Corona-Beschränkungen aufgehoben Spanien jubelt – nur Mallorca randaliert

Auf diesen Tag hatten junge Spanier im ganzen Land – hier in Barcelona – lange gewartet. Endlich sind die Beschränkungen und nächtlichen Ausgangssperren aufgehoben worden. Foto: dpa/Emilio Morenatti

Das Land hebt den Corona-Alarmzustand auf – und die Jugend feiert. Während das Festland die Freiheit bejubelt, sind Urlaubsgebiete wie Mallorca mit ganz anderen Problemen konfrontiert.

Korrespondenten: Martin Dahms (mda)

Madrid - Es ist eine verkehrte Welt: Madrid gehört mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 130,3 zu den eher ansteckenderen Regionen Spaniens, die Balearen einschließlich Mallorca mit einem Wert von 26,1 zu den ungefährlicheren. Und nun feiert das ganze Land die Aufhebung der Coronamaßnahmen und der nächtlichen Ausgangssperren – mit Ausnahme von Mallorca. Als deutsche Zechpreller am Wochenende ein Lokal in der Innenstadt von Palma verließen, war draußen alles voller Polizei, und sofort nahmen sich einige Beamte der zahlungsunwilligen Touristen an. Eigentlich waren die Polizisten aus anderem Grund hier.

 

Auf Mallorca gilt mindestens noch zwei Wochen die Ausgangssperre

Auf der Plaça d’Espanya hatten am späten Abend rund 300 junge Leute gegen die Coronaregeln auf Mallorca protestiert und sich bald mit der Polizei angelegt, die die Demonstranten auf den Heimweg zu schicken versuchte. Während der Rest Spaniens feierte, gab es in Palma Randale. Pech für die Zechpreller. Auf diesen Tag hatten junge Spanier im ganzen Land lange gewartet. Endlich wurde der Corona-Alarmzustand aufgehoben und damit fast überall auch die nächtlichen Ausgangssperren. In der Hauptstadt Madrid, die ein halbes Jahr lang nachts hatte schlafen müssen, begann das öffentliche Tanzen, Trinken und Grölen schon vor Mitternacht und zog sich hier und dort bis in den Morgen hin.

Auf Mallorca aber gilt mindestens noch zwei weitere Wochen die Ausgangssperre ab 23 Uhr abends, das hat die Regionalregierung so beschlossen. Den 300 Demonstranten in Palma gefiel das nicht. Manche warfen Steine oder was immer sie in die Finger bekamen, 16 von ihnen wurden festgenommen. Die Balearenregierung will weiterhin streng sein. Sie hat die Sommersaison fest im Blick: Monatelang niedrige Infektionsraten sollen das Aushängeschild der Inseln sein.

Es sind nicht nur junge Leute, denen das so nicht gefällt, sondern auch ein paar Restaurant- und Kneipenbetreiber. Die dürfen noch immer nicht die Innenräume ihrer Lokale fürs Publikum öffnen. Die einzige Erleichterung seit diesem Sonntag: Draußen darf jetzt bis halb elf Uhr abends an den Terrassentischen konsumiert werden, vorher war um halb fünf nachmittags Schluss. Am Sonntag füllten sich vor allem die Strandlokale. Das war Mallorcas Art, das Ende des Alarmzustands zu feiern. Am Montag wurde es dann auf einmal kühl und begann zu regnen. Ein weiterer schlechter Tag für die Inselgastronomie.

Die rechtliche Debatte beginnt gerade erst

Zwei kleinere Unternehmerverbände melden Protest an. „Seit 15 Monaten erdrosseln uns die wilden Restriktionen der Regionalregierung“, sagt Eugenia Cusí, Sprecherin des Verbandes der kleinen und mittleren Restaurationsbetriebe auf Mallorca, zur Netzzeitung „El Confidencial“. „Es reicht jetzt.“ Ihr gehe es nicht um das ausfallende Geschäft in den kommenden zwei Wochen. Sorgen bereite ihr eine Verwaltung, die Entscheidungen „ohne rechtliche Grundlage“ treffe. Man könne nie wissen, was die Balearenregierung in der Zukunft noch alles beschließen wolle.

Die rechtliche Debatte in dieser Sache beginnt gerade erst, leider zu spät. Dürfen die Regionalregierungen Grundrechte auch ohne offiziellen Notstand einschränken? Der Obere Gerichtshof der Balearen beschloss vergangene Woche mit drei zu zwei Richterstimmen: Das sei angesichts der Corona-Epidemie legal. Die Richterkollegen auf den Kanaren kamen zum gegenteiligen Schluss.

Auch auf den Kanarischen Inseln sollte nach dem Willen der dortigen Regionalregierung, trotz Ende des landesweiten Alarmzustands, weiter eine nächtliche Ausgangssperre gelten. Wegen der juristischen Uneinigkeit muss jetzt Spaniens Oberster Gerichtshof ein Urteil in dieser Frage fällen. Hoffentlich tut er das bald.

Für PCR-Tests ist ein Höchstpreis von 75 Euro festgelegt

Um den sehnlich erwarteten Touristen ihre Entscheidung für Mallorca leichter zu machen, will ihnen die Balearenregierung eine kostenlose Rückreise im Falle einer Ansteckung auf den Inseln garantieren. Außerdem hat sie einen Höchstpreis für PCR-Tests von 75 Euro festgelegt. Nach jetzigem Buchungsstand sieht es so aus, dass in den kommenden vier Wochen immerhin halb so viele Besucher kommen werden wie zur selben Zeit im Jahr 2019. Das ist mal ein Anfang.

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