Stuttgart - Eine Regelung des Tarifvertrags zur Beschäftigungssicherung erlaubt Bosch weitere Sparmaßnahmen zur Abfederung der Coronakrise. Das Unternehmen nutzt diese Regelung nun, um nach Ablauf der Kurzarbeit in den Bereichen Entwicklung, Forschung, Vertrieb und Verwaltung die Kosten zu senken. Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter haben sich darauf geeinigt, dass vom 1. August an bis Ende des Jahres die Arbeitszeit verkürzt wird – bei entsprechenden Gehaltskürzungen. Laut Tarifvertrag ist damit auch der Schutz vor Kündigungen in dem Zeitraum verbunden.
„Für Tarifbeschäftigte mit einer Arbeitszeit von mehr als 35 Stunden verringert sich die Wochenarbeitszeit infolge der neuen Regelung um zehn Prozent. Bei Arbeitsverträgen mit 35 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit und darunter sinkt die Arbeitszeit um 8,57 Prozent. Das Entgelt wird entsprechend angepasst“, teilte das Stiftungsunternehmen am Donnerstag gegenüber der Stuttgarter Zeitung mit.
Betroffen sind demnach 35 000 Mitarbeiter an neun Standorten in der Region Stuttgart, darunter der Firmensitz auf der Gerlinger Schillerhöhe, das Werk in Feuerbach sowie Abstatt, Leonberg, Renningen, Reutlingen und Schwieberdingen. In der Fertigung hingegen wird bis Jahresende die Kurzarbeit fortgesetzt. Dies erlaube den Standorten, „individuell und flexibel auf die weiterhin stark schwankenden Kundenabrufe zu reagieren“, heißt es in einer Erklärung des Unternehmens.
Regelung im Tarifvertrag
Bosch ist wie viele Unternehmen in der Auto- und Zuliefererbranche massiv von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen. „Auch wenn sich die Nachfrage langsam erholt, ist die Umsatz- und Ergebnisentwicklung nach wie vor stark belastet“, teilte Bosch mit. Die Maßnahmen würden wesentlich dazu beitragen, „die Kosten des Unternehmens in der angespannten wirtschaftlichen Situation weiter einzudämmen, und helfen, die Beschäftigung an den Standorten zu sichern“.
Mit rund 400 000 Mitarbeitern ist Bosch der größte Autozulieferer weltweit. 130 000 davon sind in Deutschland beschäftigt. Davon war zuletzt rund ein Drittel in Kurzarbeit, am Diesel-Standort Feuerbach rund die Hälfte. Etwa 3000 hatten dort vergangene Woche unter dem Motto „Solidarität gewinnt“ für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze demonstriert. Dabei hatte der Betriebsratsvorsitzende Frank Sell eine temporäre Verkürzung der Arbeitszeit als adäquate Reaktion auf die Krise bezeichnet: „Wir akzeptieren keine betriebsbedingten Kündigungen. Die Last der Transformation darf nicht einseitig auf den Schultern der Arbeitnehmer liegen.“
Neben den Corona-Folgen verschärft der Strukturwandel und der Trend zur Elektromobilität in der Autoindustrie die Lage. Dies dürfte das Unternehmen noch auf Jahre hinaus beschäftigen.