Datenpanne in Nordirland Katastrophenstimmung unter Nordirlands Polizisten
Durch einen falschen Knopfdruck sind in Nordirland die Namen und Arbeitsbereiche von Polizisten an die Öffentlichkeit gelangt – eine Panne, die böse Folgen haben kann.
Durch einen falschen Knopfdruck sind in Nordirland die Namen und Arbeitsbereiche von Polizisten an die Öffentlichkeit gelangt – eine Panne, die böse Folgen haben kann.
Panik hat unter Nordirlands Polizisten und ihren Familien diese Woche die versehentliche Enthüllung der Namen aller Polizeibeamten und Mitarbeiter des nordirischen Polizeidienstes (PSNI) ausgelöst. Aus Angst vor Anschlägen durch Terrorgruppen hatten viele Polizisten ihre Zugehörigkeit zum PSNI bisher für sich behalten – vor allem Beamte, die im Überwachungsbereich und in der Anti-Terror-Abteilung des Dienstes tätig sind.
Als „monumental“ bezeichneten der Polizeiverband Nordirlands und Politiker aller Parteien die Panne, die gefährliche Folgen nach sich ziehen könnte. Zu der Enthüllung war es gekommen, als ein Mitarbeiter der Polizei auf eine Anfrage nach der Gesamtzahl nordirischer Polizisten nicht nur per Mail mit dieser Zahl antwortete, sondern die interne Tabelle mit allen Namen beifügte, die hernach drei Stunden lang im Internet stand.
Außer den Nachnamen und Initialen der Betroffenen enthielt die Tabelle auch deren Ränge, Einsatzorte und ihre Arbeitsbereiche. Nicht enthalten waren lediglich die Privatadressen. Aber auch so müssten viele Polizisten nun „in Angst leben“, meinte dazu die Vorsitzende der Allianz-Partei und frühere nordirische Justizministerin Naomi Long. Viele Beamte würden sich überlegen müssen, ob sie ihren Job überhaupt weiter ausüben könnten.
In der Tat finden sich Nordirlands Polizisten – vor allem Beamte aus der irisch-katholischen Bevölkerung – bis heute in einer prekären Lage. Manche halten ihren Beruf oder ihre spezielle Aufgaben beim PSNI selbst im weiteren Familienkreis geheim. Aus gutem Grund. Während der nordirischen Unruhen, der „Troubles“, wurden 302 Polizisten getötet. Seit dem Friedensschluss von 1998 haben republikanische Dissidenten, die den Frieden nicht anerkennen, weiter Jagd auf Polizeibeamte gemacht, die für sie den verhassten britischen Staat repräsentieren. Mehrfach hat es in den vergangenen 25 Jahren bewaffnete Überfälle und Bombenanschläge auf Polizisten gegeben. Zuletzt wurde im Februar dieses Jahres in der Stadt Omagh ein prominenter Chefinspektor nach einem Fußballspiel mit Kindern durch Schüsse lebensgefährlich verletzt.
„In den falschen Händen“ könnten die jetzt veröffentlichten Listen „ungeheuren Schaden“ anrichten, klagte der Bund nordirischer Polizisten. Vize-Polizeipräsident Chris Todd räumte ein, dass die Datenpanne „gewaltige Sorge“ ausgelöst habe unter seinen Leuten – zumal in Nordirland die Terror-Alarmstufe im März wieder auf „severe“ erhöht wurde, was bedeutet, dass mit einem Anschlag jederzeit gerechnet werden muss.
Zudem hat im ganzen Vereinigten Königreich Betroffenheit ausgelöst, dass das Wählerverzeichnis des Landes – mit den Namen von über 40 Millionen Wahlberechtigten – „in die falschen Hände“ geraten ist. In diesem Fall handelte es sich um kein Versehen, sondern um einen Cyberangriff, den nach Überzeugung britischer Geheimdienst-Experten wahrscheinlich russische Hacker verübt haben, womöglich im Auftrag des Kreml.
Über den Datendiebstahl alarmierte der Wahlausschuss diese Woche die Öffentlichkeit, nachdem der Hackerangriff ein volles Jahr lang unbemerkt geblieben war und der Ausschuss in der Folge zehn Monate lang zu dem Vorfall geschwiegen hatte. „Zugänglich“ geworden seien den „feindseligen Akteuren“ offenbar die Namen all derer, die von 2014 bis 2022 im Vereinigten Königreich wahlberechtigt waren, erklärte der Wahlausschuss (die oberste Wahlbehörde) betreten im Nachhinein. Die Verzögerung bei der Bekanntgabe des Vorfalls entschuldigte der Ausschuss mit der Notwendigkeit, erst einmal die Situation abzuklären und dann mit Hilfe der Internetexperten der eigenen Geheimdienste neue Sicherheitsvorkehrungen einzuführen.