Das Comeback-Konzert der Helga Pictures Die Band rockt, die Luft brennt

Von Bernd Haasis 

Das funky Power-Trio Helga Pictures, eine Stuttgarter Kult-Band der Neunziger, ist wieder da. Und kein bisschen aus der Zeit gefallen, wie das erste Konzert seit 25 Jahren gezeigt hat.

Wie man ihn kennt: Zam Helga am Freitag im Jazzclub 88 neben der Schorndorfer Manufaktur Foto: Veranstalter
Wie man ihn kennt: Zam Helga am Freitag im Jazzclub 88 neben der Schorndorfer Manufaktur Foto: Veranstalter

Stuttgart - Der Energiestrom zwischen den Musikern reißt keine Sekunde lang ab. Der Sänger und Gitarrist Zam Helga legt alles in seine Stimme, er schlägt vollmundige Akkorde und fein ziselierte Figuren aus den Saiten, malt große Gesten in den Raum wie ein Magier. Mit muskulösem Sound und figurenreichem Spiel gibt der druckvolle Bassist Dan Requart die Zugmaschine, und der Schlagzeuger Peter Kumpf legt mit ausdifferenzierten Rockbeats ein starkes Fundament auf seinen klanglich exzellent abgestimmten Trommeln und Becken.

Es ist der erste Auftritt der Stuttgarter Band Helga Pictures seit 25 Jahren. Drei Abende lang haben sie den Jazzclub Session 88 neben der Schorndorfer Manufaktur gebucht, um sich an zweien vor Publikum auf der Bühne zu testen und am dritten ihre Performance filmisch festzuhalten. Nach dem ersten Auftritt am Freitag steht fest: Diese Band klingt frisch und kein bisschen aus der Zeit gefallen, die Songs von damals – „Love is a Stranger“, „Where the Water flows“, „Lies“, „Skies of Paradise” - haben keine Patina angesetzt.

Dieses Comeback hat auf sich warten lassen

In den ganz frühen Neunzigern, kurz nach der Wende und einige Jahre vor dem Erfolg der Hip-Hop-Kolchose, waren erstmals zwei Stuttgarter Bands bundesweit in aller Munde, selbst im wiedervereinigten Berlin: Die Fantastischen Vier, die den Deutschrap erfanden und salonfähig machten, und die Helga Pictures, die bewiesen, dass elektrisierende Rockmusik angloamerikanischer Prägung auch in Deutschland möglich ist. Während die Fantas Popstars wurden und bis heute sind, scheiterten die Helgas 1994 an bandinternem Zwist. Das Comeback hat lange auf sich warten lassen, und nun sitzt nicht der Originaldrummer Florian Käppler hinterm Schlagzeug, sondern eben jener Peter Kumpf, dessen Spiel nichts zu wünschen übrig lässt; er trommelt sonst unter anderem bei der Stuttgarter Krautrock-Legende Anyone’s Daughter und in der Präzisionsmaschine des Möhringer Musical-Betriebs.

Sehr harmonisch wirkt dieses funky Power-Trio, und es rockt derartig, dass zwischendurch die Luft brennt und Zam Helga ganz außer Atem kommt. „Man sollte das ab 50 nur noch unter ärztlicher Aufsicht machen“, witzelt er, um schon im nächsten Moment wieder alles zu geben, jeden Silbe und jeden Gitarrenton mit Unbedingtheit aufzuladen. Alle noch so glaubwürdigen Gesten der Bescheidenheit und Demut verdecken nicht, dass dieser Künstler das Rockstar-Gen eines großen Performers in sich trägt – ihm zuzuschauen, macht einfach Spaß.

Alles scheint nun möglich

Neue Songs gibt es auch auch zu hören, und sie klingen natürlich ein wenig anders, aber die Handschrift bleibt deutlich erkennbar. „Bloodshot“ etwa ist eine zeitlose Uptempo-Nummer mit Monster-Groove und Ohrwurm-Potenzial. Nun eröffnen die Helga Pictures bei vier Konzerten der englischen Band New Model Army, am 26. Oktober in Stuttgart im LKA, außerdem in München (25.10.), Nürnberg (27.10.) und Frankfurt (30.10.). Dann scheint alles möglich, ein Album wäre der konsequente nächste Schritt. Und falls die Fantastischen Vier noch eine Vorgruppe für ihre Stuttgarter Stadionkonzerte bräuchten, hätten sie nun die Gelegenheit, an eine sehr spezielle Zeit zu erinnern, in der erstmals zwei Stuttgarter Band bundesweit in aller Munde waren.