Das Remstal und seine Stars „Wir Schwaben sind das Vaterländle des Fußballs“

Auch Giovanni Trapattoni ist ein Teil der regionalen Fußballgeschichte gewidmet. Foto:  

Von Rangnick über Löw bis Daum: Der Sportkolumnist Oskar Beck hat in seinem neuen Buch auch die fußballerische Remstalhistorie im Blick. Weshalb die Lektüre lohnt.

Ralf Rangnick ist Backnanger, war kurz in verantwortlicher Position beim VfB und ist jetzt Teamchef der österreichischen Nationalmannschaft. Christof Daum, Meistertrainer beim VfB, hat nicht nur in Endersbach gewohnt, sondern dort am Stammtisch intensiv den Kontakt mit weinaffinen Fußballfans gepflegt. Karl Allgöwer und Hansi Müller leben noch immer im Rems-Murr-Kreis wie einst der Ex-Bundestrainer und Ex-Strümpfelbacher Jogi Löw. Mit dem früheren VfB-Chef Bernd Wahler aus Schnait oder dem einst in Großheppach in einer Prachtvilla am Weinbergrand ansässigen Rangnick-Intimfeind Krassimir Balakov, dem kongenialen Partner im magischen Dreieck mit dem damals fest in Winterbach verwurzelten Giovane Elber, blickt das Remstal auf eine ansehnliche Auswahl an Fußballprominenz zurück.

 

Der Autor Oskar Beck ist mitten im Remstal aufgewachsen

Sportkolumnist Foto: red

Wer so alles aus der Fußballszene im Remstal und Umgebung gespielt und vor allem gewohnt hat, wird im neuen Buch „Tor in Stuttgart“ deutlich, bestückt mit Geschichten des Sportkolumnisten unserer Zeitung Oskar Beck – selbst aufgewachsen in Endersbach, also mitten im Remstal. Da zeigt sich unterhaltsam, wie aus seinen Kolumnen gewohnt, dass rein fußballhistorisch jenseits von Stuttgarter Auftritten eines Messi, Pelé oder Trapattoni zwischen Jogi Löw in Weinstadt und dem Backnanger Ralf Rangnick noch einiges mehr im Rems-Murr-Kreis verortet ist, als bisher im gemeinen Fußballbewusstsein verankert.

Daum, der Dauergast in der Weinstube

Christoph Daum wohnte einst in Endersbach. Foto: dpa/Bernd Thissen

Christoph Daum „war kein Gewöhnlicher“ schreibt Oskar Beck trocken, sondern – da wird’s sprachlich süffisanter – „ein genial Wahnsinniger“. Wie könnte es auch anders sein, schließlich hat der Meistertrainer des VfB und spätere Drogensünder so manche seiner Inspirationen am Stammtisch in der Endersbacher Weinstube Muz erfahren. Gerade mal gut 50 Meter entfernt übrigens vom Elternhaus Oskar Becks. Daums Wirken vom Remstal aus in die weite Fußballwelt? „Klein ist der Schritt vom Messias zum Spruchbeutel“, habe die Stuttgarter Zeitung einst gebruddelt, schreibt Beck. Die nachfolgende Wahrheit beim VfB anno 1992: „Noch kleiner ist der Schritt vom Abstiegskandidaten zum Deutschen Meister.“ Was blieb vom Startrainer? In der Anekdotensammlung zum Beispiel die Geschichte einer legendären Taxifahrt des fußballpädagogischen Stehaufmännchens. Daum: „Los!“ Fahrer: „Wohin?“ Daum: „Egal, ich werde überall gebraucht.“ Noch nicht so lange her ist die knackige Antwort des Mannes mit der kokainhaltig-wilden Frisur auf die Frage nach einem Nachfolger für denn Ex-Strümpfelbacher Löw: „Klopp oder Rangnick.“

Ralf Rangnick, der regional Missverstandene

Ralf Rangnick war unter anderem bei Victoria Backnang. Foto: dpa/Christian Charisius

Das mit Ralf Rangnick, dem Taktikguru aus aus dem sportlich sonst eher unauffälligen Norden des Rems-Murr-Kreises, so schreibt Oskar Beck im entsprechenden Kapitel der regionalen Sportgeschichten, sei wiederum, was den VfB angehe, eine Art endloses Missverständnis. Beispiel? Ronaldo! Der VfB-Mananger Dieter Hoeneß hatte Sportscout Rangnick nach Brasilien geschickt, um einen talentierten 17-Jährigen zu beobachten. Beim Trikottausch mit dem VfB-Mann verkündete das damalige Zahnspangenmonster Ronaldo, es wäre ihm eine Ehre, womöglich für die Stuttgarter zu kicken. „Ich habe zu Hoeneß gesagt: Überfallen Sie zur Not eine Bank, aber kaufen Sie ihn“, zitiert Autor Beck die Erinnerungen Rangnicks. Der VfB war aber zu sparsam: Die sechs Millionen fürs spätere „El Fenomeno“ hat damals dann der PSV Eindhoven investiert.

Als „Stuttgarter Sportreporter-Legende“ adelt nun im Klappentext sein Verlag den einstigen Kleinheppacher Aushilfstorwart Oskar Beck. Er biete mit der Geschichtensammlung ideale Unterhaltung zur Einstimmung auf die Stuttgarter Spiele der Fußball-EM 2024. Dessen Einordnung der Region in die Fußballwelt: „Wenn England das Mutterland des Fußballs ist, sind wir Schwaben das Vaterländle.”

Oskar Beck: Tor in Stuttgart. Fußballgeschichte(n), 144 Seiten, 29 Euro, www.localglobal.com/bookshop

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