Wenn nach dem Lockdown die österreichischen Schüler in den Präsenzunterricht zurückkehren, stehen kostenlos fünf Millionen Schnelltests für sie bereit. Die Schüler sollen sich anfangs einmal und später zweimal in der Woche selbst testen – und zu Hause bleiben, wenn der Test positiv ist, um so die Infektionsgefahr für Mitschüler und Lehrkräfte zu mindern. Während Wien also schon handelt, gibt es in Berlin noch keine Entscheidung.
Schnelltest für Laien sollen auch hierzulande erlaubt werden
Zwar hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Novelle der „Medizinprodukte-Abgabeverordnung“ vorgelegt, die Schnelltests für Laien erlauben soll. Tests zur Eigenanwendung könnten dazu beitragen, heißt es in der Verordnung, „dass mehr Infektionen und ggf. zu einem früheren Zeitpunkt erkannt werden. Solche Tests sind ein wichtiger Beitrag zur Optimierung der Teststrategie in Deutschland.“ Doch beschlossene Sache ist Spahns Verordnung noch nicht.
Und genau das ist aus Sicht des Grünen-Bundestagsabgeordneten Janosch Dahmen das Problem: „Ich habe das Gefühl, nach einem Jahr hat die Bundesregierung noch immer nicht verstanden: Eine Pandemie ist ein Wettlauf gegen die Zeit.“
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Dahmen meint, dass fünf Firmen die Laientests im Angebot haben, die nur den Abstrich aus der Nase brauchen – also nicht einen Abstrich aus dem Rachen und der Nase, wie es bei den bisher genutzten Corona-Schnelltests der Fall ist. Aus Sicht der Grünen muss die Bundesregierung mit den Herstellern von einfach handhabbaren Laientests klären, wie die rasch die Produktion dieser Tests erhöhen können.
Eigentests können oft und überall von jedem genutzt werden
Die Rachen/Nasen-Tests werden schon seit geraumer Zeit eingesetzt, zum Beispiel in Pflegeheimen, Firmen oder für Lehrkräfte. Dafür braucht es aber jemanden, der die Untersuchung vornimmt. Kämen nach einer entsprechenden Erlaubnis Spahns Tests auf den Markt, die jeder selbst spielend leicht anwenden kann, wäre in puncto Pandemiebekämpfung aus Sicht der Grünen viel gewonnen. Die allgemeinen Hygieneregeln würden damit zwar nicht überflüssig. Und jeder, der beim Eigentest ein positives Resultat bekäme, müsste sich sofort isolieren.
Dafür allerdings bieten die Eigentests die Chance, oft und überall von jedem genutzt werden zu können. Und während es Tage dauern kann, bis das Ergebnis eines sogenannten PCR-Tests aus dem Labor kommt, geht das bei den Schnelltests – wie der Name schon sagt – schnell. Dass der PCR-Test für den Nachweis einer Infektion fraglos der Goldstandard ist, bestreitet keiner. Ebenso sicher ist aber, dass auch Schnelltests Aussagekraft haben. Gerade in der Phase, in der jemand stark infektiös ist, zeigen sie bei den meisten Probanden die Ansteckung sehr wohl an.
Selbsttests sind kaum schlechter als professionell durchgeführte Schnelltests
Zudem sind die Eigentests durchaus genau. Jedenfalls zeigt eine Studie der Berliner Charité, dass die Qualität der Selbsttestung nur unwesentlich schlechter ist als bei den Schnelltests, die eine professionelle Pflegekraft oder eine extra dafür geschulte Person vornimmt. „Der Unterschied zwischen Selbsttestung und professionellem Testen hat sich in der Studie als minimal und nicht signifikant erwiesen“, sagt Claudia Denkinger von der Uniklinik Heidelberg.
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Sie meint, dass ein breiter und richtiger Einsatz der Eigentests einen „Rieseneffekt“ auf die Entwicklung der Pandemie hätte, das heißt: das Infektionsgeschehen stark eindämmen würde. Natürlich wisse man bei Infizierten ohne Krankheitssymptome nicht, wann man sie testen müsse. Ihnen gehe es ja gut. Deshalb wäre es sinnvoll, möglichst viele möglichst oft zu testen, damit Menschen, die keine Symptome haben, das Virus nicht weitertragen können. Somit könne etwa die Hälfte aller Ansteckungen vermieden werden.
Der Eigentest, den Österreichs Schüler nun bekommen, wäre übrigens auch in Deutschland grundsätzlich einsetzbar. Er ist vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte technisch geprüft – aber für niemanden zugänglich, solange Spahns Novelle der Verordnung nicht beschlossen ist.