Das Bundesamt ist in Böblingen am Zug Schönbuchbahn – Warten auf die Zulassung
Es gibt noch ein paar Unbekannte, bis die Schönbuchbahn in Betrieb gehen kann. Das erfuhr der Zweckverband am Freitag in Böblingen – und es gab Ärger.
Es gibt noch ein paar Unbekannte, bis die Schönbuchbahn in Betrieb gehen kann. Das erfuhr der Zweckverband am Freitag in Böblingen – und es gab Ärger.
Stop and Go kennt man eigentlich aus dem Straßenverkehr. Dass sich auch die Schönbuchbahn nur stockend bewegt, das mussten die Mitglieder des Zweckverbands Schönbuchbahn am Freitag zur Kenntnis nehmen. Sie nahmen es verärgert zur Kenntnis. Denn die neuen Züge fahren frühestens im Juni 2024, geplant war einmal das Jahr 2021.
Sehr verstimmt zeigte sich auch der Böblinger Landrat Roland Bernhard. Er ließ in der Sitzung Dampf ab mit den Worten, „ein Ärgernis hoch drei“ sei es, was sich seit Jahren zwischen dem spanischen Hersteller CAF, dem Eisenbahn-Bundesamt und dem Zweckverband abspiele und zu immer neuen Verzögerungen beim Betrieb der neuen Triebfahrzeuge geführt habe. Obwohl die Strecke zwischen Böblingen und Dettenhausen seit drei Jahren elektrifiziert ist, fahren bis heute noch keine neuen Züge. Der Grund liegt daran, dass der spanische Hersteller CAF die Züge mit Bremsen konstruierte, die für den Einsatz auf einer Nebenbahnstrecke nicht geschaffen sind, weswegen das Eisenbahn-Bundesamt in Bonn die Zulassung verweigerte.
Zwar verließen die Züge ihre Montagehalle in Saragossa, aber nun stehen sie in einem Depot in Horb. Dort versuchen Techniker, die Bremsen mit einer neuen Software tauglich zu machen. Derweil fährt immer noch ein Großteil der alten Dieselzüge im Mischbetrieb mit geliehenen Elektrowagen. Ein Zustand, den der Zweckverband so schnell wie möglich beenden möchte.
Der Landrat hat also gewissermaßen den Vorgang beschleunigt, ausgerechnet bei den Bremsen. Man habe sich mit dem Hersteller auf einen ambitionierten Zeitplan verständigt, in „vielen Gesprächen zusammen mit den Fachleuten und auch mit den Spitzen von CAF“, berichtete Roland Bernhard. Das war dann auch die gute Nachricht in der Sitzung des Zweckverbands Schönbuchbahn am Freitag. Die vom Bundesamt beanstandeten Mängel dürften bis Dezember behoben sein, und dann könnten die Züge fahren.
Getestet werden sie übrigens heute schon. Wie manche Bürger vielleicht schon bemerkt haben, gab es in dieser Woche bereits zwei nächtliche Testfahrten. Diese Übungen werden noch bis zum September andauern. Deswegen entfällt die Fahrt um 0.32 Uhr von Dettenhausen nach Böblingen, bis die neuen Züge da sind.
Derweil liegt der Ball beim Eisenbahn-Bundesamt. Es hat theoretisch vier Monate Zeit, einen Stempel auf die Genehmigung draufzumachen, was wiederum den Zeitplan erheblich verzögern könnte. Bernhard hofft, das Amt werde nicht einen komplett neuen Prüfvorgang einleiten, sondern nur die Nachbesserungen von Seiten der CAF unter die Lupe nehmen und diese Unterlagen wolle man sukzessive weiterleiten, sobald sie erstellt seien.
Wenn das funktioniert, dann könnten die Züge bis zum Jahresende zugelassen werden. Dann jedoch müssen die Lokführer drei Monate lang auf die neuen Fahrzeuge geschult werden, und erst dann, zum Fahrplanwechsel im Juni 2024 könnten die Züge aufs Gleis – unter optimalen Bedingungen, wie der Landrat betonte. Das eine oder andere Ausschussmitglied blieb auch skeptisch, ob der Zeitplan eingehalten werden kann.