Stuttgart - Die auf Mittwoch vorgezogenen Schulschließungen kommen bei den Eltern in Stuttgart nicht gut an. In einem offenen Brief an Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) und weitere Entscheidungsträger begrüßt der Stuttgarter Gesamtelternbeirat (GEB) zwar das Angebot einer Notbetreuung und den Fernunterricht für die Abschlussklassen. Zugleich aber sei man „entsetzt“, dass dieser nur für die Abschlussklassen vorgesehen sei. Und die Notbetreuung funktioniere ja auch nur bei ausreichend Personal, so der GEB.
„Wieder zeigt sich in schmerzhafter Weise das langjährige Versäumnis der Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung, in ausreichendem Maß für geeignetes Personal, zeitgemäße Konzepte und digitale Infrastruktur in der Bildung zu sorgen“, schreibt die frisch gewählte GEB-Vorsitzende Manja Reinholdt. Und: „Der GEB befürchtet, dass die Zahl der Bildungsverlierer erneut steigt und sich die Situation enorm zuspitzt.“ Hinzu komme: „An den Schulen herrscht Ratlosigkeit, wann die Klausuren nachgeholt werden können.“ Gerade für die Abschlussklassen erwarte man ein Konzept, wie die Corona-bedingten Nachteile ausgeglichen werden können.
Nicht alle Kursstufler haben schon ihre Pflichtklausur geschrieben
Das treibt auch die Schulen um. In den Klassenstufen fünf bis zehn könnten die Klassenarbeiten auch über das Halbjahreszeugnis hinweg nachgeholt werden, sagt Matthias Wasel, der Geschäftsführende Leiter der Stuttgarter Gymnasien und des Hölderlin-Gymnasiums. Aber bei den Kursstuflern müsse das Halbjahreszeugnis bis 29. Januar stehen. Und noch nicht alle Klassen hätten die eine Pflichtklausur pro Halbjahr in Basisfächern wie Deutsch oder Mathe bereits geschrieben. Da sei die Notengebung schwierig.
Doch Ausnahmen lässt das Kultusministerium nicht zu. „Da der Präsenzunterricht ausgesetzt ist, können keine Klassenarbeiten geschrieben werden“, erklärt ein Sprecher. Die in diesem Zeitraum vorgesehenen Klassenarbeiten „sind abzusagen und – sofern für die Notenbildung zwingend erforderlich – neu anzusetzen, sobald wieder Präsenzunterricht an der Schule möglich ist“. Aber er betont, die Schüler dürften „keine Benachteiligung durch den Lockdown haben“.
Unterdessen versuchen die Schulen, rasch eine Notbetreuung für die jüngeren Schüler zu organisieren und den Bedarf abzufragen. Wasel hat bereits am Sonntag die Eltern angeschrieben und auch schon Kollegen gefunden, die das freiwillig übernehmen. „Die werden leichte Übungen in Deutsch und Mathe machen“, so Wasel.
Viele Lehrer können wegen eigener kleiner Kinder keine Notbetreuung übernehmen
An der Schwabschule erwartet Rektorin Elisabeth Tull bis Dienstagvormittag die Rückmeldung der Eltern. „Wir werden die Notbetreuung als Möglichkeit für motorische Übungen nutzen“, so Tull – „basteln, ausschneiden, Karten gestalten“. Neue Lerninhalte werde man aber nicht vermitteln. Allerdings könnten nicht alle Kollegen das übernehmen, denn allein acht Kollegen hätten eigene kleine Kinder zu betreuen. Statt einer Weihnachtsfeier bereite man sich jetzt schon darauf vor, falls im Januar ein weiterer Lockdown komme – und stelle Aufgaben ins Netz.
Nicht nur am Högy fällt das Wichteln aus. Manche Schüler freuen sich trotzdem auf vorgezogene Ferien. „Die Fünfer waren ganz fröhlich“, so Wasel. Viele Kollegen fragten sich, ob die Entscheidung nicht auch früher möglich gewesen wäre. Der GEB fordert vom Land „eine vorausschauende Planung mit entsprechenden Konzepten für die verschiedenen Infektionsszenarien der kommenden Monate“.