Nein, beim Froschkuttelessen im Riedlinger Rathaus (Landkreis Biberach) am Dienstag dürfen keine Frauen mitmachen und auch für Journalistinnen wird dabei keine Ausnahme gemacht – so machte es die Narrenzunft Gole am Wochenende deutlich und zog damit massive Kritik des Deutschen Journalistenverbands Baden-Württemberg auf sich. „Abgesehen von der Frage, ob eine solche Einteilung in binäre Geschlechtsidentitäten heute überhaupt noch zeitgemäß ist, muss zumindest für die journalistische Berichterstattung über solche Veranstaltungen gewährleistet werden“, erklärte der DJV-Geschäftsführer Gregor Schwarz am Sonntag. Ein Politikum auch deshalb, weil sich hier traditionell Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeigt.
Von einer „Einschränkung der Pressefreiheit“ spricht der DJV sogar. Der örtliche Narrenverein sieht das traditionsgemäß anders. Das historische Rollenspiel, „nicht bös’ oder negativ“ gemeint, solle nicht durch Ausnahmen verwässert werden, erklärte Zunftmeister Thomas Maichel.
Doch welches Bild vermitteln die Narrenvereine in Baden-Württemberg, schließlich ist Riedlingen kein Einzelfall. Auch andernorts werden die Frauen ausgeschlossen. Passt das in eine moderne Welt?
Zu dieser Frage äußert sich nun auch die Vereinigung Schwäbisch-Allemannischer Narrenzünfte, ein Zusammenschluss von 68 Narrenzünften. „Beim Riedlinger Froschkuttelessen sind es die Frauen, die als „Weiber von der Stadt“ die Türen des Rathauses versperren“, erklärt Paul Martin, Schriftführer der Vereinigung. Es gebe eine klare Aufgabenteilung. Wegen der Absperrung müssten die Herren schließlich auch eine Rutsche nach draußen nehmen. „Ein wahrlich närrisches Spektakel“, sagt Martin. Die Geschlechtertrennung sei Teil des Schauspiels. Außerdem verweist er auf das parallel stattfindende Froschkuttelessen der Frauen im Gasthaus Hirsch vor Ort. Durch Außenstehende wolle man sich das „Unter-sich-Sein“ nicht nehmen lassen.
Männer als Hexen und „Weiber“, die das Rathaus stürmen
Männer unter Hexenmasken oder „Weiber“, die das Rathaus übernehmen, wo sonst der meist männliche Bürgermeister an der Spitze steht. „Männer tragen Frauenkleider, Frauen schlüpfen in Männerrollen“, erklärt Paul Martin für die Narrenvereinigung. Das gehöre dazu.
Aber auch das bewusste Betonen des eigenen Geschlechts sei Teil der Fasnet. Frauen in Krankenschwester-Kostüme oder unterwegs als Funkenmariechen – Männer in Ritterrüstung oder unterwegs als Cowboy, so das Bild auf vielen Straßen. „Zur Fastnacht gehört schlicht das Spiel mit den Geschlechterrollen“, sagt Martin. Um dies zu verstehen, müsse man der Herkunft der Fasnet auf den Grund gehen. Es handle sich um ein „katholisches Schwellenfest“, also die Zeit vor der einst besonders strengen Fastenzeit. „Genauso unerwünscht wie das Fleisch war aber auch die Fleischlichkeit“. Die Sexualität gehöre als „Überzeichnung“ dazu. Damit stünde die besondere Zeit im Kontrast: „Da ist es eben auch ein Gegenstück zum Alltag, wenn Männer und Frauen – sonst beim Essen paarweise vornehm und dementsprechend gezügelt beinander – an Fastnacht einmal in getrennten Wirtschaften jeder für sich auf den Putz hauen.“