Costa Concordia Das Trinkwasser kommt aus dem Meer

Korrespondenten: Paul Kreiner (pk)
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Treffpunkt des schmucken, in seiner steilen Felsenbucht hochkletternden Dorfes ist in diesen Tagen die Einsatzzentrale am Hafen. Da sind die Profitaucher der Feuerwehr in ihren dicken Neoprenanzügen, behängt mit Karabinern, Seilen und anderem Kletterzubehör wie Bergsteiger. Noch suchen sie nach Vermissten, "aber die Arbeit wird immer härter", sagt einer: "Das Wasser im Schiff ist mittlerweile braun wie Kaffee, da siehst du nichts mehr."

Am Kai liegt auch eine Plattform vor Anker mit Kran und Schläuchen und Generatoren und Tanks; auf ihr werken recht wortkarge holländische Spezialisten in ihren von schwarzen Ölflecken durchtränkten orangefarbenen Overalls. Demnächst wollen sie das Heck der Concordia durchbohren und Heizschlangen in die Tanks senken, um das Schweröl anzuwärmen und dann abzupumpen. Auf vier Wochen Arbeit richten sich diese Männer ein, "wenn das Wetter mitspielt", sagen sie.

Und die Gigliesi am Ufer, die hoffen nur, dass das gutgeht. "Wir müssen hoffen, eine andere Wahl haben wir nicht", sagt eine Frau, die auf die Fähre zum Festland wartet. Flüchtet sie etwa schon? "Nein, nein, ich besuche nur meine kranke Tochter." Die Gigliesi leben vom Sommertourismus und vom kleinen Fischfang. "Unser Trinkwasser", sorgt sich Emilio Scotto, der Neunzigjährige, "holen wir über Entsalzungsanlagen aus dem Meer." Öl an der Küste oder auf dem Grund, sagen sie alle, "das wäre unser Ende."

"Wir verkaufen das Öl und werden reich"

Wobei - es gibt auch Leute, die schon wieder zu Scherzen aufgelegt sind. In der Runde um Giovanni sagt einer: "Die sollen uns das Öl doch lassen. Dann verkaufen wir's und werden reich!" Und ein anderer: "Was ich immer schon zu meiner Frau sage: Die sollen das Schiff aufrichten, sanieren und ordentlich verankern, dann haben wir wenigstens mal ein Luxushotel!"

An diesem Abend melden italienische Nachrichtenagenturen: "Bei der von Tauchern aus der Concordia geborgenen Leiche handelt es sich um den ungarischen Bordgeiger Sándor Fehér (38). Die Angehörigen haben seine Leiche identifiziert."




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