Ein Grund für den Erstbesuch jedenfalls ist gegeben: Für 3,2 Millionen Euro wurde die kleine Schwester der großen Ludwigsburger Residenz auf Hochglanz gebracht. Bei diesen umfangreichen Arbeiten hat man nicht nur unangenehme Entdeckungen gemacht – wie etwa die, dass das Holzgebälk des Dachstuhls fast komplett verfault war – sondern auch sehr erfreuliche: „Im Favorite sind noch Papiertapeten vorhanden, wie sie um 1700 Mode waren“, schwärmt die Konservatorin Patricia Peschel. „Das war nicht so einfach wie heute. Jede Tapete wurde handgedruckt.“
Freiheit vom höfischen Zeremoniell
Die Württemberger ließen sich diese Kunstwerke aus Frankreich schicken, ein Heer von Handwerkern passte sie dann vor Ort ein. Ein halbes Jahrhundert später aber hatte sich diese Mode überlebt. Nun mussten die Wände mit Stoffen bespannt werden. Also wurden die Tapeten zugehängt – und blieben so erhalten.
Wer bei der Bezeichnung Lustschlösschen durchaus an ein frivoles Treiben denken möchte, könne dies tun, meint Hörrmann. „Aber der Name leitet sich eher von Lustwandeln ab als von der Fleischeslust.“ Die Fürsten hätten sich gern in diese kleinen Nebenschlösschen zurückgezogen, weil sie hier nicht das ganz strenge Hofzeremoniell einhalten mussten, sagt Peschel. Anders als im Residenzschloss.
„Ein Lustschlösschen bot die Kulisse für die verschiedensten Ereignisse“, sagt die Konservatorin. „Wenn jemand ins Lustschloss zum Essen oder zum Tanz eingeladen wurde, war das ein besondere Auszeichnung.“ Bekannt ist, dass hier unter anderem auch einmal eine große Gesandtschaft des englischen Hofes empfangen wurde.
Rokoko-Kulisse für die Talkrunde „Nachtcafé“
Die meiste Zeit sei das 13-Zimmer-Schlösschen unmöbliert gewesen. Bei Bedarf mussten Diener alles Nötige herbeischleppen, sagt Hörrmann: „Manchmal für Ereignisse, die zwei Tage, manchmal für welche, die nur zwei Stunden dauerten.“ Weil das so war, hat die Schlösserverwaltung entschieden, die Räume auch jetzt ohne Mobiliar zu präsentieren. „Ein Lustschlösschen bot die Kulisse für die verschiedensten Ereignisse“, sagt Peschel.
Von den Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts an dann für plaudernde Gäste im „Nachtcafé“. „Es gab Lichtprobleme, und die Kameras hatten nur minimalen Bewegungsspielraum“, erzählt Wieland Backes. Am Anfang hätten alle nur die Probleme gesehen. „Ich glaube, wir waren viermal vor Ort, bis wir uns dann doch dafür entschieden haben“, sagt der einstige Moderator der Sendung: „Am Ende aber war es ein wunderbarer Background, und noch heute schwärmen alle von der Arbeit in diesem Schmuckstück.“
Trauungen im Lustschloss?
Was dieses Schmuckstück so besonders macht – abgesehen von den Papiertapeten – ist die Vielfalt der Stile: „Hier finden sich Elemente aus dem Rokoko neben Empire und Klassizismus“, sagt Hörrmann. Auffällig sei schon allein die Erschließung von außen: „So eine große Freitreppe gab es im Barock nicht, daran erkennt man den italienischen Einfluss“, sagt Hörrmann. Nachdem der Schlossbaumeister Donato Giuseppe Frisoni auch hier seine Ideen eingebracht hatte, durfte 100 Jahre später Goethes Zeitgenosse Nikolaus Friedrich von Thouret an die klassizistische Überarbeitung gehen.
Architektur- und Kunstinteressierte also werden den Weg ins wiederhergestellte Schloss leicht finden. Aber Hörrmann will ja, dass sie Leute ein zweites und drittes Mal kommen. Deshalb soll das Favorite auch ein Ort für Ausstellungen werden: Den Auftakt macht eine Schau mit Werken von Friedensreich Hundertwasser. Außerdem wird das Schlösschen für Trauungen in prunkvollem Rahmen geöffnet.