Coronavirus Chinesische Touristen stornieren Stuttgart-Besuch

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In Stuttgart wie auch in Baden-Württemberg ist bisher laut Gesundheitsbehörden kein Fall einer Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen worden. Doch es gibt bereits touristische Folgen: Das Mercedes-Museum erhielt 570 Stornierungen von chinesischen Reiseveranstaltern.

Auf die automobilen Schätzchen im Mercedes-Museum fahren Chinesen besonders ab. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Auf die automobilen Schätzchen im Mercedes-Museum fahren Chinesen besonders ab. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stuttgart - Bisher ist in Stuttgart wie auch in Baden-Württemberg kein Fall einer Infektion mit dem Coronavirus nachgewiesen worden. Das erklärte die Stadt Stuttgart am Mittwochnachmittag in einer Pressemitteilung.

Stefan Ehehalt, der Leiter des Gesundheitsamts, betonte: „Es ist zu unterscheiden zwischen tatsächlichen und entfernten Gefährdungen der öffentlichen Gesundheit.“ Aktuell sei es wahrscheinlicher, an Grippe zu erkranken als am Coronavirus. Doch die Behörden und das Klinikum seien auf beides vorbereitet. Im Verdachtsfall sollen Betroffene nicht zum Gesundheitsamt, sondern zum Arzt – aber diesen vorher anrufen. Ehehalt rät, sich nicht verunsichern zu lassen: „Jeder kann seinen Alltag im öffentlichen Leben normal fortsetzen.“

Veränderungen im öffentlichen Leben bringt die Ausbreitung der chinesischen Lungenkrankheit allerdings auch für die Landeshauptstadt mit. Denn die Touristen aus China bleiben aus. Zum einen, weil China viele Städte gesperrt hat, zum anderen, weil auch immer mehr Fluggesellschaften ihre Flüge von und nach China eingestellt haben, darunter auch die Lufthansa.

Chinesen sind im Mercedes-Museum die Nummer eins der internationalen Gäste

Die Auswirkungen spürt man beispielsweise im Mercedes-Museum, das insbesondere für Besucher aus China zu den Höhepunkten gehört, da sie vor allem von den Fahrzeugen der Reichen, Mächtigen und Schönen angetan seien. „Es gab seit dem 25. Januar Stornierungen von insgesamt 16 Gruppen mit 570 Personen, alle von chinesischen Reiseveranstaltern“, berichtet Museumssprecherin Friederike Valet. „China ist bei unseren internationalen Besuchern die Nummer ein.“ Sie machten fast elf Prozent der Gesamtbesucherzahl aus, die im vergangenen Jahr bei mehr als 850 000 Gästen gelegen habe. Der aktuelle Rückgang „war erwartbar“, meint Valet – „aber bei uns geht der Betrieb ganz normal weiter“. Allerdings mit ein paar zusätzlichen Vorkehrungen: „Als akute Maßnahme haben wir unsere Reinigungsfrequenz erhöht und auch den Einsatz von Desinfektionsmitteln“, berichtet Valet. Auch die Belegschaft habe man entsprechend instruiert: „Wie hustet man richtig? Wie niest man richtig?“

Auch bei Stuttgart-Marketing rechnet man mit Rückgängen der Touristen aus China: „Wir werden das in der Bilanz für 2020 spüren“, meint Geschäftsführer Achim Dellnitz. Unter den internationalen Gästen belegt China in Stuttgart mit fast 69 000 Übernachtungen den vierten Platz: nach USA, der Schweiz und Großbritannien. Der chinesische Markt habe sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt, die Reiseintensität habe deutlich zugenommen, so Dellnitz.

Geschäftsreisende aus Stuttgart überdenken Besuch in China

„Automobil und Shoppen steht bei den Chinesen an erster Stelle“, berichtet der Geschäftsführer. Und dabei gebe die neue, wohlhabende chinesische Mittelschicht viel Geld aus. Doch von der Ausbreitung des Coronavirus ist auch die Stuttgart-Marketing direkt betroffen. „Wir haben Ende März eine wichtige Reise nach China geplant, um Kontakte zu Reiseveranstaltern und Bildungsplattformen herzustellen. „Da steht jetzt auch ein Fragezeichen dahinter“, meint Dellnitz. Nicht nur er hofft, dass die Ausbreitung des Virus rasch gestoppt wird.

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