 Personen stehen, die mit Doping in Verbindung gebracht werden. Sechs Spieler aus dem WM-Team von Brasilien standen auch im Kader für den Confed Cup. Der Mail on Sunday liegen angeblich auch E-Mails des ehemaligen Leiters des Moskauer Anti-Doping-Labors, Grigori Rodschenkow, vor. Darin soll das von staatlicher Ebene angeordnete Vertuschen von positiven Befunden offen zur Sprache kommen. Bislang waren Russlands Fußballer von konkreten Doping-Vorwürfen weitestgehend verschont geblieben.

Sportlich enttäuschte Russland bei der WM in Brasilien, die sieglose Sbornaja flog schon nach der Vorrunde raus. Noch chancenloser war Russland bei der EURO zwei Jahre später in Frankreich, und auch zu Hause beim Confed Cup scheiterte das Team in der Gruppenphase.

Nationaltrainer reagiert genervt

Die Nerven liegen blank, nach dem 1:2 zum Abschluss gegen Mexiko kanzelte Nationalcoach Tschertschessow die ARD-Reporterin Jessy Wellmer mit einem Macho-Spruch ab. „Druck? Haben Sie Blutdruck, oder was? Wenn solche Männer neben Ihnen stehen, kommt der Blutdruck hoch“, sagte der frühere Torwart von Dynamo Dresden. Dabei fasste er die Reporterin leicht an den Oberarm und grinste zu Interviewpartner Kevin Kuranyi herüber. Wellmer hakte nach - und kassierte von Tschertschessow einen Anranzer. „Typisch deutscher Journalist“, sagte der 53-Jährige: „Ich habe in Polen gearbeitet, da gab es immer nur ein Wort: Problem, Problem, Problem. In Deutschland ist es Druck, Druck, Druck.“

In Russland dürfte das nicht anders sein, weil sich die Politik stark einmischt. Parlamentsvizepräsident Igor Lebedew empfahl den Spielern öffentlich, Gelb-Rot-Sünder Juri Schirkow, der gegen Mexiko in der 68. Minute wegen eines Ellenbogenschlags vom Platz musste, in der Kabine zu verprügeln. WM-Gastgeber Russland wollte den Confed Cup eigentlich nutzen, um positive Schlagzeilen zu schreiben. Diese Mission ist gründlich missglückt.