Debatte um Legalisierung Kommt der Joint bald aus der Apotheke?
Der Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) brachte jüngst Apotheken als mögliche Cannabis-Abgabestellen ins Spiel. Wie Apotheker darauf reagieren.
Der Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) brachte jüngst Apotheken als mögliche Cannabis-Abgabestellen ins Spiel. Wie Apotheker darauf reagieren.
Filder - Obwohl sich während des Wahlkampfs 2021 alle Parteien der neuen Ampelkoalition für eine kontrollierte Abgabe von Cannabis an Erwachsene zu Genusszwecken ausgesprochen haben, wurde es in jüngster Zeit wieder ruhig um das Thema. Vor Kurzem hat der amtierende Bundesjustizminister, Marco Buschmann (FDP), nun die rund 19 000 Apotheken in Deutschland als Abgabestellen für die berauschende Pflanze ins Spiel gebracht. Das ist insofern nicht abwegig, weil Apotheken jetzt schon Patienten mit chronischen Schmerzen mit medizinischem Cannabis versorgen.
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Der Minister begründet seinen Vorstoß damit, dass ein geschultes Verkaufspersonal Auskünfte über die Produkte erteilen und riskantem Cannabiskonsum, insbesondere bei erkennbar Suchtkranken, entgegenwirken könne. Die Landesapothekerkammer Baden-Württembergs (LAK) ist dem Vorschlag des Ministers gegenüber nicht ganz verschlossen. Zuerst würde aber im Raum stehen, ob Cannabis legalisiert wird. Dies sei eine Entscheidung, die die Gesellschaft und Gesetzgeber treffen müssten, heißt es von Seiten des LAK.
„Falls es zu einer Legalisierung von Cannabis kommt und Apotheken künftig Cannabis zu Genusszwecken abgeben sollen, sind wir selbstverständlich gesprächsbereit“, teilt die Pressesprecherin der LAK, Katina Lindmayer, mit. „Es muss aber eine Lösung gefunden werden, die den Besonderheiten von Cannabisprodukten insbesondere unter Qualitäts- und Sicherheitsaspekten Rechnung trägt.“ Dr. Martin Braun, Präsident der LAK, gibt außerdem zu bedenken, dass „schon derzeit Medizinalcannabis unter strengen Auflagen in Apotheken auf ärztliche Verschreibung abgegeben wird, allerdings als Arznei- und nicht als Genussmittel“, sagt er. „Jede Apotheke muss dann letztendlich für sich selbst entscheiden, wie sie im Falle einer Legalisierung mit der gesamten Thematik umgeht.“
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Hört man sich bei Apotheken auf der Filderebene um, so teilen sie die Aussagen der Landesapothekerkammer weitgehend. Hans-Ulrich Sick von der Apotheke am Rathaus in Filderstadt zum Beispiel sieht vieles genauso wie die LAK. In dieser Apotheke konnte man bis vor Kurzem noch Cannabis für medizinische Zwecke erwerben. Täglich kamen im Durchschnitt bis zu fünf Patienten in die Apotheke, um ein Rezept für das verschreibungspflichtige Schmerzmittel einzulösen. Diesen Geschäftszweig musste der Apotheker aber im März 2021 aufgeben. „Wir wollen das auch wieder aufleben lassen, aber seitdem die Pandemie herrscht und wir sowohl testen als auch Impfzertifikate ausstellen, fehlt uns einfach das Personal, um diese Patienten zu versorgen“, so der Apotheker.
Dazu käme, dass man in der Vergangenheit immer wieder vor Lieferschwierigkeiten gestanden hätte, worunter dann auch die Qualität der Präparate gelitten habe. „Die Sorten für den medizinischen Gebrauch kommen meist aus Kanada“, klärt Hans-Ulrich Sick auf. „Durch die langen Lieferwege waren sich selbst die Importeure nicht sicher, ob die Ware den Anforderungen der zuständigen Behörden entspricht.“
Die Qualität ist dem Apotheker aus Filderstadt besonders wichtig, sollte der Cannabis-Konsum nun legal werden. Deswegen pocht er darauf, dass die Regierungspräsidien, die Bundesopiumstelle und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einheitliche Güteklassen und Abgabemengen für Konsumenten definieren. „Ich habe einfach die Erfahrung gemacht, dass es eine Behörde anders interpretiert als die andere“, sagt er. „Wenn wir den Landwirten in Deutschland zukünftig erlauben würden, auch Cannabis anzubauen, könnten wir die Lieferwege kürzer halten und einen einheitlichen Standard der Ware gewährleisten.“ Es sei vom Gesetzgeber bis jetzt kein guter Schachzug gewesen, Cannabis zu importieren, anstatt die heimische Wirtschaft zu stärken.
Wenn all diese von Sick angesprochenen Punkte reformiert und konkretisiert würden, dann könnte er sich vorstellen, die Droge künftig in seiner Apotheke zu verkaufen. „Es handelt sich dann aber um ein Genussmittel, und man muss da ganz klar vom medizinischen Gebrauch unterscheiden“, sagt er. Aufklärung und Beratung über diverse Nebenwirkungen von geschultem Personal würden dann eine besonders wichtige Rolle spielen. „Da bin ich aber auch der Meinung, dass neben Apotheken andere zertifizierte Abgabestellen, das genauso gut könnten.“