„Aktuell einen Garten zu haben, in dem unsere Kinder unbeschwert die sonnigen Tage der Quarantäne verbringen können, ist Gold wert“, weiß auch Katrin Fuchs, Mutter von drei Jungs im Alter zwischen ein und sechs Jahren. „Sie verstehen nur bedingt, was gerade um sie herum passiert.“ Die Familie wohnt im Stuttgarter Norden und hat in ihrem Garten in den letzten Tagen Salat gesät, Erdbeerpflanzen gesetzt und Hibiskusbüsche und Rhododendren umgepflanzt. „Ich habe den Kindern gezeigt, dass die Büsche auf dem aktuellen Platz nicht so gut wachsen. Dann haben wir für die Pflanzen neue Stellen gesucht, die Löcher gegraben und die Büsche wieder eingepflanzt“, erzählt Fuchs, die im Marketing tätig, ist. „Dabei konnten die Kinder lernen, wie kraftvoll man einerseits arbeiten muss, um die Wurzeln freizulegen, wie behutsam man dann aber mit den Wurzeln umgehen muss, um den Busch zu verpflanzen.“
Baumärkte haben noch offen, Blumenläden nicht
So viel Glück wie Familie Fuchs mit ihrem Garten, haben nicht viele in Stuttgart. Verschärfte Ausgangssperren machen es den Stuttgartern in Zeiten der Coronakrise schwer, den Frühling und all seine Pracht zu genießen. Erst am Sonntag haben Bund und Länder ein umfassendes Kontaktverbot beschlossen, Ansammlungen von mehr als zwei Personen sind verboten. Grund für die verschärften Regelungen sind die ansteigende Zahl an Infizierten. Der Kontakt zu anderen Menschen soll auf ein Minimum beschränkt werden, um so Ansteckungen mit dem neuartigen Coronavirus zu begrenzen. Während nach der aktuellen Corona-Verordnung zum Beispiel Bars, Kneipen, Cafés und auch Blumenläden geschlossen werden müssen, haben Baumärkte und Gärtnereien nach wie vor offen. Warum ist das so?
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Im Unterschied zu reinen Blumenläden seien Gärtnereien und Baumärkte für Handwerker und Selbstversorger wichtig, erklärt Marius Ritter, Presseverantwortlicher des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg. „Viele Handwerker beziehen ihre Werkzeuge und Produkte in Baumärkten. Um die Funktionsfähigkeit des Handwerks aufrecht zu erhalten, sind Baumärkte daher unbedingt erforderlich. Sie gewährleisten außerdem, dass der Bedarf für notwendige Reparaturen zu Hause gedeckt werden kann.“ Gärtnereien seien weiterhin geöffnet, da momentan Pflanzzeit sei und so die Versorgung der Bürger gesichert wird, ergänz Ritter.
Die Pflanzzeit beginnt
Das bestätigt auch Rainer Hatt vom Pflanzenhof in Vaihingen. Der Baumschulmeister führt gemeinsam mit seiner Frau den Pflanzenhof und hat diesen auch in Zeiten der Coronakrise geöffnet. Auf seinem Hof soll in diesen Tagen ebenfalls die Nahversorgung im Vordergrund stehen. Schließlich sei genau das der Grund, weshalb er im Gegensatz zu vielen Blumenläden in der Stadt noch geöffnet haben dürfe. „Wir sehen uns als Nahversorger an und achten darauf, dass zum Beispiel der Verkauf von Blumensträußen eher in den Hintergrund rückt.“ Viel eher sei nun der Verkauf von Gemüsesetzlingen, Obstbäumen, Kräutern und Gewürzen wichtig. „Jetzt ist die Zeit, in der viele Nutzpflanzen ausgesät werden müssen, damit im Sommer und Herbst geerntet werden kann.“
Ob der Pflanzenhof am nächsten Tag wieder seine Türen öffnet, entscheiden die Hatts jeden Tag neu. „Für uns ist es ganz wichtig, unser Team und unsere Kunden bestmöglich zu schützen“, sagt Rainer Hatt. Schon jetzt wird die Verkaufsberatung auf das Nötigste beschränkt und die Kunden bedienen sich, wo möglich, selbst. Trotzdem freut er sich, dass scheinbar viele Eltern die schwierige Zeit mit ihren Kindern bei der Gartenarbeit verbringen. „Plötzlich kommen ganze Familien zu uns“, sagt Hatt. „Man merkt, dass die Leute mehr Zeit haben und zuhause werkeln und gärtnern.“
Auch bei Familie Fuchs wird der heimische Garten in den nächsten Tagen noch eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, die Kinder zu beschäftigen. Die frisch gepflanzten Blumen und Büsche müssen täglich gegossen werden und die Jungs können so gleich lernen, Verantwortung für das eigene Handeln und ihre Pflanzen zu übernehmen.