Debatte über Kinderarmut Ehrenwert – doch fragwürdig
Abstrakte Debatten über Gerechtigkeit, die nicht das tatsächliche Geschehen abbilden, führen nicht weiter, meint unser Redakteur Mathias Bury.
Abstrakte Debatten über Gerechtigkeit, die nicht das tatsächliche Geschehen abbilden, führen nicht weiter, meint unser Redakteur Mathias Bury.
Stuttgart - Kinderarmut zählt zu den drängendsten gesellschaftlichen Problemen der Gegenwart. Dass die Sozialpolitik dieses Thema besonders im Blick hat, ist richtig, schließlich sind gute Lebensverhältnisse von Kindern das A und O für ihre künftige Entwicklung.
Diese Tatsache führt offenbar dazu, dass manche Institutionen oder Organisationen es für geboten halten, in der Öffentlichkeit stets einen möglichst hohen Anteil von Kindern auszuweisen, die in Armut leben. Auf diese Weise lässt sich Druck auf die Politik ausüben, mehr zu tun. So weit, so gut.
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Der Begriff der relativen Armut ist dafür besonders tauglich. Nur ist dieser derart pauschal, dass er sich zwar für abstrakte Gerechtigkeitsdebatten eignet, das tatsächliche Geschehen aber nicht abbildet. Ob negative oder positive Entwicklung: Alles ist getaucht in das gleiche Grau-Schwarz.
Das hat Folgen, die auch nicht wollen kann, wer auf mehr soziales Engagement des Staates pocht. Es entsteht der Eindruck, dass die öffentliche Hand tun kann, was sie will, zum Besseren wendet sich doch nichts. Mag der Einsatz auch bei Weitem nicht reichen: Diese Sicht ist dennoch falsch.
Das zeigt auch das Beispiel Stuttgart, wo etwa mit Bonuscard und Familiencard, um nur zwei Leistungen zu nennen, Spürbares für Familien mit Kindern getan wird. Wer solches nicht anerkennt, leistet einen Beitrag zur Delegitimierung der Politik, mögen die Absichten auch noch so ehrenwert sein.