„Wir verzeichnen aktuell in den Impfzentren rund 7000 Impfungen pro Woche. Das sind 2000 mehr als noch vor einem Monat“, sagt Sarah Panten, die Sprecherin der Kreisverwaltung. Für den Anstieg macht sie die geänderte Empfehlung der Ständigen Impfkommission für die Gruppe der Zwölf- bis 17-jährigen und das bevorstehende Ende der kostenlosen Bürgertestung einerseits und die niederschwelligen Angebote durch den Impfbus andererseits verantwortlich.
Auch die Ärzteschaft plädiert für die Weiterfahrt des Impfbusses
Problem nur: Der vom Land erteilte Auftrag an die Landkreise, die Kreisimpfzentren zu betreiben, läuft am 30. September aus. Weil der Impfbus organisatorisch an die Zentren angedockt ist, bedeutet das zwangsläufig auch sein Ende. Das stößt auf Kritik bei den Betreibern und auch bei der Ärzteschaft.
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Damit, dass die beiden Impfzentren an der Messe in Leinfelden-Echterdingen und in der Esslinger Zeppelinstraße ihren Betrieb bis Ende des Monats einstellen müssen, hat sich Marc Lippe, der Geschäftsführer der Malteser im Kreis Esslingen, inzwischen abgefunden. Doch dass der Bus, in dem die Ärzte derzeit täglich mehr als 150 Impfungen verabreichen, in drei Wochen in der Garage bleiben soll, will er nicht akzeptieren. „Der Impfbus ist ein niederschwelliges Angebot, das gerne angenommen wird. Dass er nicht mehr fahren soll, halten wir für einen schweren Fehler“, sagt der Malteser-Geschäftsführer, der im Auftrag des Landkreises seit Januar mit dem Betrieb der beiden Impfzentren und mit der Organisation des Impfbusses betraut ist.
Zum 1. Oktober ist der Landkreis aus dem Spiel
Zum Stichtag 1. Oktober allerdings ist der Landkreis aus dem Spiel – und damit auch die Malteser. „Was Impfungen angeht, die auf den Zeitraum danach fallen, obliegt es der Landesregierung, die ideale Infrastruktur und einen Übergang in die Regelsysteme zu schaffen“, bestätigt Sarah Panten. Von Oktober an würden die Impfungen von den Betriebsärzten und von den niedergelassenen Ärzten übernommen.
In deren Praxen sieht man den übertragenen Aufgaben mit großer Gelassenheit entgegen. „Das schaffen wir. Wir haben die Kapazitäten und wir haben den Impfstoff. Es geht nun ja auch darum, das Krankheitsbild in den Alltag zu überführen. Das Impfen ist nun mal eine hausärztliche Tätigkeit“, sagt Wolf-Dieter Miehe, der Vorsitzende der Kreisärzteschaft im Altkreis Nürtingen. Auch die Drittimpfungen in den Pflegeheimen sieht der Mediziner bei den Hausärzten verortet. Die Weiterführung des Impfbusses stehe allerdings auf einem anderen Blatt. „Es ist sinnvoll und hilfreich, den Impfbus weiterzuführen. Da geht es nicht um die Menge, sondern um einen anderen, niederschwelligen Zugang“, sagt Miehe.
Willkommenes Angebot für Menschen mit Migrationshintergrund
Seine Kritik an der Einstellung des Impfbusses hat Marc Lippe Ende der Woche auch schon schriftlich den Regierungsfraktionen der Grünen und der CDU im Stuttgarter Landtag zukommen lassen. „Wir holen mit dem dezentralen Angebot, für das kein Termin und keine Anmeldung notwendig ist, nicht nur die Menschen in den kleinen Kommunen auf dem Land ab. Wir stellen auch fest, dass viele Menschen mit Migrationshintergrund sich nun verstärkt im Bus impfen lassen“, sagt er.
Ob diese Bevölkerungsgruppe mit einem Impfangebot in den Arztpraxen erreicht werden kann, bezweifelt der Malteser-Geschäftsführer. Ungeachtet dessen sind seinen Worten zufolge die Verträge der rund 150 in den beiden Kreisimpfzentren beschäftigten Helferinnen und Helfer mittlerweile gekündigt – bis auf wenige Ausnahmen. „Wenn es gut geht, können wir rund zehn Prozent unserer Mitarbeiter ein Angebot zur Weiterbeschäftigung unterbreiten – sei es in einer Ausbildung zum Rettungssanitäter oder in der Verwaltung“, sagt Lippe.