Coox & Candy Wellness für den Magen

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Das neue vegane Restaurant Coox&Candy in Stuttgart-Bad Cannstatt bietet bürgerlich-mediterrane Kost neu interpretiert.  

Kathrin Friedrich serviert mit Enthusiasmus und viel Wissen. Foto: Heinz Heiss
Kathrin Friedrich serviert mit Enthusiasmus und viel Wissen. Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - Veganer kennen das Problem: wollen sie auswärts ohne jegliche Tierprodukte speisen, reduziert sich die Auswahl meist auf wenige Gerichte. Seit Mitte Februar gibt es nun eine Anlaufstelle: In Bad Cannstatt hat das Coox&Candy eröffnet, das eine Küche anbietet für Veganer, "die einfach mal wieder einen Burger essen wollen", wie die Geschäftsführerin Kathrin Friedrich sagt. Sie hat das Lokal mit Uta Späth und Thomas Hanewald auf die Beine gestellt. Dem Trio fehlt jegliche Erfahrung in der Gastronomie, gleichwohl stehen Späth und Hanewald am Herd, weil zwei bereits engagierte Köche wieder abgesprungen sind. "Wir suchen weiter", sagt Friedrich. Deshalb ist die Karte zurzeit noch überschaubar, es gibt vor allem wechselnde Tagesgerichte.

Kein Koch und keine Erfahrung? Misstrauisch sitzen wir an einem Mittwochabend im fast vollen Lokal-und werden angenehm überrascht. Die Vorspeisen und Getränke sind hurtig auf dem Tisch, das Hummus-Rosé an Chicorée-Schiffchen (4,60 Euro) hat eine pfiffige Rote-Bete-Note, das Grüne Bruschetta aus Gurke und Avocado (3,80Euro) schmeckt so frisch und klar wie der Melone-Orange-Smoothie. Der französische und demeterzertifizierte Merlot-Cabernet Sauvignon erweist sich als niveauvoller, aber rauer Geselle. Kathrin Friedrich serviert, ist dabei sehr aufmerksam und beantwortet alle Fragen zur dem Gast unbekannten veganen Küche geduldig und sachkundig.

Pause hätte gut getan

Kaum sind die Teller abgeräumt, steht schon der Hauptgang auf dem hübsch dekorierten Tisch. Eine kleine Pause hätte gutgetan. Das Pilz-Creme-Geschnetzelte auf Sojabasis mit Nudeln und Rotkraut (9,80Euro) schmeckt tatsächlich wie geschnetzeltes Fleisch, ist gut gewürzt, hätte aber mehr Nudeln vertragen. Die Tempeh (12,80Euro), ein mit Pilzkulturen versetzter Tofu, auf Gemüse mit Quinoa (eine südamerikanische Pflanze, deren Samen als "Pseudogetreide" verwendet werden), ist ebenfalls gelungen. Das Gemüse ist punktgenau gegart, aber leider ungewürzt. Immerhin stehen für solche Fälle Salz- und Pfeffermühle auf dem Tisch. Zum Abschluss gibt es einen Kokos-Milchreis (3,20Euro) und einen Sojajoguhrt-Zitronen-Kuchen (3,80 Euro), beides geschmeidig und schmackhaft.

Hübsch ist auch das Ambiente: Im alten Häuschen in der Sulzbachgasse hat das Trio in die hellen Räume dunkle Tische und Stühle gestellt, Tischsets und Schälchen aus Bambus geben eine asiatische Note, Farbtupfer setzen die grünen Polster. Das Farbkonzept ist konsequent umgesetzt, bis hin zur Internetseite.

Fazit: das Coox&Candy ist eine charmante Bereicherung der bereits vielfältigen Cannstatter Gastronomie. Sollte einmal ein gelernter Koch am Herd stehen, dürfen es gerne ein paar kulinarische Experimente mehr auf der Karte sein. Sehr spannend wären zum Beispiel Impulse aus der indisch-ayurvedischen Küche.

Die Bewertung

Küche: ***

Service: ****

Ambiente: ****

***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

Coox&Candy Sulzbachgasse 14, 70372 Stuttgart (Bad Cannstatt), Telefon 50446004, www.coox-candy.de

Montag Ruhetag, Dienstag bis Donnerstag 11.30-22.30, Freitag, 11.30-2 Uhr, Samstag 10- 2 Uhr, Sonntag, 10-22.30Uhr.