Corona-Krise Zirkusleute und Schausteller sind in Not

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Denis Krecksch möchte einen kleinen Vergnügungspark in Rommelshausen öffnen. Monika Riedesel vom Zirkus Piccolo hofft zumindest auf den Weihnachtszirkus. Beiden sind alle Einnahmen weggebrochen – und es fehlt an großen Rücklagen.

Rainer (links) und Denis Kreksch warten auf bessere Zeiten. Foto: Brigitte Hess
Rainer (links) und Denis Kreksch warten auf bessere Zeiten. Foto: Brigitte Hess

Fellbach/Kernen - Jetzt im Frühsommer laufen die Geschäfte bei Schaustellern und Zirkusleuten normalerweise rund. „Wir hätten in diesen Wochen eigentlich nach und nach zwölf Schulprojekte, dazu acht Gastspiele im Remstal und an der Peripherie von Stuttgart“, sagt Monika Riedesel vom Zirkus Piccolo. Alles wurde wegen Corona storniert. Die Großfamilie hatte im März gerade in Schwaikheim ihr kurz vor Weihnachten auf Kredit gekauftes Zelt aufgebaut, da kam das Aus für den Zirkus.

Schon einmal, während der Finanzkrise 2008, brachen die Geschäfte der Kreckschs schwer ein

Ähnlich geht es Vater Rainer und Sohn Denis Krecksch. Die Schausteller aus Rommelshausen waren eigentlich beim Maikäferfest mit Kinder-Bimmelbahn, Süßigkeiten- und Imbissständen engagiert, ebenso beim Fellbacher Herbst. Jetzt sitzen sie zu Hause und rechnen rauf und runter, wie das Geld reichen soll.

„Die Einnahmen vom Weihnachtszirkus sind aufgebraucht“, berichtet Monika Riedesel. Für die Krecksch lief nicht mal die vergangene Weihnachtsmarkt-Saison besonders gut, das Wetter war zu regnerisch. Dabei drücken auch sie die Kosten, erst vergangenes Jahr musste eine große Zugmaschine und ein weiteres Fahrzeug angeschafft werden, weil der alte Fuhrpark nicht mehr der Euronorm entsprach.

Schon einmal, während der Finanzkrise 2008, brachen die Geschäfte der Kreckschs schwer ein: „Aber das ist nichts gegen die Situation jetzt“, sagt Vater Rainer. Eigentlich lebte der Betrieb damals zu mehr als 80 Prozent von Firmenveranstaltungen, aber es hagelte aufgrund der schlechten Finanzsituation Absagen. Deshalb wurde dieser Bereich auf 50 Prozent heruntergefahren, die andere Hälfte des Geschäfts machen Vermietungen, Künstler-Vermittlung und Catering aus.

Die Familie habe ein Konzept erarbeitet mit den üblichen Hygienevorkehrungen

Zirkus und Schausteller haben die staatliche Soforthilfe beantragt. Die Riedesels bekamen 4500 Euro und haben damit Versicherungen und Kfz-Steuer beglichen. Rainer Krecksch erhielt 9000 Euro, auch er hat fällige Rechnungen bezahlt. Auf seine Hausbank ist er gut zu sprechen: „Die kamen von sich aus auf uns zu und stundeten fällige Raten“, sagt er. Von Juni an soll er nun wieder zahlen – wie das gehen soll, weiß er nicht. Er hofft auf weitere Nachsicht, auch von anderen Geschäftskunden: „Wir haben einen guten Leumund, weil wir bislang immer alles pünktlich überwiesen haben.“

Monika Riedesel war zu Tränen gerührt, als ihr eine Dame, die regelmäßig mit ihren Enkeln in die Vorstellungen des kleinen Zirkus kam, einen Umschlag mit 50 Euro unter den Scheibenwischer klemmte. „Mein Mann wollte erst nicht, aber er hat dann doch eine kleine Spendenbox an einem Wohnwagen angebracht, und da haben wir noch ein paar kleine Spenden bekommen“, sagt sie. Die Zirkusleute sind froh, dass sie ihre Tiere schon länger abgeschafft haben. „Das wäre ja schrecklich, wenn wir die jetzt nicht richtig versorgen könnten“, sagt die Chefin des kleinen Zirkus. Ihre drei Töchter und zwei Söhne sowie einige der sieben Enkel trainieren regelmäßig im leeren Zelt – in der Hoffnung, dass es bald wieder rund geht in der Manege. Nächste Woche zieht der Zirkus nach Stammheim um, „aber spielen werden wir da wohl noch nicht dürfen“. Die Familie habe ein Konzept erarbeitet mit den üblichen Hygienevorkehrungen: „Wir sind bereit, aber ab wann wir wieder spielen dürfen, wissen wir nicht.“ Ebenso wenig, ob in den Sommerferien die Ferienspaß-Programme der Gemeinden stattfinden, bei denen die Zirkusleute alljährlich Kurse anbieten. Die große Hoffnung ist, dass wenigstens der Weihnachtszirkus in diesem Jahr stattfindet.

Große Rücklagen haben weder die Zirkusleute, noch die Schausteller

Auch Denis Krecksch hat sich etwas einfallen lassen. Er möchte gerne einen kleinen Vergnügungspark auf dem Gelände vor seinem Haus oder auf der Gemeindewiese in Rommelshausen aufbauen. „Die großen Vergnügungsparks dürfen ja von Ende Mai an wieder öffnen, aber uns kleine hat man komplett vergessen, wir fallen durchs Raster.“ Auch er würde nur jeweils eine begrenzte Anzahl Kinder und Erwachsene aufs Gelände lassen, mit einer Eintrittspauschale wäre die Benutzung aller Fahrgeschäfte abgegolten.

Aber ein Okay von der Gemeinde Kernen hat er noch nicht. Seinen Plan, einen Imbisswagen mit Holzkohlegrill mitten in Rommelshausen aufzustellen, hat er aufgegeben: „Da hingen so viele Auflagen dran, das ging gar nicht“, sagt er. Aktuell leben die Kreckschs vom Verkauf von FFP2- und FFP3-Masken, die er über private Kontakte direkt aus China geliefert bekommt. „Was mir das einbringt, ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, berichtet Rainer Krecksch.

Große Rücklagen haben weder die Zirkusleute, noch die Schausteller. Denis Krecksch hat einige Versicherungen gekündigt und seine Lebensversicherung beliehen. „Wir sind schon immer Kämpfer gewesen, wir stecken den Kopf nicht in den Sand, sondern schauen vorwärts“, sagt Vater Rainer. Der wollte dieses Jahr in Rente gehen und seinem Sohn das Geschäft in vierter Generation überschreiben. Jetzt greift er nach jedem Strohhalm: „Ich mach’ den Märchenonkel beim Ferienspaß-Programm“, sagt er. Aber ob das stattfinden kann, steht in den Sternen.




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