Das Wetter im Februar Der Winter hat sich selbst ausgetrieben

Nur wenn es über Tage  kalt genug ist, bilden sich am Neidlinger Wasserfall  lange Eiszapfen.Im Februar ist das der Fall gewesen. Foto: Horst Rudel
Nur wenn es über Tage kalt genug ist, bilden sich am Neidlinger Wasserfall lange Eiszapfen.Im Februar ist das der Fall gewesen. Foto: Horst Rudel

Der Februar bescherte eine weiße Fasnet, schneeglatte Straßen, und die klirrende Kälte sorgte an manchen Orten für besonders bizarre Naturschauspiele.

Göppingen: Corinna Meinke (com)

Kreis Esslingen - Anstelle von weißen Weihnachten hat der Winter diesmal dem Kreis Esslingen eine weiße Fasnet beschert. Nur schade, dass die Coronapandemie dem närrischen Volk den Auftritt komplett versemmelt hat. Denn wegen des Versammlungsverbots konnten all die Narren und Hästräger ihren ureigenen Auftrag nicht so recht erfüllen, denn der sieht vor, dass mit lautem Rasseln und Schellenklang und bisweilen auch mit Peitschenknallen und Rufen dem Winter der Garaus gemacht wird.

So einen schneereichen Winter bis in den Februar hinein haben vor allem viele Kinder noch nie erlebt, denn vom 9. bis zum 19. des Monats Februar lag vielerorts eine Schneedecke mit einer maximalen Höhe von sieben Zentimetern, das meldet Andreas Pfaffenzeller vom Deutschen Wetterdienst (DWD) Stuttgart.

Skulptur aus Eiszapfen

Zeitweise schneite es so beständig, dass die weiße Pracht den Autofahrern vor allem frühmorgens an Gefällstrecken eine schneeglatte Fahrbahn und den Mitarbeitern der Straßenmeistereien Einsätze rund um die Uhr bescherte. Wohl dem, der an diesen Tagen sein Fahrzeug stehen lassen konnte, weil er oder sie sowieso im Homeoffice arbeitete.

Die freie Zeit nutzten dann viele für Ausflüge zum nächsten Schlittenhang, für Schneeballschlachten und Spaziergänge durch die weiße Winterwelt. Die klirrende Kälte belohnte bei Neidlingen mit einem besonderen Naturschauspiel, das längst nicht jedes Jahr zu bewundern ist. Die frostigen Temperaturen, die tagelang anhielten, verwandelten den dortigen Wasserfall in eine Skulptur aus lauter Eiszapfen. Kaum zu glauben, aber nach den Erkenntnissen der Stuttgarter Meteorologen erwies sich der Februar als zu warm, zu nass und als überdurchschnittlich sonnig, das habe der Vergleich zur Periode der Jahre 1991 bis 2020 ergeben, teilen die Wetterfachleute mit. Mit einer Mitteltemperatur von 4,6 Grad war der Februar demnach um 1,7 Grad zu warm, während das Monatsmittel vom Februar in diesen früheren Jahren lediglich 2,9 Grad betrug. Der bisher wärmste Februar wurde übrigens im Jahr 1990 mit einer Mitteltemperatur von 7,6 Grad gemessen.

An drei Tagen neue Rekordwerte

Aber noch einmal zurück zu den Narren und ihrem Auftrag, den Winter auszutreiben: Dieser Februar beweist, wie schnell mildere Temperaturen einziehen können. Gleich an drei Tagen wurden neue Rekordwerte gemessen: Solche Tagesrekorde gab es am 22. Februar mit einer Höchsttemperatur von 16,8 Grad (Spitzenreiter war bisher der 22. Februar 1966 mit 15,6 Grad), außerdem der 23. Februar mit 19,2 Grad (bisher 23. Februar 2017 mit 18,6 Grad), und schließlich toppte der 25. Februar alle bisherigen Werte mit einer Höchsttemperatur von 20,8 Grad – und das gute drei Wochen vor dem kalendarischen Frühlingsanfang. Damit ist der bisherige Spitzenreiter, der 25. Februar im Jahr 1990, mit 19,1 Grad Geschichte.

Februar war zu nass

Und für alle, die statistische Daten sammeln: Die tiefste Temperatur betrug in den Frühstunden des 12. Februar minus 11,5 Grad. Insgesamt gab es neun Frosttage (im Durchschnitt 14 Tage) und fünf Eistage (im Durchschnitt drei Tage). Genau 124,5 Stunden lang schien die Sonne, das sind 134 Prozent des vieljährigen Mittels und entspricht nach Angaben der Meteorologen Platz acht seit Aufzeichnungsbeginn. Am 28. Februar schien die Sonne mit 10,1 Stunden am längsten, genauso lang wie zum Monatsrekord vom 27. Februar 2000 und 28. Februar 2005, teilt der DWD mit.

Mit einer Monatssumme von 48,8 Millimeter, das entspricht 128,4 Prozent, war der Februar zu nass. Der höchste Februarniederschlag wurde bereits im Jahr 1958 mit 107 Millimeter, das entspricht Litern pro Quadratmeter, registriert. Und gleich der erste Tag des Monats war auch der niederschlagreichste mit 15,1 Millimeter.




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