Das pflanzt Stuttgart 2024 Die Trends im Garten heißen Gemüse und Obst
Ein Besuch in Gartencentern und Gärtnereien in Stuttgart zeigt: Mediterranes steht hoch im Kurs und wild darf es sein. Die gute alte Geranie hat ausgedient.
Ein Besuch in Gartencentern und Gärtnereien in Stuttgart zeigt: Mediterranes steht hoch im Kurs und wild darf es sein. Die gute alte Geranie hat ausgedient.
Die Lust am Gärtnern steigt mit der Temperatur. Gewinnt der Frühling wie in den vergangenen Tagen richtig an Fahrt, herrscht auch in den Gärtnereien und Gartencentern in Stuttgart plötzlich Hochbetrieb. Doch welche Garten- und Balkontrends dominieren derzeit bei den Kunden? Wir haben uns umgehört.
Der Pflanzenhof von Rainer Hatt ist vielen in Vaihingen bekannt. Und wer ihn nicht kennt, weiß spätestens, wenn von der Straßenbahn in der Gartenanlage die Rede ist, wo sich die Gärtnerei befindet. Knallgelb steht die alte Strampe inmitten von farbenprächtigen Stauden, jungen Obstbäumen, Blumentöpfen oder dekorativen Steinfiguren.
Auf die Frage, wann sich ein Besuch in seiner grünen Oase lohnt, um mit Gartenfreunden ins Gespräch zu kommen, antwortet Hatt: „Kommen Sie am Samstag um elf, dann ist hier richtig was los.“ Womit er Recht behalten soll. Fast scheint es am Samstagvormittag so, als ob die Kunden der wunderschön angelegten Gärtnerei hier nicht nur einkaufen, sondern zwischen all der Blütenpracht auch ganz einfach ein wenig lustwandeln.
Eine junge Familie hat sich auf den kleinen Handwagen, den man hier zum Transport seines Einkaufs bekommt, verschiedene Nutzpflanzen geladen: „Wir suchen Gemüse wie Tomate und Gurken und Erdbeeren“, sagt die 36-jährige Vaihingerin. Die Familie besitze einen mittelgroßen Balkon, wie die Frau erklärt. Dort soll der zweijährige Sohn nun miterleben können, wie die Pflanzen über den Frühling und Sommer hinweg gedeihen und dann geerntet werden.
Ein paar Meter weiter, bei den Obstbäumchen und Hecken, sucht eine Mitfünfzigerin nach Ersatz für ihre Buchsbäume, die – wie fast überall in Europa – der Invasion des Buchsbaumzünslers zum Opfer gefallen sind. „Den Zünsler habe ich nicht in den Griff bekommen“, erzählt die Frau. Nun werden sie herausgerissen und ersetzt. „Heckenmyrthe oder Hibiskus wären Alternativen“, sagt die Stammkundin des Pflanzenhofs.
Fragt man den Chef, einen ausgebildeten Baumschulisten, was derzeit bei seinen Kunden im Trend liegt, bekommt man eine ziemlich ausführliche Antwort: „Das Wichtigste zuerst: Die Leute kaufen einjährige Gemüsepflanzen, Gewürze und Kräuter.“ Und das „ohne Ende“, sagt Rainer Hatt.
Warum das so ist, weiß der 56-Jährige, der am Samstag praktisch ununterbrochen in Kundengesprächen steckt, auch: „Viele misstrauen inzwischen der Lebensmittelindustrie und wollen ihr Gemüse möglichst selbst anbauen.“ Zur richtigen Jahreszeit schmackhafte Tomaten essen, darauf komme es den Kunden an. „Und die Erdbeere ist von allen das gesündeste Obst“, schwärmt er.
Der zweite Trend seien Obstbäume aller Art: Beerenobst, Steinobst, Kernobst, Schalenobst. „Auch wer zur Schattierung seines Gartens einen Baum sucht, greift heute häufig zu Obstbäumen.“ Zudem fragten die Kunden Mediterranes wie Oliven nach. In solchen Fällen komme es aber schon mal vor, dass Hatt in der Beratung eine „Kehrtwende“ einleite, wie er sagt. Der Kunde gehe dann manches Mal statt mit einem Olivenbaum mit einer Weidenblättrigen Birne nach Hause: Die sei nicht nur heimisch, sondern sehe äußerlich bei Blatt und Holz ähnlich aus. „Nur ist sie nicht immergrün“, sagt der der 56-Jährige.
Dass es einen Trend zum mediterranen Garten gibt, bestätigt auch Alexandra Bohn: „Wir verkaufen sehr viel Zitruspflanzen und Olivenbäumchen“, so die Mitarbeiterin beim Pflanzencenter Haag in Möhringen. Wie in Vaihingen seien auch hier zudem Kräuter ein Verkaufsschlager. Bohn hat den Eindruck, dass sich viele Kunden des Gartencenters zunehmend selbst versorgen wollen – so weit es eben geht und der Garten oder Balkon es zulässt.
Auch bei den Zierpflanzen heißt der Trend tendenziell „zurück zur Natur“, sagt Bohn. Es gehe wilder zu als früher: mehr Stauden, mehr Kleinblütriges wie Minipetunien, Husarenknopf oder Scheinmyrthe. Alles Großblumige scheine ein wenig aus der Mode gekommen – inklusive der guten alten Balkongeranie.