Corona-Krise in Leinfelden-Echterdingen Weil der Verkauf von Torte nicht ausreicht

Von Natalie Kanter 

Verena Jetter musste wegen der Corona-Krise von heute auf morgen ihr Café in Leinfelden-Echterdingen schließen. Wie viele andere stand die Konditorin vor der Frage, wie es weitergehen sollte. Nun aber ist ihr Optimismus zurückgekehrt.

Verena Jetter (links), Betreiberin des Cafés CaVero in Leinfelden, und ihre Mitarbeiterin Freya Wiedenhorn versuchen, den Betrieb mit Kuchenverkauf über Wasser zu halten. Foto: privat
Verena Jetter (links), Betreiberin des Cafés CaVero in Leinfelden, und ihre Mitarbeiterin Freya Wiedenhorn versuchen, den Betrieb mit Kuchenverkauf über Wasser zu halten. Foto: privat

Leinfelden - Seit wenigen Tagen hat Verena Jetter ihren Seelenfrieden wiedergefunden. Denn mittlerweile steht fest, dass ihrem Unternehmen – einer Konditorei mit Cafébetrieb in Leinfelden – möglicherweise nun doch finanzielle Hilfe ins Haus steht. Und zwar ohne, dass sie vorher ihr Sparbuch plündern muss. Aber der Reihe nach: Wegen der Corona-Krise musste die Konditorin, wie viele andere in Deutschland auch, ihren Cafébetrieb an der Stuttgarter Straße 83 von heute auf morgen – und auf unbestimmte Zeit – schließen.

Ihre 15 Minijobber haben sich mittlerweile teils alternative Jobs gesucht. Sie befüllen Regale in einem Supermarkt oder arbeiten als Erntehelfer. Ihre drei Festangestellten sind in Kurzarbeit, eine davon ist ganz zu Hause, die anderen beiden teilen sich die Arbeit in der Backstube. Die Chefin hat den Service an der Theke übernommen. „Wir versuchen, uns mit Kuchenverkauf über Wasser zu halten“, sagt sie. Hinter Plexiglas bietet sie Cremetorte, verschiedene Strudel, hausgemachte Croissants oder auch Gemüsequiche an. Auf dem Fußboden kleben Abstandsmarken. Ihren Laden dürfen maximal drei Kunden auf einmal betreten.

Zunächst hat sich die Konditorin sehr gefreut

Ihren Stammkunden, die der Konditorei erfreulicherweise auch in diesen Zeiten die Treue halten, sagt sie: „Esst mehr Kuchen, das tut uns allen gut.“ Dennoch macht Verena Jetter nur noch ein Viertel des Umsatzes von früher. Die Konditorin ist damit eine der unzähligen Kleinunternehmer, die aufgrund der Corona-Krise auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind. Als die Sache mit den Soforthilfen von Bund und Land für Kleinunternehmer aufkam, hat sich Verena Jetter zunächst sehr gefreut: „Super, dass uns geholfen wird“, dachte sie. Sie hat sich auch gleich an den Rechner gesetzt, um online den Zuschuss für ihren Betrieb zu beantragen, den sie nicht zurückzahlen muss.

Viele Geschäftsleute haben in diesen Tagen ähnlich gehandelt. Seit Beginn des Programms gingen 210 154 Anträge ein, informiert das Wirtschaftsministerium am Donnerstagnachmittag in einer Mitteilung an die Presse. Exakt 3506 Anträge in einer Gesamthöhe von rund 36,4 Millionen Euro wurden bereits ausbezahlt. Bis zum Dienstag will die L-Bank hier noch einmal nachlegen und die Antragswelle der ersten Woche bearbeitet haben.

Auf Zuschuss angewiesen

Kurz vor dem Absenden ihres Antrages hat die Leinfelder Konditorin darin eine Klausel entdeckt, die besagt, dass sie zunächst alle liquiden Mittel aufbrauchen müsse, bevor sie einen solchen Antrag stellen könne. Deshalb hat sie nicht auf Senden gedrückt, sondern lieber ihren Steuerberater angerufen und sich sogar an Dehoga, den Verband für Hotellerie und Gastronomie, gewandt. „Ich war mega frustriert“, erinnert sie sich.

Das Land hat nachgebessert

Mittlerweile aber hat das Land Baden-Württemberg nachgebessert. Das Privatvermögen wird nicht mehr in die Prüfung eines Antrages auf Corona-Soforthilfe miteinbezogen. Antragssteller müssen nun nur nachweisen, dass ihre aktuellen Einnahmen nicht ausreichen, um die laufenden Kosten ihres Unternehmens finanzieren zu können. „Über diese Nachricht bin ich natürlich richtig froh“, sagt Verena Jetter.

Mit bis zu 15 000 Euro aus dem Corona-Soforthilfeprogramm des Bundes und Landes, die sie mittlerweile auch beantragt hat, wird die Inhaberin des Leinfelder Café CaVero die kommenden drei Monate überbrücken können. Auch wenn im Hinterkopf die Angst bleibt, dass sie, wenn der Shutdown zu lange dauert, schlussendlich doch noch an ihre Reserven gehen muss.