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David August im Wizemann Eine Bühne ist eben kein Studio

Von Daphne Demetriou 

Beim Auftritt des Musikproduzenten und DJs David August in Stuttgart warten die Zuhörer im fast ausverkauften Wizemann vergeblich auf einen musikalischen Höhepunkt - ebenso wie auf eine Zugabe.

David August entsteigt im Wizemann einer Dampfwolke. Was folgt, ... Foto: Daphne Demetriou 3 Bilder
David August entsteigt im Wizemann einer Dampfwolke. Was folgt, ... Foto: Daphne Demetriou

Stuttgart - Bevor die Stuttgart-Show von David August beginnt, läuft die Nebelmaschine auf der Bühne im Wizemann auf Hochtouren. Das technische Equipment und die Instrumente versinken fast vollständig in weißem Dampf.

Im Rahmen seiner Europe 2018 Tour stellt David August am Dienstagabend knapp 500 Zuhörern sein Liveset vor. Der Endzwanziger hat bereits eine erfolgreiche musikalische Historie vorzuweisen. Zwölf EPs, ein Debütalbum und unzählige Remixes hat David August bereits veröffentlicht. 2010 landete er mit dem Lied „Moving Day“ auf seiner Debüt-EP „Instant Harmony“ einen internationalen Hit und erreichte erste Bekanntheit in der elektronischen Musikszene.

Sein Portfolio ist authentisch, mutig und lässt sich von keinem Genre eingrenzen. Mit seinen Liedern produziert er detaillierte Klangwelten, die den Zuhörer mit auf eine musikalische Reise nehmen. Um die Tiefgründigkeit seiner Musik auf die Bühne zu übertragen, spielt August nicht nur ein DJ-Set, sondern konzipiert eine umfassende Liveshow mit Lichteffekten und Nebel en masse.

Phantom der Kunstnebeloper

Wie ein Phantom entsteigt er dem Dampf. Strahler beleuchten die Bühne so, dass nur Augusts Umrisse zu erkennen sind. Gewohnt langsam und mit sphärischen Klängen baut der DJ sein Set sukzessiv auf. Introvertiert und fokussiert bewegt er sich hinter seiner Festung aus Equipment und Instrumenten. Seine ausgeklügelte Lichtshow ist aufgrund der eingeschränkten Sicht leider nur den Gästen in den ersten Reihen vorbehalten und so beschränkt sich seine Show für den Rest der Zuhörer ausschließlich auf das Liveset.

August singt, improvisiert auf der Gitarre oder am Keyboard und reizt mit seinen Klangbildern in einigen Liedern die Stressgrenze aus. In den Pausen zwischen den Liedern gibt es Applaus. Er lässt sich durch diese Reaktion aus dem Publikum nicht aus seinem Tunnel bringen. Während der kreative Aufbau in seinen Aufnahmen immer funktioniert, geht er auf der Bühne bei einigen Songs daneben. Auch seine Liebe zum Detail verliert sich durch einen undifferenzierten Sound im Raum.

Ganz schön unflexibel

David August kreiert an diesem Abend sicherlich ein paar besondere Momente, der große Höhepunkt aber bleibt aus. Seine Show wirkt dadurch trotz Livemusik und Lichteffekten eindimensional und wird seinen EPs und dem Album nicht gerecht. Seine Zuhörer feiern ihn dennoch. Nach gut 90 Minuten bedankt sich August bei seinem Publikum mit einem schüchternen Winken für den Applaus und verlässt die Bühne.

Eine Zugabe spielt er nicht. Einem Künstler, dessen Show von Improvisation lebt, könnten böse Stimmen hier vorwerfen: ganz schön unflexibel.

 

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