Das Geschäft mit dem Gruselfest Aus Halloween wird Hallowahn

Von Nora Stöhr 

Kostüme, Kürbisse, Süßigkeiten: Halloween hat sich in Deutschland zu einem riesigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Die Hersteller von gruseliger Verkleidung und Schminke machen das größte Geschäft, und selbst Bauern profitieren.

Ja, Halloween ist zum Fürchten. Foto: AFP
Ja, Halloween ist zum Fürchten. Foto: AFP

Stuttgart - Wenn an diesem Freitag Gespenster und Hexen an den Türen Süßes fordern und mit Saurem drohen, dann gibt es rund um das Spektakel wieder viele Profiteure: Spielwarenhändler verkaufen Zombiekostüme, Süßwarenhersteller Monsteraugen aus Fruchtgummi, Freizeitparks verlängern mit diversen Aktionen ihre Saison. 200 Millionen Euro, so schätzt die Fachgruppe Karneval im Deutschen Verband der Spielwarenindustrie, werden hierzulande zu Halloween umgesetzt – quer durch mehrere Branchen. „Halloween war in Deutschland vor 20 Jahren noch relativ unbekannt. Nun ist es ein richtiger Wirtschaftsfaktor“, sagt Dieter Tschorn von der Fachgruppe Karneval.

Tschorn und seine Kollegen sind es auch, die für sich beanspruchen, den Halloweenkult nach Deutschland gebracht zu haben. Und diese Geschichte geht so: Im Jahr 1991 fiel in Deutschland der Karneval aus. Wegen des ersten Golfkrieges hatten die Narren keine Lust zu feiern und die Rosenmontagsumzüge in den Hochburgen Köln und Düsseldorf wurden abgesagt – mit extremen Auswirkungen auf die Spielwarengeschäfte. In deren Regalen blieben die Kostüme massenweise liegen. „Auch die Hersteller bekamen erhebliche wirtschaftliche Probleme“, erzählt Tschorn.

500 000 Kostüme werden jedes Jahr verkauft

So gründete sich die Fachgruppe Karneval mit der Idee, den Gruselbrauch aus den USA und Irland nach Deutschland zu importieren. „Wir wollten den geschäftlichen Misserfolg wieder wettmachen“, sagt Tschorn. Außerdem sah man in dem Fest das Potenzial, neben der Karnevalsaison ein zweites Standbein für Hersteller und Händler zu werden. Vier Jahre habe es gedauert, in denen Tschorn jedes Jahr Ende Oktober die Werbetrommel für das Fest rührte – „und dann wurde Ende der Neunziger aus Halloween Hallowahn.“

Vor allem diejenigen, für die die Aktion ursprünglich gedacht war, freuen sich über den Boom: die Kostümhersteller. Die Mitgliedsunternehmen der Fachgruppe – die etwa 70 Prozent des hiesigen Kostümmarktes vertreten – haben 2013 rund um den 31. Oktober knapp 30 Millionen Euro umgesetzt. So wurden hierzulande etwa 500 000 Kostüme, 110 000 Perücken und 200 000 Hüte verkauft. Hinzu kamen fast 850 000 Schminksets und fünf Millionen gruselige Accessoires. „Der größte Teil der Ware wird aus Fernost und Nordafrika importiert. Allerdings wächst in den letzten Jahren der Anteil aus Osteuropa“, berichtet Tschorn.

Im Europapark ist Halloween der Renner

Dass der Brauch untrennbar mit Kinderhorden verbunden ist, die von Tür zu Tür ziehen und Süßigkeiten sammeln, merken natürlich auch die Süßwarenhersteller. Wie die Marktforscher von AC Nielsen ermittelt haben, soll der Umsatz bei speziell für Halloween gestalteten Bonbons, Fruchtgummis & Co. in diesem Jahr bei gut fünf Millionen Euro liegen. Dies entspricht etwa 0,4 Prozent des Jahresumsatzes aller Süßwaren-Saisonartikel. Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie geht jedoch davon aus, dass der tatsächliche Umsatz mit den Leckereien deutlich höher liegen dürfte, da ein Großteil der verteilten Süßigkeiten keine spezielle Halloweenware ist.

Auch deutsche Freizeitparks machen ein gutes Geschäft mit Halloween. Der größte Vergnügungspark, der Europapark in Rust bei Freiburg, hat sein Gelände mit Hunderttausenden von Kürbissen, Äpfeln, Maisstauden und Strohballen geschmückt – und lockt seine Besucher seit 1998 mit Shows und Attraktionen rund um das Gruselfest. „Der Oktober hat sich mit der Einführung von Halloweenthemen zum besucherstärksten Monat nach dem August entwickelt“, berichtet Dominik Seitz vom Europapark.

Auch die Kürbis-Bauern freut’s

Und auch die deutschen Bauern freut’s – ist doch der ausgehöhlte Kürbis mit eingeschnitzter Fratze und Teelicht das Symbol des ursprünglich keltischen Festes. Von dem orangefarbenen Gemüse – früher als Arme-Leute-Essen gebrandmarkt – gibt es inzwischen etwa 800 Arten. Knapp 60 000 Tonnen Speisekürbisse wurden im Jahr 2013 in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes geerntet. Privathaushalte kauften allein vor Halloween 15 300 Tonnen davon.

Dennoch: Halloween hat hierzulande noch lange nicht die Bedeutung wie in den USA. Dort ist das Gruselfest in Sachen Kommerz neben Weihnachten einer der wichtigsten Bräuche. Die Amerikaner werden für Kostüme, Deko und Süßes laut dem US-Einzelhandelsverband NRF dieses Jahr insgesamt 7,4 Milliarden Dollar ausgeben. Davon ist man hier nach Einschätzung des Handelsverband Deutschland (HDE) noch weit entfernt. „Halloween liefert wichtige Impulse für den Handel, aber man darf es nicht überbewerten“, sagt Stefan Hertel vom HDE. Mit Ostern oder gar Weihnachten könne sich Halloween in Deutschland nicht messen.

 

Die Kinder feiern, die Eltern zahlen: ein Überblick

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