Das Verhältnis VfB und SC Freiburg Bloß das kleine Derby

Von (Stuttgart)/ Michael Dörfler (Freiburg) 

Ein bisschen Neid, aber auch ganz viel Zuneigung: Nach sechzig Jahren Landesgeschichte bestimmt das das Verhältnis zwischen den beiden Fußballvereinen.

  Foto: dapd
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Stuttgart/Freiburg - Niemals zuvor sind sich die Fans des SC Freiburg und des VfB Stuttgart so einig gewesen wie an jenem nebligen Novembersamstag des Jahres 1998. Im Dreisamstadion spielten beide Mannschaften gegeneinander, der Gastgeber gewann mit 2:0 – doch die Hauptperson saß auf der Stuttgarter Trainerbank und hieß Winfried Schäfer. Jahrelang war er zuvor beim Karlsruher SC tätig, dem Feindbild beider Fanlager, und so stimmten sie gemeinsam kräftige Schmähgesänge auf den damaligen VfB-Coach an.

Es sind nicht die Südbadener aus Freiburg, sondern die Nordbadener aus Karlsruhe, an denen die Stuttgarter Fans ihr baden-württembergisches Rivalitätsdenken auf besonders leidenschaftliche Weise ausleben. „Spiele gegen den KSC sind die richtigen Derbys, Spiele gegen Hoffenheim gar keine Derbys, Spiele gegen Freiburg kleine Derbys“, so umschreibt der VfB-Manager Fredi Bobic die Stimmungslage in der Landeshauptstadt – und käme nur im äußersten Notfall auf die Idee, einen Spieler aus Karlsruhe engagieren.

Fachkräfte aus Freiburg dagegen sind in Stuttgart durchaus gern gesehene Mitarbeiter. Joachim Löw zum Beispiel ist von den Fans jüngst zum beliebtesten VfB-Trainer aller Zeiten gewählt worden; und dass der Abwehrspieler Martin Spanring in Stuttgart nicht glücklich wurde, lag weniger an seiner Herkunft, sondern vielmehr an seinen Schwächen im Aufbauspiel (und womöglich auch an seiner Gelfrisur und dem ausgeprägten Sinn für Mode, die nicht so richtig passten in die Heimat der Schaffer und Häuslebauer).

Eigentlich mögen sie beim VfB den SC Freiburg ganz gerne

Niemals wären bei VfB-Spielen gegen Freiburg die Reiterstaffeln und Einsatzhundertschaften notwendig, deren es bedarf, um die sogenannten Risikospiele zwischen Stuttgart und Karlsruhe über die Bühne zu bringen. Kein VfB-Fan käme auf die Idee, einen SC-Anhänger zum Duell herauszufordern, nur weil der ein Freiburg-Trikot trägt. Und wenn Fredi Bobic neulich davon sprach, es sei „eh wurscht“, wenn der SC in die zweite Liga absteige, dann war dies nicht despektierlich, sondern eher anerkennend gemeint.

Denn eigentlich mögen sie beim VfB den SC Freiburg ganz gerne und beneiden ihn manchmal sogar ein bisschen dafür, dass es dort viel lockerer zugeht und die Welt nicht einstürzt, wenn ein, zwei Spiele verloren werden. Und zumindest insgeheim drücken die VfB-Fans dem kleinen Bruder die Daumen, auf dass der auch nächstes Jahr in der Bundesliga spiele. Sehr ungern jedenfalls würden sie darauf verzichten, einmal im Jahr durchs Höllental Richtung Freiburg zu fahren und vor dem Anpfiff badische Schäufele auf dem Münsterplatz zu essen. Dem Rivalen aus Karlsruhe dagegen würde ein echter VfB- Fan auch dann noch den Abstieg wünschen, wenn der Club aus Nordbaden bereits in der Bezirksliga angekommen wäre.

Und so ist einst die Verpflichtung des Ex-KSC-Trainers Winfried Schäfer als riesiges Missverständnis in die VfB-Geschichte eingegangen. Kurz nach jenem Novembersamstag 98 wurde er entlassen – und es konnte Schäfer auch nicht retten, dass er nicht in Karlsruhe geboren wurde, sondern in Mayen in der Vulkaneifel.