Corona-Krise Ein Sprinter muss langsam machen

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Ohne Sport und Studium: Stefan Volzer bleibt zu Hause.

Stefan Volzer hat sich mit den Familienmitgliedern eine freiwillige Quarantäne verordnet Foto: Patricia Sigerist
Stefan Volzer hat sich mit den Familienmitgliedern eine freiwillige Quarantäne verordnet Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Unter anderen Umständen in anderen Zeiten, gar nicht lange her und doch schon ganz weit weg, würde Stefan Volzer so gut wie jeden Tag seine Sportutensilien zusammenpacken und mit dem Auto durch den Kappelbergtunnel zum Olympiastützpunkt in Bad Cannstatt fahren. Der 19-Jährige aus Fellbach würde sich dort mit dem Trainer Marlon Odom auf die Freiluftsaison vorbereiten, auf die nächsten Ziele, neue Herausforderungen.

Die Coronavirus-Pandemie hat die Welt verändert

Zum Beispiel auf die deutschen Leichtathletik-Meisterschaften, Anfang Juni in Braunschweig vorgesehen. Doch die Zeiten und Umstände sind nicht mehr so, wie sie noch vor ein paar Wochen waren. Die Coronavirus-Pandemie hat die Welt verändert, auch die Welt ambitionierter Hürdensprinter. Um die Ausbreitung des Krankheitserregers zu verlangsamen, sind Sporteinrichtungen aller Art ebenso geschlossen wie Kinos, Bibliotheken, Kneipen, Kindergärten, Schulen oder Universitäten. Stefan Volzer sitzt nicht mehr fast jeden Tag für ein paar Minuten ins Auto, um in Bad Cannstatt an Form und Fitness zu arbeiten. Er ist – wie der Trainer Marlon Odom – zu Hause. Auch deshalb, weil Eltern und eine Schwester unlängst aus Österreich zurückgekehrt sind. Der mehrmalige deutsche Nachwuchsmeister hat sich mit den Familienmitgliedern eine freiwillige Quarantäne verordnet: „Es ist wichtig, dass man das macht.

Stefan Volzer ist angesichts der Corona-Krise froh, dass er nun erst mal keinen weiteren internationalen Titelkämpfen entgegensieht

Der Sport muss gerade zurückstecken.“ Der Sport und so gut wie alles andere auch. Der ehemalige Schüler des Friedrich-Schiller-Gymnasiums, der seit Herbst 2018 technisch orientierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Stuttgart studiert, wollte nächste Woche etwa auch eine Klausur schreiben. Doch die fällt – natürlich – ebenfalls aus. Die Zwangspause betrifft alles und jeden.

Wie lange sie andauern wird, lässt sich nicht vorhersagen. Stefan Volzer hat vor wenigen Tagen von Vera Michallek, die sich seiner Wettkampfplanung annimmt, die Termine für diese Leichtathletik-Saison zugesandt bekommen. Da ginge es für den Schnellläufer laut Plan schon im Mai hin: Bellinzona, Bydgoszcz, eventuell Marseille. Kaum anzunehmen aber, dass es da hingehen wird.

Stefan Volzer ist angesichts der Corona-Krise froh, dass er nun erst mal keinen weiteren internationalen Titelkämpfen entgegensieht. Er war von 2017 bis 2019 bei Nachwuchs-Welt- und Europameisterschaften in Kenia, Finnland und Schweden. Unter Männern will er in den nächsten Jahren zu den Besten aufschließen. Die Olympischen Spiele 2024 in Paris sollen einen Höhepunkt seiner Laufbahn auf der Laufbahn bilden; die Sommerspiele 2020 in Tokio kommen noch zu früh für ihn. Doch womöglich kommen sie gar nicht für die Athleten, die ihnen entgegenstreben wie Marie-Laurence Jungfleisch, Hochspringerin am Stützpunkt in Stuttgart. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie stattfinden werden. Ich weiß nicht, wie sich die Verantwortlichen das vorstellen“, sagt Stefan Volzer.




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