Corona-Impfung Kreuzgeimpft – Einreise verboten?
Millionen Deutschen wurde und wird als zweites Vakzin ein anderes als das erste gespritzt. Das mag die Immunisierung verbessern – für Reisende könnte es allerdings keine gute Idee gewesen sein.
Millionen Deutschen wurde und wird als zweites Vakzin ein anderes als das erste gespritzt. Das mag die Immunisierung verbessern – für Reisende könnte es allerdings keine gute Idee gewesen sein.
Stuttgart - Angela Merkel hätte nicht nach Malta reisen dürfen. Das kleinste europäische Land erlaubte bis zur vergangenen Woche keine Einreise für Kreuzgeimpfte. Und die deutsche Bundeskanzlerin hat sich mit Astrazeneca und Moderna immunisieren lassen.
Mittlerweile nahm Malta seine Vorschrift zurück – und die Kanzlerin macht anderswo Urlaub. Der Vorgang wirft aber ein Schlaglicht auf eine bislang wenig beachtete Problematik: Es geht beim Auslandsurlaub immer öfter nicht nur darum, ob man geimpft ist, sondern auch womit.
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Angesichts steigender Inzidenzen verschärfen gerade viele Länder ihre Coronabestimmungen. Norwegen entscheidet über Ungeimpfte jetzt im Einzelfall an der Grenze, die Slowakei schickt alle Ungeimpften in Quarantäne, ebenso Thailand, das kürzlich ein kreuzgeimpftes dänisches Urlauberpaar nicht einreisen ließ. Katar und Saudi-Arabien öffnen ihre Grenzen überhaupt nur für Geimpfte. Auch Malta hat die Grenzen für Ungeimpfte komplett dicht gemacht, erlaubt also alternativ nicht, sich frei zu testen. Zunächst hätte auch keine Kreuzimpfung erlaubt sein sollen, da ruderte die maltesische Regierung aber schnell zurück.
Zum Hintergrund: Es gibt einen Expertenstreit über Vorteile und Risiken der Kreuzimpfung. Großbritannien und Deutschland haben sie früh empfohlen, weil nach der Erstimpfung mit Astrazeneca in seltenen Fällen Thrombosen auftraten und man gefährdeten Zielgruppen keine zweite Impfung zumuten wollte. Außerdem stand bis Juni gar nicht immer jedes Vakzin in ausreichender Menge zur Verfügung.
Die Europäische Arzneimittel-Agentur (Ema) hält die Kreuzimpfung (Englisch: Mix-and-match-Vaccination) bis zum heutigen Tag für nicht ausreichend getestet und verweigert ihr deshalb (noch) die Empfehlung. Darauf hatte sich Malta berufen. Nach heftigen Auseinandersetzungen mit der eigenen Tourismusbranche prüft Malta nun nur noch, ob von der Ema zugelassene Impfstoffe gespritzt wurden. Das maltesische Fremdenverkehrsamt weiter: „Nach aktuellem Stand werden Misch- oder Kreuzimpfungen mit diesen Impfstoffen ebenfalls akzeptiert.“
Vom Tisch ist die Sache trotzdem nicht: Die USA etwa akzeptieren weiter keine Kreuzimpfungen aus Vektor- und mRNA-Impfstoffen, also Astrazeneca und Biontech (Biontech und Moderna dagegen schon). Das fällt in Europa nur nicht auf, weil ohnehin kaum jemand in die Staaten reisen darf. Und für Angela Merkel machte man bei ihrem jüngsten Staatsbesuch offenbar eine Ausnahme. Für Kanadier ergibt sich dagegen ein echtes Problem, weil Kanada wie Deutschland Kreuzimpfungen als besonders wirksam empfohlen hatte. Nun bietet die kanadische Provinz Quebec Bürgern, die in die USA reisen wollen, eine zusätzliche Dosis mRNA-Impfstoff (Biontech oder Moderna) an.
An Kreuzimpfungen stören sich außer der US Immigration auch US-Kreuzfahrt-Reedereien. So berichtet ein deutsches Urlauberpaar im Portal Cruisetricks.de, im Juli in Athen beim Check-in der „Celebrity Apex“ abgewiesen worden zu sein. Die beiden waren genesen und wie in Deutschland üblich danach einmal geimpft. Die Offizierin bestand aber auf zwei Impfungen. Auch „mixed vaccination“ mit Astrazeneca akzeptieren einige Kreuzfahrt-Reedereien nicht – laut Cruisetricks sind das unter anderem Carnival, Holland America und Princess. Das Chaos vor der Reise wird vermutlich nicht kleiner, wenn demnächst wieder mehr Fernreisen möglich sind. Da heißt es dann, genau zu prüfen, ob man den oder die richtigen Impfstoffe gespritzt bekommen hat. Wie das Fachportal Covid19.trackvaccines.org ermittelte, werden selbst die beliebtesten Impfstoffe nur von rund zwei Dritteln der Staaten der Welt anerkannt – und da sind Kreuzimpfungen noch nicht berücksichtigt.
Weltweit am populärsten ist nach dieser Übersicht Astrazeneca, das von 136 Staaten anerkannt wird – aber nur, wenn es in England und nicht in Indien hergestellt wurde. Dann heißt es Covishield und wird nur von 57 Staaten weltweit akzeptiert. Mit Biontech Geimpften erlauben laut Trackvaccines.org 123 Länder die Einreise, mit Moderna nur 76. Das sind kaum mehr als mit dem russischen Sputnik: Der landet weltweit bei 69 Ländern, Deutschland ist allerdings nicht darunter.
Fast mutet der Streit um Impfseren wie eine Auseinandersetzung zweier Kleinkinder im Sandkasten an. So werden Chinas Vakzin Sinopharm und Amerikas Impfstoff Johnson & Johnson von etwa gleich vielen Staaten anerkannt, aber die Kluft verläuft entlang politischer Grenzen: Der Westen lehnt Sinopharm ab, viele Schwellenländer Johnson & Johnson und China auch Moderna. Beide Impfstoffe wurden von US-Konzernen entwickelt. Für einen friedlichen Urlaub sind das keine guten Aussichten.
Info
Vorschriften
Die zuverlässigste Quelle, um etwaige Impfvorschriften zu prüfen, ist die Webseite des Auswärtigen Amts (www.auswaertiges-amt.de, „Sicher Reisen“, „Ihr Reiseland”, dann unter „Einreise“). Wichtig ist neben dem Impfstoff auch der Beweis. Besonders streng geht wieder das kleine Malta vor: Dort wird ausschließlich das EU-Zertifikat (der „grüne Pass“) oder das Impfzertifikat der Schweiz akzeptiert – der klassische gelbe deutsche Impfausweis dagegen nicht.
Digitaler Nachweis
Deutschland empfiehlt den Covpass, um das EU-Zertifikat einzulesen. In einem Covpass können auch die Zertifikate der Mitreisenden gespeichert werden (www.digitaler-impfnachweis-app.de/faq/#welchen-qr-code-kann-ich-mit-der-covpass-app-einscannen-). Ein Check-Tool, welcher Impfstoff in welchem Land gültig ist, hat Visaguide.world auf seine Webseite gestellt: https://visaguide.world/news/vaccine-checker-proof-of-immunity-for-travel/