Coronavirus in Deutschland Boris Palmer: „Wir retten Menschen, die möglicherweise sowieso bald sterben“

Von red/AFP/dpa 

Grünen-Politiker Boris Palmer hat den weltweiten Lockdown der Wirtschaft aufgrund des Coronavirus erneut scharf kritisiert. Zudem machte er sich ein weiteres Mal für eine verpflichtende Handyapp stark.

Boris Palmer kritisiert den weltweiten Lockdown der Wirtschaft erneut scharf. Foto: imago images/Eibner/Eibner-Pressefoto/Thomas Dinges
Boris Palmer kritisiert den weltweiten Lockdown der Wirtschaft erneut scharf. Foto: imago images/Eibner/Eibner-Pressefoto/Thomas Dinges

Tübingen - Der Grünen-Politiker Boris Palmer hat den weltweiten Lockdown der Wirtschaft wegen der Corona-Krise erneut scharf kritisiert. „Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einen halben Jahr sowieso tot wären - aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen“, sagte der Tübinger Oberbürgermeister am Dienstag im Sat.1-Frühstücksfernsehen. Der Armutsschock, der aus der weltweiten Zerstörung der Wirtschaft entstehe, bringe nach Einschätzung der Vereinten Nationen hingegen Millionen Kinder ums Leben.

Palmer plädiert für rasche Öffnung

„Wenn Sie die Todeszahlen durch Corona anschauen, dann ist es bei vielen so, dass viele Menschen über 80 sterben -  und wir wissen, über 80 sterben die meisten irgendwann, sagte Palmer. Er hatte schon früher die Politik zur Corona-Eindämmung kritisiert und für strenge Quarantänemaßnahmen für Risikogruppen sowie eine rasche Öffnung der restlichen Gesellschaft plädiert.

Der Direktor des Instituts für Epidemiologie und Medizinische Biometrie der Universität Ulm, Dietrich Rothenbacher, betonte dagegen, dass es auch bei jüngeren Erwachsenen schwere Verläufe einer Covid-19-Erkrankung gebe. Laut einer Studie aus China starben in einer Patientengruppe von 35- bis 58-Jährigen 8,1 Prozent. „Die Gefährlichkeit einer Erkrankung kann auch nicht nur an der Zahl der absoluten Todesfälle festgemacht werden, sondern in der Tat sollte die Anzahl der verlorenen Lebensjahre benannt werden“, teilte Rothenbacher mit. Diese Zahlen gebe es für Covid-19 noch nicht.

FDP-Vorsitzender empört

Der baden-württembergische FDP-Vorsitzende Michael Theurer reagierte empört auf Palmers Äußerung: „Ich rate Boris Palmer dringend, sich zu entschuldigen und diese Äußerung zurückzunehmen. Er ist nicht nur wie sonst manchmal über das Ziel hinausgeschossen, sondern erheblich entgleist.“ Palmer empfahl in der Fernsehsendung darüber hinaus, alle verfügbaren Testkapazitäten einzusetzen, und sprach sich - anders als seine Partei - für eine verpflichtende Handyapp aus, die Infektionen nachverfolgt.

Unsere Empfehlung für Sie