Coronavirus und Olympische Spiele Marie-Laurence Jungfleisch und die leise Hoffnung

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Die Leichtathletin Marie-Laurence Jungfleisch gehört zu den aussichtsreichsten Medaillen-Aspirantinnen aus der Region Stuttgart. Aber jetzt stellt sich die Frage: Wie bereitet sie sich angesichts der Corona-Krise auf die Olympischen Spiele in Tokio vor?

Marie-Laurence Jungfleisch denkt derzeit nur von Tag zu Tag. Foto: Baumann
Marie-Laurence Jungfleisch denkt derzeit nur von Tag zu Tag. Foto: Baumann

Stuttgart - Acht Monate ist es her, dass Marie-Laurence Jungfleisch für klare Verhältnisse sorgte. Beim Hochsprungmeeting in Bühl sicherte sich die Stuttgarterin im Juli 2019 mit überquerten 1,96 Metern nicht nur den Sieg, sondern knackte auch bereits die geforderte Norm für die Olympischen Spiele. Das bedeutete Planungssicherheit – und die Chance, schon frühzeitig alles auf den ultimativen Höhepunkt in Tokio auszurichten. Die Hallensaison ließ Jungfleisch aus, um bei ihren zweiten und womöglich letzten Sommerspielen in der Form ihres Lebens zu sein.

Pläne pulverisiert

Jetzt hat das Coronavirus auch bei der siebenmaligen deutschen Hochsprungmeisterin und EM-Dritten vom VfB Stuttgart sämtliche Pläne pulverisiert. Am Wochenende wollte sie in ein zweiwöchiges Trainingslager nach Südafrika fliegen – „das wäre ein Traum gewesen, ich hatte mich riesig darauf gefreut“. Doch die Reise ist storniert worden. Vor der Absage steht auch das zweite Olympia-Vorbereitungscamp in Belek, und Ende April ist der Zeitpunkt des ersten Wettkampfs. Wenn es diese Saison überhaupt einen gibt.

Marie-Laurence Jungfleisch ist derzeit schon froh, dass sie überhaupt ein bisschen trainieren kann. Die Molly-Schauffele-Halle am Olympiastützpunkt in Bad Cannstatt steht einigen wenigen Topathleten vorerst auch weiter zur Verfügung – doch lautet die Frage: wie lange noch? „Wir können momentan nur von Tag zu Tag denken. Morgen können die Bestimmungen schon wieder anders sein“, sagt die 29-Jährige.

Ungewissheit belastet

Noch belastender als die schwierige Trainingssituation ist die Ungewissheit, ob die Sommerspiele zum seit Jahren feststehenden Zeitpunkt überhaupt über die Bühne gehen können. Ihr Trainer Tamas Kiss („Mein Bauchgefühl sagt mir, sie finden nicht statt“) hat die Hoffnung bereits aufgegeben und wünscht sich vom IOC eine baldige Ansage: „Das kann nicht erst im Mai entschieden werden.“ Und auch Jungfleisch kann sich kaum vorstellen, dass es von Ende Juli an in Tokio um Olympiamedaillen geht: „Das Fragezeichen wird immer größer.“ Deshalb sei es nicht einfach, die Motivation aufrecht zu erhalten. Doch was bleibt ihr anderes übrig? „Ich trainiere so lange, wie es irgendwie geht.“